Schlimme Szenen werden sich wieder abspielen. Vor den Toren schwedischer Bekleidungsketten stehen sich die Fashion Victims bereits am frühen Morgen die Füße platt, um ein Stück aus der Zusammenarbeit von Hennes & Mauritz mit der französischen Designerin Isabel Marant zu ergattern. Sie gönnen sich gegenseitig nicht die fünf Zentimeter, die die Konkurrentin weiter nach vorne kommt, werden dann in einen abgesperrten Teil des Geschäfts geführt und dürfen (!) dort eine bestimmte Anzahl an Produkten kaufen.
Ähnlich muss es in der DDR gewesen sein, wenn es die begehrten Südfrüchte gab. Und auch dort hatte schon niemand Spaß daran, da bin ich mir sicher. Aber nun wird die künstliche Verknappung und der lang vorbereitete Hype wirken. Falls Sie vorhaben, sich auch in die Schlange zu stellen: Lassen Sie es. Es lohnt sich nicht. Ich habe sämtliche Stücke schon vorher in Augenschein nehmen können, und es ist die unwürdige Ansteherei nicht wert.
Nein, auch dann nicht, wenn Kronprinzessin Victoria von Schweden den bestickten Blazer aus der Kollektion schon öffentlich getragen hat. Man möchte nämlich nicht mit einer Kopie einer Kopie durch die Gegend laufen. Noch nicht mal die Accessoires aus der Kollektion sind zum innerlichen Ausflippen, die Schuhe gehören eher in die Kategorie unbequem, oder wie meine Kollegin zu den Fransenstiefeln meinte: „Räuberlatschen.“
In London hängen die Läden der sogenannten High Street mittlerweile mit Pullovern und Hosen voll, die alle aus dem Atelier von Marant stammen könnten. Der Indianer-Hippie-Style ist dort schon längst durch. In dem man sowieso schnell wie ein Öko-Krieger aus den 80ern auf der Suche nach Coolness aussieht. Echte Trendsetter sind in London auf der Suche nach Karo-Mustern auf Hosen, Mänteln und Oberteilen.
Aber, unterschätzen wir nicht den Mitrede-Druck. Ein „Wie, du hast weder online noch im Laden versucht, etwas von Marant zu bekommen?“ können Sie folgendermaßen kontern: Verweisen Sie auf die viel coolere französische Designerin Vanessa Bruno („nur halb so aufgeregt, viel erwachsener“). Erwähnen Sie des Weiteren Simone Rocha. Die Irin gilt in den einschlägigen Kreisen schon länger als die neue Chefdesignerin auf dem Feld der Lässigkeit.





