Eine Jeans zu kaufen, ist für eine Frau eine sensible Angelegenheit. Rund 18 – in Worten achtzehn – Modelle muss sie im Durchschnitt anprobieren, bevor sie eine Hose findet, die ihr passt. Auch ich habe ein lustiges Größen-Potpourri in meinem Besitz. Da darf man ruhig mal die Frage stellen, ob in der Bekleidungsindustrie Menschen mit Maßband nicht erwünscht sind. Oder ob dort zu viel Eierlikör konsumiert wird.
Selbst wenn man bei seiner bereits getragenen Marke bleibt, heißt das noch lange nicht, dass man einfach in ein Regal mit der entsprechenden Größe greifen kann, bezahlt und glücklich nach Hause geht. Nein, hier muss unbedingt anprobiert werden. Plötzlich stellt man fest, dass sich die Größe 27 bis 32 auf ein Mal verkleinert hat. Und ausnahmsweise liegt es nicht an zu vielen Keksen auf den diversen Weihnachtsfeiern. Man zwängt sie sich über die Hüften und bekommt den Knopf nur im Liegen zu. In einer für gewöhnlich weder besonders sauberen noch komfortablen Umkleidekabine ein wirklich entwürdigendes Unterfangen. Es soll nicht wenige Frauen geben, denen das die Tränen in die Augen treibt.
Ich verrate Ihnen jetzt mal ein kleines Geheimnis, das mir ein netter italienischer Jeans-Hersteller in Champagnerlaune irgendwann bei einem Abendessen servierte: Niemand, auch nicht die Hersteller, haben diese Schneidemaschinen unter Kontrolle, die aus den Stoffbahnen die Jeanshosen schneiden. Liegt der Stoff oben, bekommt die Jeans die korrekte Größe. Nach unten hin wird sie dann enger und enger. Bekommt aber das gleiche Größenetikett. Ich muss Ihnen sagen: Ich war baff.
Des Rätsels Lösung war so einfach. Es hat zwar zur Folge, dass man der Kabinenaufsicht jedes Mal erklären muss, warum man drei Mal die gleiche Jeans in drei Mal der gleichen Größe mitnehmen will, aber der Erfolg spricht für sich: eine Hose, die sitzt. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, liebe Designer. Und zwar für den Spargel wie für den Broccoli.




