Oft höre ich von meinen Kunden, wenn ich nach Farbenvorlieben im Garten frage, „Bitte alles, nur kein Gelb.“ Im Frühling ist das anders, denn Gelb steht für die Überwindung der Dunkelheit nach langen, düsteren Winterabenden.
Die Bezeichnung Narzisse stammt aus der griechischen Mythologie. Narziss war ein junger, hübscher Mann, der von allen Waldnymphen angehimmelt wurde. Die Nymphe Echo liebte ihn, er aber verschmähte sie. Arrogant und selbstherrlich bewunderte er am liebsten nur sein eigenes Spiegelbild im nahegelegenen Fluss. Als er eines Tages zu sehr damit beschäftigt war, fiel er hinein und ertrank.
Schönheit kann also gefährlich sein. Aus der Asche seines Leichnams wuchs eine schöne Blume, die Narzisse. In Europa gibt es heute eine Vielzahl an Kulturformen der Narzisse, die zumeist in Südeuropa und im Mittelmeerraum beheimatet sind. In Wales wird die Narzisse als Nationalblume verehrt.
Narzissen haben eine größere Formenvielfalt, als gemeinhin vermutet wird. Um den Überblick zu behalten, wurden sie in zwölf Klassen eingeteilt, von denen ich hier nur einige ansprechen kann. Zur Klasse 1 gehören beispielsweise die Trompetennarzissen, deren Haupt- und Nebenkronenblätter fast gleich groß sind.
Eignet sich zum Verwildern im Rasen
Für viele sind sie die eigentlichen Osterglocken. Dazu zählt auch die wunderbare weiße Sorte „Mount Hood“. Der Klasse 2 werden großblumige Narzissen zugeordnet; „Ice Follies“ gehört hier zu meinen Lieblingssorten. Zu meinen bevorzugten Klassen gehört die Nr. 10, welche die botanischen Narzissen umfasst, wie zum Beispiel die bezaubernden N. cyclamineus mit ihren zurückgeschlagenen Hauptkronenblättern und ihrer langen Trompete. Sie ist sattgelb und gilt als besonders robust. Aufgrund ihrer zierlichen Blüte eignet sie sich besonders als Unterpflanzung für Gehölze oder auch zum Verwildern im Rasen.
Eine wunderschöne zierliche Sorte ist N. bulbocodium; ihre eher verkümmerten Nebenkronenblätter und die wie eine Tüte wirkenden Hauptkronenblätter haben ihr den Namen Reifrocknarzisse eingebracht. N. pseudonarcissus gehört ebenfalls zu den Wildformen und eignet sich auch besonders gut zum Verwildern in Rasenflächen. Ihre cremefarbenen Hauptkronenblätter wirken ein wenig verdreht. Eine besondere Schönheit aus dieser Klasse ist die kleine seltene N. watieri. Aufgrund ihrer schneeweißen Blüten und einer Wuchshöhe von kaum zehn Zentimetern ist sie eher etwas für ein Alpinenhaus.
Gedeihen in fast allen Gartenböden
In der Klasse 7 finden wir die Jonquilla-Narzissen, die durch ihren angenehmen Duft bestechen und in Frankreich für die Parfümherstellung kultiviert werden. Auch die kleine mehrblütige Sorte „Baby Moon“ ist einfach hinreißend. Zu den duftenden und wohl bekanntesten Narzissen ist die Dichternarzisse zu zählen. Sie ist weiß mit rotgeränderter gelber Nebenkrone. Ich könnte noch seitenweise schönste und auch ungewöhnliche Narzissenformen aufzählen.
Allen gemeinsam ist, dass sie von Wühlmäusen gemieden werden. Das erhöht ihre Lebenserwartung um ein Vielfaches. Darüber hinaus gedeihen sie in fast allen Gartenböden. Sie sollten allerdings ausreichend durchlässig sein. Da Narzissen eine lange Wachstumsphase haben, sollten sie nicht zu spät, also zwischen Anfang September und Ende Oktober, gesteckt werden. Narzissen können gut zwischen später austreibende Stauden gepflanzt werden, da diese beim Austrieb das gelb werdende Laub verdecken. Somit können die Narzissen in Ruhe einziehen und sich auf die kommende Blütesaison vorbereiten. Auch zwischen Gräsern kann ich sie mir gut vorstellen, da diese spät austreiben und lange im Winter stehen bleiben. Dadurch bieten sie den etwas empfindlichen N. jonquilla Schutz im Winter.





