Meine Woche

Verzweiflung im Taxi – Umwege in Berlin

Mit Taxifahrern in Berlin zu diskutieren, kann ein heikles Unterfangen sein. Christine Richter verrät, wie man trotz Ratlosigkeit auf dem Fahrersitz oder verschmutzten Autos ans Ziel gelangt.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Mein Freund hat mir vor ein paar Jahren verboten, mit Taxifahrern in Berlin zu diskutieren. Zu oft wurde die Stimmung im Taxi eisig. Meistens, vor allem, wenn er dabei ist, halte ich mich daran. Aber es fällt mir – zugegebenermaßen – schwer. Kürzlich tippte ich auf dem Heimweg abends auf meinem Smartphone herum, beantwortete noch ein paar Mails und SMS und achtete deshalb nicht auf die Strecke von Mitte nach Prenzlauer Berg.

Als ich nach einer Weile aufsah, fuhr der Taxifahrer gerade die Mollstraße weiter geradeaus, anstatt in die Prenzlauer Allee abzubiegen. „Warum fahren Sie hier lang, das ist doch ein Umweg“, fragte ich erstaunt. Antwort: „Sie haben ja nix gesagt.“

Sie ahnen es: Es gab kein Trinkgeld angesichts des großen Umwegs und der erfahrenen Mehrkosten.

Am vergangenen Mittwoch sprang ich am Verlagshaus an der Zimmerstraße in ein Taxi, in Eile, auf dem Weg zu einem Abendtermin an der Neustädtischen Kirchstraße. „Wo ist die“, fragte der Taxifahrer. Und nein, es war kein Migrant, wenn manch einer jetzt meint, eine Erklärung parat zu haben.

Ratlosigkeit und Unkenntnis bei Taxifahrern

Es war ein deutscher Taxifahrer. „Zwischen Friedrich- und Wilhelmstraße“, sagte ich. „Kenne ich trotzdem nicht“, antwortete der Mann. „Na, das Restaurant liegt an der Ecke Neustädtische Kirchstraße, Ecke Dorotheenstraße.“ Ratlosigkeit auf dem Fahrersitz. „In der Nähe ist auch das ,Café Einstein‘“, unternahm ich den nächsten Versuch. „Es gibt viele ,Einsteins‘ in Mitte“, antwortete der Taxifahrer. Ich habe ihm den Weg erklärt.

Natürlich: Viele der rund 7000 Taxifahrer in Berlin wissen, wo sie lang müssen. Sind freundlich, halten ihren Wagen sauber. Kennen den Weg durch Mitte genau oder wissen auch, dass es einen Unterschied zwischen der Niederkirchner Straße – in Mitte – und der Käthe-Niederkirchner–Straße – in Prenzlauer Berg – gibt.

Aber auf den Straßen tummeln sich auch viele Taxifahrer, die einen Fahrgast zur Verzweiflung bringen. Denen man keinen Cent Trinkgeld geben möchte, weil der Fahrer auf dem Weg zum Ziel so viele Umwege fährt, dass es fast schon schmerzt. Bei manch einem Berliner Taxifahrer mag man am liebsten wieder aussteigen, weil er so unfreundlich, weil das Taxi so dreckig ist, weil der Musiksender so laut aufgedreht wird, dass man meint, in einer Disco unterwegs zu sein.

Niemals mit Taxifahrern streiten

Sicher, es geht auch noch schlimmer. Ein Potsdamer Freund war kürzlich in Kolumbien, fuhr dort mit dem Taxi zu seinem Termin. Ein Taxifahrer tippte während der Fahrt auf seinem Laptop herum, den er auf dem Beifahrersitz abgestellt hatte. Entsprechend unkonzentriert kurvte er durch die Stadt.

„Wir hatten wirklich Angst um unser Leben“, erzählte der Potsdamer nach seiner Rückkehr. Aber jegliche Bitte, sich doch auf den Verkehr zu konzentrieren, wurden ignoriert, der Mann tippte einfach weiter. Sogar die Drohung, man werde aussteigen, nichts bezahlen, fruchtete nicht.

Als die Potsdamer das später ihren kolumbianischen Betreuern erzählten, schlugen diese die Hände über dem Kopf zusammen. „Sie sagten, in Kolumbien werde man schon für viel weniger erschossen, man dürfe sich niemals mit Taxifahrern anlegen“, berichtete der Potsdamer. Da war ich fast versucht, nur noch Gutes über Berliner Taxifahrer zu berichten, für immer zu schweigen.

„Ab und zu musst du mit den Berliner Taxifahrern diskutieren“, gibt mein Freund zu. Er fängt wohl bald auch damit an.