Berlin ist diese Woche noch einmal glimpflich davongekommen. Sturm „Niklas“ verschonte die Hauptstadt weitestgehend. Nur einige Bäume und darunter geparkte Autos wurden Opfer der Windböen.
Was viele Berliner aus eigener Anschauung wissen: Die Kettensäge richtet viel größeren Schaden an. Denn seit Jahren müssen viele Straßenbäume aufgrund von Krankheiten oder mangelnder Standsicherheit gefällt werden. Rund 440.000 Bäume gibt es an Berlins Straßen. Die Hauptstadt gilt im europäischen Vergleich als grün. Noch. Denn für Neuanpflanzungen fehlt in der Landeskasse das Geld.
Dabei kann jeder einzelne Straßenbaum eine enorm positive Ökobilanz vorweisen: Eine ausgewachsene Eiche, Robinie oder Buche liefert mit 13 bis 15 Kilogramm so viel Sauerstoff, dass zehn Menschen davon leben können. Sie spenden im Sommer Schatten und bieten auch Schutz vor Wind. Werden Bäume in dichten Reihen gepflanzt, bilden sie einen Windschatten, der das 15-Fache ihrer Höhe ausmachen kann. So werden auch Häuser vor Sturmböen geschützt. Es gibt also viele gute Gründe, dem Baumsterben aus Geldmangel Einhalt zu bieten.
Bürgersinn reicht nicht aus
Berlin versucht mit einem Patenprogramm, dem Schwund entgegenzuwirken. Wer 500 Euro spendet, kann sich einen Standort für einen neuen Baum aussuchen. Der Senat gibt dann noch einmal 700 Euro dazu, damit das neue Grün in den ersten Jahren auch professionell gepflegt wird. Die Kampagne zeigt einigen Erfolg. So werden auch in diesem Frühjahr wieder Hunderte neuer Bäume eingesetzt.
Doch der Bürgersinn reicht nicht aus. Wie wäre es da mit einer unkonventionellen Idee? Berlin besitzt große Waldflächen. Die Berliner Forsten kümmern sich um Grunewald und Co. Wäre es nicht einen Gedanken wert, die großen Wälder auch als Reserve für das Stadtgrün zu verwenden? Wenn das öffentliche Geld nicht reicht, könnte man doch das öffentliche Vermögen der Wälder für ein Wiederaufforstungsprogramm der Stadt nutzen. Die Berliner Forsten könnten Flächen für das erste Anpflanzen der Bäume zur Verfügung stellen. Die Bäume könnten dann später an den Straßen für Ersatz sorgen.
Wenn nicht gleichzeitig Geld für die Straßenbäume gekürzt wird, würden auch die privaten Baumschulen nicht darunter leiden. Das wäre ein sinnvoller Umgang mit Berlins grünem Vermögen.





