Bildbearbeitung ist eine Ausgeburt der Hölle. Zumindest, wenn man glauben mag. Auch ich habe mich schon sehr kritisch zu dem Thema geäußert (völlig zurecht, natürlich).

Die arme Lena Dunham („Girls“) hat sich unlängst wegen ihres „Vogue“-Covers, das bearbeitet war, einen echten Shitstorm eingefangen. Im Internet zeigte man das Original und das veränderte Bild nebeneinander. Jedes veränderte Detail wurde kenntlich gemacht. Bis hin zum wegretuschierten Pickel unter der Armbeuge. Die bearbeitete Version war schöner, keine Frage. Trotzdem muss man für die Technik niemanden kreuzigen.

Die Autorin Polly Vernon bringt es auf den Punkt: In Selfie-Zeiten und Filter-Wahnsinn am Handy im Bildbearbeitungsprogramm sollten Frauen endlich damit anfangen, mit der tot langweiligen Schönheitsindustrie etwas lockerer umzugehen. Wir wissen schließlich, dass Model-Fotos bearbeitet sind. Dessen muss man sich bewusst sein. Und wer noch nicht den Chrom-Filter genutzt hat, um auf einem Handy-Foto besser auszusehen, der werfe den ersten Kosmetiktiegel.

Man darf nur nicht glauben, dass diese Art der Schönheit der Realität entspricht. Und dass man in diesen Wettbewerb eintreten muss. Schönheit ist nicht das allein Seligmachende. Schönheit hat auch nichts mit Macht oder Wohlstand zu tun. Ansonsten wäre Bill Gates ein echter Schuss.

Hält uns die Aufregung über die digitale Bildbearbeitung nicht davon ab, über die anderen, wirklichen Probleme weiblicher Mitglieder der Erdbevölkerung nachzudenken? Sollten wir uns nicht vielmehr darüber aufregen, dass Frauen im Durchschnitt immer noch weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen. Anstatt uns darüber aufzuregen, dass Menschen, deren Job (!) es ist, schön auszusehen, durch Computertechnik dann noch besser aussehen. Gähn.

Das Leben als andauernder Schönheitswettbewerb mit allen weiblichen Mitgliedern auf dem Globus. Eine fantastische Vorstellung. Den ganzen Tag die Größe der Oberschenkel vergleichen und sein Selbstbewusstsein aus den manikürten Fingernägeln und der richtigen Jeansgröße ziehen. Mädels, sind wir so simpel? Dann wird das nichts mit der Weltherrschaft.