Kongresszentrum

Im ICC geht nach 35 Jahren nun endgültig das Licht aus

Im Berliner ICC finden ab sofort keine Veranstaltungen mehr statt. Eine Marktanalyse empfiehlt eine Mischnutzung aus Hotel, Kongress und Handel. Nun sollen Investoren die Möglichkeit zum Kauf erhalten.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die Letzten waren die Aktionäre von Daimler Benz, dann wurden die Türen geschlossen: Im Berliner Internationalen Congress Centrum (ICC) finden ab Donnerstag keine Veranstaltungen mehr statt. Nach 35 Jahren ist Schluss mit Messen, Kongressen, Konzerten oder Parteitagen. Kein schöner, aber wohl ein unumgänglicher Tag für Berlin, denn das ICC ist mit Asbest belastet und muss dringend saniert werden.

Ungewisse Zukunft

„Raumschiff“ nannten die Berliner das ICC, das 1979 eröffnet wurde, wenn sie es gut mit ihm meinten. Es war groß, es war modern, es war multifunktional – und nicht zu übersehen, wenn man mit dem Auto nach Berlin, damals West-Berlin hineinfuhr.

Dort trafen sich Politiker und die Berliner Gesellschaft zu Presse- oder ADAC-Bällen – und verkrafteten im Jahr 2005, dass plötzlich die Sprinkler-Anlage anging, die Gäste unter die Tische flüchteten. Für die Kongresse der Mediziner oder Juristen, für die Veranstaltungen während der Internationalen Tourismusbörse (ITB) wurde das ICC auch international hoch gelobt – und immer wieder mit Preisen ausgezeichnet.

Doch wie es nun weitergeht, ist völlig offen. Seit gut zehn Jahren schon diskutiert der Senat. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) sucht einen Investor, die Macher einer Marktanalyse empfehlen für das ICC eine Mischnutzung aus Hotel, Kongress und Handel.

Andere Varianten seien viel teurer und damit „unrealistisch“, heißt es in dem kürzlichen bekannt gewordenen Gutachten. Doch solche Pläne sind umstritten, denn dies könnte die Geschäftsleute am Kurfürstendamm oder der Kantstraße gefährden.

Kongresszentrum als Marke für Berlin erhalten

In einem Punkt hat sich die CDU inzwischen festgelegt. „Oberste Prämisse ist: Mit der CDU wird es keinen Abriss des ICC geben“, sagte Fraktionschef Florian Graf am Mittwoch anlässlich der ICC-Schließung. Bis zur Sommerpause, so Graf, müsse der Senat eine Entscheidung über die weitere Zukunft des Veranstaltungszentrums treffen. „Nach über zehn Jahren Diskussion zum ICC wäre das ein Erfolg.“ Die Sommerpause beginnt in gut zwei Monaten.

Das Kongresszentrum müsse als Marke für Berlin erhalten werden. Zudem dürfe es über die bewilligten Sanierungsmittel in Höhe von 200 Millionen Euro hinaus keine Folgekosten für die Berliner Steuerzahler geben. Dafür sei ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept notwendig, das offen für Mischnutzungen neben dem Messegeschäft sei.

Wenn ein Investor für sein Konzept auch das Grundstück und das Gebäude des ICC kaufen möchte, habe er nichts dagegen, sagte der CDU-Fraktionschef. „Wenn es wirtschaftlich tragfähig ist, kann ich mir eine Eigentumsübertragung vorstellen.“ Dann müsste in dem Vertrag jedoch festgeschrieben werden, dass das ICC nicht abgerissen wird. Das 1979 eröffnete ICC schließt am Mittwoch nach 35 Jahren Messe- und Kongressgeschäft. Der Senat sucht einen Investor.

Bezirksbürgermeister wollen Möglichkeiten vorstellen

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (beide SPD) wollen am Donnerstag ihre Sicht zu den Möglichkeiten einer künftigen Nutzung des ICCs vorstellen. Wie berichtet, hat Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) eine Marktanalyse für das ICC beauftragt, die zu dem Schluss kam, dass für die Zukunft des Gebäudes am besten eine Mischnutzung aus Hotel, Kongressbetrieb und Handel geeignet wäre. Andere Varianten seien teurer, so die Gutachter.

Wenn das Gebäude allerdings ohne weitere Zuschüsse aus der Landeskasse betrieben werden soll, müsste dort Einzelhandel in erheblichem Umfang angesiedelt werden. Die Gutachter des beauftragten Unternehmens „Drees & Sommer“ prüften im Auftrag des Senats fünf Varianten für eine künftige Nutzung.

Damit sich ein Einkaufszentrum an dem von Straßen und Autobahnen umgebenen Standort wie dem ICC rechnet, gehen Projektentwickler davon aus, dass dort mindestens 45.000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen müssten. Mögliche Auswirkungen auf andere Einzelhandelsstandorte sollen noch untersucht werden.