Eigentlich ist die Farbe der Berlinale ja Rot. So rot wie der Schal des Berlinale-Stoffbärs und so rot wie der Teppich, auf dem die modischen Highlights der Stargäste laufen. In diesem Jahr fällt allerdings ein anderer, deutlich neutralerer Ton auf. Unschuldiges Weiß ist das „Must-Have“ der Saison.

Juliette Binoche machte den Anfang in einem cremeweißen Mantelkleid von Armani. Das war allerdings alles andere als unschuldig. Im Stehen offenbarte es einen tiefen Einblick, alle privaten Körperteile blieben aber da, wo sie hingehörten. Im Sitzen passierte allerdings ein kleines Malheur. Der ausgesprochen hohe Schlitz ließ einen anderen Einblick zu. Madame nahm es mit der nötigen Nonchalance der Französinnen.

Auch die deutsche Schauspielerin Sibel Kekilli wählte Weiß als Farbe ihrer Abendrobe. Sie trug eine weiße Seidenbluse und einen langen Rock mit Stickereien von Ambachervidic. Marie Bäumer kopierte den Look von Jennifer Aniston und zuletzt Rihanna und trat im Hosenanzug an. Farbe: Schneeweiß. Die Zeiten, in denen es nur der Braut oder dem Arzt vorbehalten war, sind eindeutig vorbei.

Die Nicht-Farbe Weiß kann trotzdem langweilig sein, raffinierte Schnitte sind der Schlüssel zum Glück. Übertreiben muss man trotzdem nicht, denken Sie an Frau Binoche. Weiß verträgt auch nicht zu viele Accessoires, Frau Kekilli hat hier das maximal Mögliche herausgeholt. Sonst sieht man schnell wie eine überladene Fee aus.

Es gab aber auch einige unschöne Begegnungen in Weiß. Dazu gehörte nicht zuletzt das Gesicht von Nicole Kidman. Starr und weiß schritt sie über den Teppich. Davon lenkte auch das Couture-Ensemble nicht ab. Auch die Tradition der Berlinackten und ihrer Nachahmer ist dem guten Stil abträglich. Zuviel weiße Haut, bedeckt mit einem Fetzchen Stoff oder einem Teddyfell? Nein, danke. Dann lieber einen gefährlichen Schlitz im Kleid.