Wieso genau ich dachte, eine pink-glänzende Leggings sei eine gute Idee und fehle noch in meiner Garderobe, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr. In jedem Fall lacht sie mir seit dem Kauf nun jedes Mal höhnisch ins Gesicht, wenn ich meine Strumpfschublade öffne. Und das nun auch schon ein paar Jahre. Vermutlich war ich kurzfristig weggetreten, in der Hand von Aliens oder jemand hatte mir etwas ins Essen gemischt, als ich sie erstand. Anders ist dieser Fehlkauf nicht zu erklären.

Nur, die Aliens schlagen bei mir anscheinend öfter zu. Nur so sind einige Kleidungsstücke in meine Sammlung gekommen. Dazu gehören die zu hohen kackbraunen Pumps (zu eng, aber ein Schnäppchen), eine lila Rüschenbluse (völlig irre!) und das leicht omahafte schwarze Cocktailkleid. Zieh ich nie an, war aber teuer. Ein Klassiker der nicht fehlen darf: die zu kleine Jeans. Ich weiß, mit dem Fehlkauf-Sammeln bin ich nicht alleine. Es soll in Großbritannien sogar vor ein paar Jahren zu einem tragischen Unfall gekommen sein, als eine Frau von einem Koffer erschlagen wurde, in dem sie lauter ungetragenen Sachen gehortet hatte.

Soweit darf ich es nicht kommen lassen. Warum es so schwer fällt, sich von den Sachen zu trennen? Die Antwort lautet: Versagensängste. Man könnte die Sachen ja auch einfach in einen Sack stecken und wegschmeißen. Aber das hätte den unschönen Nebeneffekt, dass man sich eingestehen müsste, als Konsument total gescheitert zu sein. Und was, wenn ich doch mal auf eine Party in Ibiza eingeladen werde, im frühen Frühjahr und noch nicht braun genug bin? Dann könnte die Leggings ja vielleicht doch noch zu was Nutze sein.

Und dann renn ich durch ALLE Läden und suche genau so ein Teil! Manchmal träume ich von einem Museum der ungetragenen Sachen. Quasi die Klamotten-Bibliothek des modischen Scheiterns. Ich würde berühmte Menschen einladen, die dort ihre Fehlkäufe als Leihgabe zur Verfügung stellen. Die ersten wären Björk und Herzogin Catherine. Die Vernissagen wären der Anlass, die Hüte, Stolen, Leopardenfell-Jacken und Tiaras endlich auszuführen. Es gäbe Selbsthilfegruppen und spontane Flohmärkte ohne Anmeldung. Aber das bleibt vorerst ein Traum.