Schumachers Woche

Rettet die Bienen!

Die bedrohten Bestäuber sind unersetzlich – oder wollen Sie bald selbst Pollen auf die Blüten wedeln?

Achim Achilles - Hajo Schumacher, PR Aufnahmen, fotografiert von Frank Johannes - www.frankjohannes.com

Achim Achilles - Hajo Schumacher, PR Aufnahmen, fotografiert von Frank Johannes - www.frankjohannes.com

Foto: Frank Johannes

In China kann man die Zukunft betrachten. Im Frühling stehen dort Menschen auf Leitern und wedeln Pollen auf die Blüten. Eine Fachkraft schafft 30 Obstbäume am Tag. Nicht schlecht. Ein Bienenvolk aber bestäubt täglich 300 Millionen Blüten, so viel wie 1500 Arbeiter. Selbst ohne Mindestlohn hat der Mensch keine Chance gegen die Erben der Biene Maja.

Die neue christdemokratische Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat Deutschlands Biodrohnen nun als „systemrelevant“ bezeichnet. Das ist überraschend klug in einer Partei, die „Bio“ lange für linksromantischen Schnickschnack hielt. Aber nicht die Biene. Zwei Milliarden Euro trägt der schwarz-gelbe Fleiß zum Bruttosozialprodukt bei.

Bei der SPD überlegt man schon, ob sich solidarisches Grundeinkommen mit Wedeln in Werder (Havel) oder im Alten Land kombinieren lässt. Klar, der Mensch kann sich auch Flossen anschnallen und im Delfinarium anheuern. Sieht leider bescheuert aus und funktioniert nicht.

In China kennen Kinder Bienen nur aus Videos

Der liebe Gott hat sich offenbar etwas dabei gedacht, als er die Natur arbeitsteilig organisierte. Nur Mao meinte, es besser zu wissen, als er vor 60 Jahren alle Spatzen meucheln ließ, weil sie die Saat aufpickten. Ganz China schoss, warf und lärmte, bis der letzte Piepmatz vom Himmel gefallen war. Das Land war vogelfrei, weshalb das Ungeziefer nun keine Feinde mehr hatte und seinerseits die Ernte fraß.

Da half nur noch Chemie. Aber leider sind Pestizide wie Algorithmen: Sie machen Schädlinge wie Nützlinge gleichermaßen platt. Seither kennen chinesische Kinder die Biene nur noch von Videos auf Youtube, während ihre Eltern auf Leitern wedeln.

Was wir von Mao lernen? Radikale Ideen klingen oft gut, funktionieren allerdings nur selten. Kluge Politik dagegen söhnt aus, sogar Bienen und Bauern. Ein Anfang wäre, nicht nur Gülle, sondern auch die derzeit angesagten Nervengifte auf den Äckern auf ein Minimum zu reduzieren. Zugleich sollte Ministerin Klöckner jedem landwirtschaftlichen Betrieb ein Dutzend Bienenvölker spendieren. Wer sich nahe ist, bringt sich nicht so schnell um.

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