Ich bin ein Sportfan. Ich mag viele Sportarten – Fußball, selbstverständlich, Hertha und natürlich den DFB-Pokal, dessen Finalspiele in Berlin ausgetragen werden, ich mag die großen internationalen Meisterschaften, und manchmal schaue ich mir auch Spiele mit zwei spanischen Mannschaften an. Ich mag Basketball, Alba, natürlich, aber auch Handball und die Füchse, auch wenn es mir da oft zu ruppig zugeht.

Und selbstverständlich haben wir in unserer Familie immer die Olympischen Spiele verfolgt. Erinnern Sie sich noch an Ulrike Meyfarth, die Hochspringerin, die 1972 in München und dann noch einmal 1984 die Goldmedaille gewann? Oder an die spannenden Rennen mit Harald Schmid, einem gebürtigen Hanauer? Schmid war einer der besten 400-Meter-Hürdenläufer der Welt, unvergessen sind seine Wettkämpfe, die er sich mit dem übermächtigen Gegner Edwin Moses Ende der 70er- bis Mitte der 80er-Jahre geliefert hat. Ich habe also seit meiner Jugend viel Zeit vor dem Fernseher verbracht, wenn Olympische Spiele stattfanden und die Sportler um die Medaillen kämpften.

Und ich war, auch das hängt mit meiner Faszination am Sport zusammen, immer für Olympische Spiele in Deutschland. Damals, nach dem Fall der Mauer schon, als sich Berlin – wie wir wissen, vergeblich – um die Austragung der Spiele bewarb. Immerhin haben wir durch die Idee, die Wettkämpfe in Berlin auszutragen, schöne, moderne Sporthallen in der Stadt bekommen. Ich war auch im letzten Jahr dafür, dass sich Deutschland nochmals mit Berlin um die Olympischen Spiele bewerben sollte.

Auch das wissen wir heute: Erstens hatte Deutschland besser gesagt die Bundesregierung und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) kein Interesse, mit der Hauptstadt ins Rennen zu gehen. Hamburg war der Favorit des DOSB mit seinem Präsidenten Alfred Hörmann an der Spitze. Die Sportfunktionäre votierten mehrheitlich für die Hansestadt. Aber auch in Hamburg hatten die Bürger das letzte Wort – und die sagten Ende November vergangenen Jahres zur Überraschung vieler Nein. 52 Prozent waren gegen das Großereignis, für das der Hamburger Senat rund elf Milliarden Euro veranschlagt hatte. Ich hatte angesichts dieser Irrsinns-Summe auf ein solches Votum gehofft.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Und wenn man sich anschaut, was in den vergangenen Wochen passiert ist, bin ich wirklich heilfroh, dass es in Berlin keine Olympischen Spiele geben wird. Denn obwohl die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada Russland systematisches Staatsdoping nachweisen konnte, hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) es nicht geschafft, Russland von den Spielen auszuschließen.

Die einzelnen Verbände sollten entscheiden – und so sind jetzt in Rio de Janeiro russische Schwimmer dabei wie Julia Jefimowa, die einst wegen Dopings gesperrt war und nach einer relativ kurzen Sperre schon wieder antreten durfte. Auch die russischen Tennisspieler, Judoka, Bogenschützen, Reiter, Triathleten oder Volleyballspieler dürfen in Brasilien antreten. Mir jedenfalls ist die Lust auf die Spiele vergangen – und das liegt nicht daran, dass die Wettbewerbe meist spät in der Nacht im Fernsehen gezeigt werden.

„Es wird verdammt schwer werden“, hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann Anfang dieser Woche gesagt, als feststand, dass es der schlechteste deutsche Olympia-Start seit der Wiedervereinigung war. Und, so Hörmann, „ich denke, das Ergebnis von Rio wird uns noch mal eindrucksvoll vor Augen führen, dass es höchste Zeit ist, die Dinge anzugehen und nicht weiter nur drüber zu reden“. Er meinte damit, dass die deutschen Athleten in vielen Sportarten nicht konkurrenzfähig sind. Ich meine, es ist zu spät. Auch wegen solcher Funktionäre. Wer will sich denn noch zu Leistungen quälen, wenn andere mit Doping weiterkommen – und das keine Konsequenzen hat.

Wie gut, dass in Berlin keine Olympischen Spiele stattfinden.