Nicht nur der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, auch der Innensenator Frank Henkel (CDU) ist immer für eine Überraschung gut. In dieser Woche schmückte Henkel den Titel der Boulevardzeitung „BZ“ unter der Überschrift: „Senator Henkel über sein Leben als Papa“. Dazu auf dem Titelblatt ein großes Foto von ihm und seinem Sohn Leopold. In der Zeitung gab es dann weitere Fotos, wie der Senator den Sohn zur Kita bringt, dem Knirps den Pulli auszieht oder vor der Kita auf ihn wartet. Immerhin, der Zweijährige wurde auf den zahlreichen Fotos nur von hinten gezeigt.
Aber in der eigenen Partei und auch in Sicherheitskreisen wundert man sich sehr. Weil man als Politiker, zumal als ein Innensenator mit Personenschutz, sich so nicht in den Medien zeigt. Weil man sein Kind am besten ganz aus der Öffentlichkeit raushält und keinerlei Fotos von ihm in den Medien zeigt. Weil man als führender Politiker seine Privatsphäre schützt, es sei denn, man will, dass es einem wie Christian Wulff ergeht. Weil man in der Stadt wirklich andere Themen hat. Weil Wowereit seinen Rücktritt als Regierender Bürgermeister angekündigt hat. Die drei SPD-Politiker Jan Stöß, Raed Saleh und Michael Müller wollen dessen Nachfolger werden – und angesichts dieses Dreikampfs droht, dass bis Ende des Jahres im Senat nicht mehr viel entscheiden wird. Eigentlich ein Grund, als Koalitionspartner dafür zu sorgen, dass das Regieren nicht vergessen wird.
Aber Henkel setzt offensichtlich andere Prioritäten. Auch am Tag von Wowereits Rücktritt war er, wir erinnern uns, zunächst für niemanden erreichbar, weil er bei der Kita-Eingewöhnung seines Sohnes war. In der Senatssitzung ließ er sich vertreten – und verpasste so einen historischen Moment. Seine Aussage, die er in dieser Woche nochmals wiederholte, sein Sohn werde „immer an erster Stelle stehen“, egal um welche politische Frage es gehe, löst aber auch bei CDU-Politikern Kopfschütteln aus. „Henkel will doch Regierender Bürgermeister werden, was ist das denn für ein Signal“, heißt es in der Union. Henkel muss nicht nur den Wählern, sondern auch seiner CDU noch manches erklären.
Christine Richter


