Meine Woche

Eine Zukunft für das Berliner ICC als ILC

Das Internationale Congress Centrum ICC ist geschlossen. Der Leerstand kostet Millionen. Nun soll es ein Shoppingcenter werden. Gilbert Schomaker hat einen ganz anderen Vorschlag für die Nachnutzung.

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Genau 13 Grad. Das ist die Betriebstemperatur des neuen ICC. Besser des alten. Denn das Internationale Congress Centrum, 1979 eröffnet, ist nun geschlossen. Die Raumtemperatur wird auf 13 Grad runterreguliert. Die Kosten nur für den Erhalt des Raumschiffes an der Stadtautobahn liegen bei vier Millionen Euro. Weil der Senat 200 Millionen Euro oder mehr in die Sanierung stecken müsste, gibt es nun in der Politik schon einige, die sagen, lasst uns doch bei den vier Millionen Unterhalt für den Leerstand bleiben. Aber das ist wohl kaum eine Lösung.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Graf fordert den Senat auf, sich bis zur Sommerpause für ein Zukunftskonzept zu entscheiden. Grafs Parteifreundin, Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer, plädiert auf Grundlage eines Gutachtens dafür, das ICC als einen Hotel- und vor allem Shoppingstandort auszubauen. Nur so könne man private Investoren finden. Ich glaube, dass der Senat einen Denkfehler gemacht hat. Wenn man den Riesen-Koloss in einen Supermarkt XXL umwandelt, ist die Marke ICC dahin.

Denn weltweit wurde bisher das Congress Centrum als eben solches, als Zentrum für internationale Kongresse, geschätzt. Wie von Tausenden von Ärzten, die sich zum Krebskongress im ICC trafen. Oder wie jetzt ganz zum Schluss die Inhaber von Daimler-Aktien, die ihre Jahresversammlung dort durchführten. Aber das ICC als Kongress-Standort ist wohl passé. Und wenn man ehrlich ist, braucht Berlin nicht noch eine Shoppingmall. Internationale Gäste werden immer zum Kudamm oder demnächst vielleicht auch zum Leipziger Platz fahren, um einzukaufen. Das ICC mit seinem Stadtautobahn-Anschluss wäre eher was für regionale Konsumenten.

Vielleicht kann man ja einen Vorschlag aus der Vergangenheit noch einmal neu überdenken: Das ICC könnte die Zentral- und Landesbibliothek aufnehmen. Die Idee gab es schon vor einiger Zeit, sie wird aber vom Regierenden Bürgermeister und den Chefs der Landesbibliothek abgelehnt. Wenn nicht alle Flächen im ICC gebraucht werden, könnten dort auch noch Galerien oder ein Hotel mit einziehen. Ein Architekt hatte vergangenes Jahr eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Statt eines teuren Neubaus auf dem Tempelhofer Feld, wo die Landesbibliothek für etwa 300 Millionen Euro entstehen soll, gebe es im ICC wohl hohe Umbaukosten. Aber dann hätte das ICC wenigstens einen wirklichen Nutzen als ILC – als Internationales Lese Centrum.