Stilfrage

Das Leben ist eindeutig zu kurz für billigen Champagner

Teure Portemonnaies kaufen ist eine blöde Idee. Kaum ist die Börse weg, läuft vielleicht irgend so eine Ische mit dem edlen Stück herum. In einem anderen Fall macht Knausrigkeit aber keinen Sinn.

Mein Portemonnaie ist gestohlen worden. Am helllichten Tag, mitten auf der Friedrichstraße. Das macht mir naturgemäß verdammt schlechte Laune. Ich muss die ganzen Kredit-, Bank-, Carsharingkarten, Personalausweis und Führerschein, Bahncard neu beantragen. Geld war eh keins drin.

Ich habe den halben Tag damit verbracht, dem Dieb alles Mögliche an den Hals zu wünschen. Ein verdorrtes Gemächt, Fußpilz, immer Regen, 4000 Anfragen für Farmville und Candy Crush pro Tag, Herpes, nässende Wunden, einen Buckel, einen haarigen Rücken, immer nur Lena-Meyer-Landrut-Lieder, wenn er das Radio anschaltet, an der Kasse stets an der längsten Schlange stehen, und wenn er dran ist, dann macht sie zu.

Kein guter Stil, ich weiß. Man soll Menschen ja nicht verwünschen, Karma und so. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit. Viele meiner Freunde meinten, ich würde das Portemonnaie vielleicht zugeschickt bekommen. Ohne Geld (war ja eh keins drin, haha), aber mit den Karten.

Leider habe ich den Fehler begangen, mir eine Börse einer italienischen Luxusmarke zu kaufen, und außerdem hab’ ich einen sehr guten Geschmack. Die Börse war wirklich ausnehmend schön. Trotzdem: Es war eine selten blöde Idee. Bestimmt rennt jetzt irgend so eine dämliche Ische mit meiner in edlem grau gehaltenen Brieftasche rum.

Es gibt eben einfach Dinge, da lohnt es sich nicht, sie teuer zu kaufen. Brieftaschen, Haarbänder oder Sporttaschen zum Beispiel. Außerdem Handyhüllen, Nagellack und Neuwagen. Teure Jeanshosen, auch so ein völliger Blödsinn. Da kann man sein Geld irgendwie besser anlegen. Aber, es ist nicht einfach, die Balance zu halten. Denn, wie sagt mein kluger Vater immer: „Es ist zu teuer, etwas Billiges zu kaufen.“

Das gilt bei Kleidung, eindeutig für Schuhe und Pullover. In gute Stoffe investieren macht auch immer Sinn. Am besten den Knuddeltest machen: Stoff mit der Hand zusammenknuddeln und dann gucken, ob er so bleibt. Wenn er sofort knittrig aussieht, Finger weg. Dann werden auch Sie nach fünf Minuten aussehen, als wenn Sie kein Bügeleisen zu Hause hätten. Bei einer Sache lohnt es sich übrigens nie zu sparen. Eine Weisheit meiner Großmutter: Das Leben ist eindeutig zu kurz für billigen Champagner.