Während in Paris gerade die Haute-Couture-Schauen für die Damen losgehen, auf denen unter anderem Karl Lagerfeld für Chanel wunderschöne blütenreiche Entwürfe für Frühjahr/Sommer vorstellt, habe ich mich immer noch nicht von der diesjährigen Männermode erholt.
Höhepunkt der recht rasanten Entwicklung war die Show des renommierten Designers Rick Owens. Er setzte das beste Stück des Mannes derart in das Zentrum seiner Schau, dass sich selbst gestandene Moderedakteurinnen dazu zwingen mussten, den Models auf die Klamotten zu schauen. Owens zeigte sogenannte „Penis-Coats“, die unten herum, nun ja, sehr luftig geschnitten sind und kaum Raum für Fantasie lassen.
Owens ist damit legitimer Nachfolger von Yves Saint Laurent, der bereits 1971 zum Launch seines Parfüms „Pour Homme“ eine Nacktaufnahme von sich als Werbemotiv veröffentlichte. Sein Partner Pierre Berger sagte zu der Aufnahme: „Es war die pure Provokation. Es wurde fast nirgendwo veröffentlicht, nur in wenigen französischen Zeitungen.“
Der neueste Trend bei den Herren
Nun, diese Zeiten sind vorbei. Man kann die Sache von zwei Seiten betrachten. Entweder man findet die Entblößung des Geschlechtsteils geschmacklos, was durchaus eine berechtigte Meinung ist. Oder man fragt sich, warum das eigentlich noch kein Designer viel eher gemacht hat. Müssen die weiblichen Models doch nun schon seit Jahrzehnten damit leben, ihren Busen entweder im durchsichtigen Stoff oder völlig entblößt über den Laufsteg zu tragen.
Jetzt, wo die Herren der Schöpfung in diesem Bereich eindeutig nachgezogen haben, gibt es kein Halten mehr. Denn der neueste Trend bei den Herren: Girlfriend-Dressing. Bei Gucci gab es den Bohemian-Look und zarte Schluppen-Blusen. Mann trägt die Bluse übrigens über der Hose. Absätze an den Schuhen sind nun nicht mehr nur für kleine Männer wie Nicolas Sarkozy eine Option.
Bei Saint Laurent trugen alle silberne Disco-Stiefel mit Heel. Broschen und Ketten als hübsches Anhängsel gehören in das Repertoire des modernen Mannes, genauso wie die Farbe Pink. Und zwar von Kopf bis Fuß. Glauben Sie mir nicht? Dann schauen Sie sich die Entwürfe von Astrid Andersen an. Mir gefällt’s, aber sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.





