Die gute Nachricht erreichte Berlin diese Woche aus Paris. Das Maison de France am Kudamm bleibt erhalten. Das Kulturzentrum sollte eigentlich – so der Sparplan der neuen Regierung Hollande – in das Botschaftsgebäude am Pariser Platz ziehen. Das Haus am Kurfürstendamm sollte verkauft werden. Doch Außenminister Laurent Fabius revidierte nun seine Meinung.
„Ich habe entschieden, das Institut français in Berlin im Gebäude des Maison de France zu erhalten.“ Sein deutscher Kollege, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, twitterte gleich: „gute Nachrichten für die deutsch-französische Freundschaft“. Und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) freute sich, dass die französische Kultur in Berlin „so wirkungsvoll“ vertreten bleibt. Immerhin hatten sich in Berlin mehr als 12.000 Menschen in Unterschriftenlisten für den Verbleib am Kudamm engagiert, wo das Institut seit 1950 residiert.
In der Tat hätte ein Wegzug vom Kudamm der Sichtbarkeit der französischen Kultur im Herzen des Westteils einen Abbruch getan. Es wäre einem Verschwinden hinter dicken Mauern am Pariser Platz gleichgekommen. Dabei sollte der deutsch-französische Zusammenhalt in Berlin eher wieder forciert werden.
Denn seit dem Abzug der Alliierten aus Berlin – und damit auch der Franzosen – ist Frankreich zumindest im öffentlichen Bewusstsein ein Stück weit ins Hintertreffen gerückt. Viele Berliner Schulen, die Französisch als erste Fremdsprache anbieten, müssen mittlerweile immense Werbearbeit leisten, um die Klassen mit einer ausreichenden Zahl an Schülern zu bestücken.
Frankreich und Berlin verbindet nicht nur die Kunst
Dabei tut Frankreich – und der Blick zum größten deutschen Partner in der Europäischen Union – auch Berlin gut. Es ist nicht nur die Kunst, die die Berliner schätzen. Gerade erst wurde die Ausstellung „Berlins schönste Franzosen – Watteau und sein Kreis“ mit ihren französischen Gemälden aus dem 18. Jahrhundert im Schloss Charlottenburg bis zum 4. Mai verlängert.
Die Sammlung stammt von Friedrich dem Großen und seinem Bruder, Prinz Heinrich, die die Kunst jenseits des Rheins mochten. Aber Frankreich und Berlin verbindet nicht nur die Kunst der Vergangenheit. Heute studieren und leben mehr Franzosen in Berlin als noch vor zehn Jahren. Denn auch in Frankreich hat sich herumgesprochen, dass es einfach Spaß macht, in der deutschen Hauptstadt zu leben.
Und man kann auch gute Geschäfte machen. Nach Angaben von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) wurden 2011 Berliner Produkte im Wert von 782 Millionen Euro in Frankreich abgesetzt. Im Gegenzug gab es einen Import französischer Güter in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Frankreich sei damit nach wie vor der zweitwichtigste Zulieferer, so Yzer. Die enge Verflechtung zeigt auch, dass 650 französische Unternehmen einen Sitz in Berlin haben.
Die Mitteilung schrieb die Wirtschaftssenatorin aus einem besonderen Grund: Am 22. Januar jährte sich die Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags, des Élysée-Vertrags, zum 50. Mal. Auch vor diesem Hintergrund war es ein gutes Zeichen, dass Paris weiter zu seinem Maison de France am Kudamm steht.





