Puuh, da war mal wieder richtig was los in dieser Woche. Zuerst sollte ich für ein privates Radio in der Psyche von Martin Schulz gründeln, tags darauf für einen TV-Sender Trumps Russlandgeschäfte analysieren, schließlich drei Wahlprogramme bewerten und natürlich noch mal die Feinheiten des Guerilla-Kampfes am Beispiel Schanze ausführen. Manchmal mache ich dann etwas ganz Verrücktes und sage: „Ich kenne mich da nicht so richtig aus.“
Uneitler Journalist? Natürlich nicht. Aber vorsichtig. Bei den Kollegen von „Perspective Daily“ habe ich einen Artikel über das Phänomen des Ignoranz-Gipfels gelesen. Dieser Berg wächst zwischen zwei ähnlichen Wissensständen des Menschen, die beide gleichlautend „Keine Ahnung“ heißen. Der Unterschied: Keine Ahnung I tritt bei wirklich unkundigen Zeitgenossen auf, Keine Ahnung II dagegen bei gebildeten Menschen, die aufgrund ihres breiten Wissens einsehen, dass die Welt zu komplex ist, als dass ein Menschenhirn alle Aspekte erfassen und angemessen bewerten könnte. Manchmal stimmt ja nicht nur eines, sondern vieles, auch wenn wir das nicht so gerne mögen.
Exakt zwischen Keine Ahnung I und Keine Ahnung II erhebt sich der Gipfel der Ignoranz, auch als gefährliches Halbwissen, Morbus Trump oder Bundestrainer-Syndrom bekannt. Wer ein paar Fußballspiele gesehen hat, glaubt, mehr vom Rasensport zu verstehen als Jogi Löw. Wer zwei, drei Artikel zum Islam oder zu Martin Luther gelesen hat, fühlt sich als Religionsexperte, wer kurz mal auf Youtube stöberte, meint alles über Existenzphilosophie, Raketentechnik oder die Folgen einer Masernimpfung zu wissen.
Vor 20 Jahren fragten die US-Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger ihre Studenten nach einer Klausur, wie sie denn glaubten, abgeschnitten zu haben. Resultat: Kandidaten mit den schlechtesten Noten schätzten sich deutlich besser ein, die besten Studenten dagegen tendierten dazu, sich eher zu unterschätzen.
Was daraus folgt? Keine Ahnung. Aber am Wochenende werde ich mal wieder ein kluges Buch lesen.


