Auf den Skandal ist auch kein Verlass mehr. Früher, als alles besser war, war ein Skandal heftig, unerwartet und führte zu Rücktritten. Und heute? Warnt die vereinte Politik bereits vor Eintreffen des Skandals davor, dass er kommt. Womit wir bei „bt-leaks“ wären, Codewort für zunehmend feuchte Hände bei 630 Parlamentariern. „Bt“ steht für Bundestag, „leaks“ für „Leck“ und die geheimnisvolle Chiffre für eine Facebook-Seite, die seit Monaten registriert, aber nicht bespielt ist. Kommt da was? Und wenn ja, was genau? Von wem? Und wem soll es schaden?
Im Jahr 2015 wurde der Bundestags-Server angegriffen, Mails aller Parlamentarier abgesaugt. Ein Schüler-Hack war das nicht. Entspannt beobachten allenfalls die Vertreter von AfD und FDP die anschwellende Nervosität. Bisweilen hat es Vorteile, nicht im Bundestag zu sitzen. Nach den Erfahrungen aus den USA und Frankreich, wo der Mail-Verkehr der Kandidaten Clinton und Macron abgefischt wurde, dürfte in den sieben Wochen bis zur Bundestagswahl langsam was ans Licht kommen. Variante eins: Der Datensatz wird einer Zeitung zugespielt, die in einem Wust von Belanglosigkeiten nach Aufregern wühlen muss.
Variante zwei: Die Angreifer machen sich die Arbeit selbst. Variante drei: Mit pikanten Details werden einzelne Abgeordnete erpresst. Variante vier: Die meisten Mails bleiben unberührt, wenige aber werden manipuliert, sodass etwa der Eindruck von Korruption bei einer Fraktion entsteht. Variante fünf: eine Mischung der ersten vier. Seit Monaten spielt das politische Berlin die Optionen durch. Für Hillary Clinton waren vertrauliche Mails aus dem Wahlkampfteam ein ziemlicher Karrierestopper, Emmanuel Macron hingegen machte das Veröffentlichen seiner elektronischer Post kurz vor dem Wahltag nichts aus.
Nun hat der deutsche Wahlkampf weder Trump noch Le Pen zu bieten, dafür zwei ziemlich sozialdemokratische Spitzenkräfte. Spannend sind vor allem die möglichen Koalitionen. Nur mal so: Welche würde Putin am besten gefallen?
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