Stress im sozialen Netzwerk. Zu meiner Überraschung: kein Rechter dabei. Dieses Mal wünscht sich eine Netzwerk-Freundin Applaus für ihren moralischen Rigorismus . Ich nenne sie hier Monika. In ihren Postings wirkt es, als sei Monikas Partei - die SPD - der Verein für nette Leute. Durchweg Lächelnde, die sich am Wahlstand knuddeln.

Jetzt explodiert Monika. Wegen eines Fotos. Eine schöne Frau hat sich für eine Image-Kampagne der Bundesregierung nackt in eine Deutschlandfahne gewickelt. Geschmackssache, finde ich. Von wegen! Sexismus, mahnt Monika kompromisslos. In einer Welt, die Monika gut findet, ziehen sich Frauen wohl nur noch im Verborgenen aus. Ich weise daraufhin, dass ich diese schöne Frau zweimal interviewt habe. Sie stammt aus Afghanistan. Musste als junges Mädchen mitansehen, wie ihre Cousinen von Taliban-Sittenwächtern zusammengeschlagen wurden. Für den Nagellack, den sie trugen.

Dann wäre der Pirelli-Kalender wohl ein Freiheitsdokument

Die schöne Frau hat ein packendes Buch über die Flucht der Familie geschrieben. In dem sie auch erklärt, warum sie später in Deutschland mit ihrem Vater kämpfen musste. Der verlor in dieser modernen Fremde die Übersicht. Sie flüchtete wieder. In eine internationale Model-Karriere, mit schlechtem Gewissen. Ob jemand die Frau anrufen sollte, frage ich Monika. Damit ihr ein wahnsinnig netter Mensch erklärt, die Sache mit den Taliban und dem strengen Vater sei sicher nicht so schön. Aber jetzt würde sie bei richtig guten Menschen wegen Sexismus anecken und deswegen solle sie sich bitte sofort was Anständiges anziehen.

Ein Henning schaltet sich ein. Dann wäre der Pirelli-Kalender wohl ein Freiheitsdokument, feixt er. Als ich schreibe, es sei nicht immer alles mit allem zu vergleichen, ist der Henning nicht mehr süffisant. Sondern behauptet, ich sei besoffen.

Ich beende die Diskussion. Entfreunde Monika. Stehe aber jederzeit mit Schmerztabletten parat, wenn ihr und ihren netten Freunden mal wieder wegen zuviel Freiheit der Kopf brummt.

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