Schumachers Woche

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

In der neuerlichen Sexismus-Debatte geht es Hajo Schumacher vor allem um eines: die Gesprächskultur.

Hajo Schumacher

Hajo Schumacher

Foto: Frank Johannes

Liebe Frauen, eine ernste Bitte: Sprechen Sie klar an, sobald Sie ein Wort als unangebracht, übergriffig oder verletzend empfinden. Es ist nun mal so, dass manche Männer – ich auch – bisweilen nicht ganz sicher sind, wie Sätze wirken, ob gesprochen oder geschrieben. Manchmal fühlen sich Menschen von mir diskriminiert, verletzt, bloßgestellt, was – Ehrenwort – seltenst Absicht ist.

Mal verrutscht ganz einfach ein Kompliment, mal ist die Stimmung falsch eingeschätzt, dazu Dummheit, Plumpheit, Tagesform. Es gibt unterschiedliche Humorlevel, Schmerzgrenzen, Konnotationen. Nein, ich will weder säftelnde Dirndl-Onkel verteidigen noch allgegenwärtigen Sexismus, schon gar nicht die Causa Weinstein kleinreden.

Mir geht es um Gesprächskultur, auf einer relativ einfach korrigierbaren, der verbalen Ebene. Ich wünsche mir ein offenes Wort, etwa: Sorry, mein Herr, dieser Spruch da eben war nicht lustig, sondern falsch/verletzend/unangemessen und zwar aus diesen Gründen. Klar, es ist nicht immer leicht, in solchen Situationen die Fassung zu bewahren. Aber Reg- und Wortlosigkeit zementiert Fehlverhalten. Schweigendes Augenrollen und Zum-Smartphone-Greifen helfen nicht weiter. Das Problem ist zu komplex für rituellen Facebook-Alarm.

Das Miteinander von Frau und Mann sortiert sich neu. Verhalten, das für unsere Väter normal war, ist überholt. Was ich okay finde, halten meine Söhne für bedenklich. Da kommen halt nicht alle immer mit. Oft herrscht Verhaltensunsicherheit, abhängig von Erziehung, Erfahrung, Kontext. Manchmal wissen wir es einfach nicht besser. Es wäre großartig, wenn Frauen uns Kerlen dabei helfen, Grenzen zu kapieren und zu respektieren. Man nennt es Lernen.

Jeder dumme Spruch trägt ja auch die Chance in sich, der letzte von dieser Person zu sein. Ich bin sicher, dass jeder halbwegs normale Mann sich um Einsicht müht. Wenn nicht, kann man ihn immer noch anprangern. Aber bitte erst dann. #aufschrei und #metoo sind wichtig, aber #gebtunseinechance auch. Die wirkungsvollsten Grenzen sind die gemeinsam gezogenen.

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