Jahreszeiten sollten die Mode bestimmen. Das hat ganz praktische Gründe. Es macht wenig Sinn, im Berliner Herbst im luftigen Sommerkleidchen durch die Straßen zu ziehen. Die überall vorhandenen Fallwinde sorgen dafür, dass man das nur einmal macht und sich dann mit Erkältung ins Bett verziehen muss. Nun geht der Trend bei den Modemachern in eine ganz andere Richtung. Die Jahreszeiten sind out.
Zu Beginn waren es nur die sogenannten „Cruise Collections“, die im Winter die kreuzfahrenden Damen mit entsprechenden Modetrends für die Karibikreise ausstaffieren sollten. Das britische Modehaus Burberry ist für seine Rolle als Teamleader der Branche schon lange bekannt. Das gilt weniger für ausgefallene Designs als vielmehr für den Einsatz von Technik oder neuen digitalen Strategien beim Präsentieren der Entwürfe.
Christopher Bailey hat sich auf der Londoner Fashion Week erneut an die Spitze der Bewegung gestellt und will der jahreszeitlichen Mode das Ende erklären. Die neue Kollektion mit wenig Überraschungen kann der eilige Kunde nun schon in der Adventszeit in den Schrank oder an den kälteresistenten Körper hängen. Wieso sollte es in den Modehäusern auch anders zugehen als im Supermarkt, wo schon im späten Sommer der Christstollen die Weihnachtszeit einläutet.
Man könnte es auch als Reminiszenz an die Klimaerwärmung verstehen. Sie können dann in der Wohnung schon in fluffigen Röckchen, ganz bunt und bei aufgedrehter Heizung herumspazieren. Bei den heutigen Energiepreisen ist das der echte, der wahre Luxus. Und es würde auch den Yeti-Mantel erklären, der inmitten der Kleider und Trenchcoats wie ein Schaf unter Blumenkindern auftauchte.
So nonchalant die Designer mit den Jahreszeiten umgehen, so festgefahren sind sie mit der immer wiederkehrenden Interpretation vorheriger Trends. Deshalb gab es in London und Mailand allerorten ein Comeback der 70er-Jahre, während auf der Straße noch die 90er dominieren. Allen voran: Tom Ford mit seinen Megaschlaghosen. Daraus kann man nur zwei Regeln ableiten: Schmeißen Sie nichts weg. Lassen Sie die Wintergarderobe einfach auch im Sommer im Schrank.





