Wenn über Restaurants in Berlin mit hohem Promi-Faktor gesprochen wird, dann sind das stets das „Borchardt“, die „Paris Bar“ oder das „Grill Royal“. In diesem Zusammenhang fehlt ein italienisches Restaurant mit endlosem Namen: „Al Contadino Sotto Le Stelle“, was so viel heißt wie „Der Bauer unter dem leuchtenden Sternenhimmel“. Die Schauspieler Brad Pitt und Angelina Jolie hatten in einem Interview in New York kundgetan, dass genau dieses italienische Ristorante in Berlin ihre absolute Genuss-Adresse in Deutschland sei und eine echte Empfehlung für köstliches Speisen in Germany.
Eine Nummer kleiner, aber auch voll des Lobes, nannten unter anderem Til Schweiger und Diane Kruger dasselbe Restaurant ihre liebste Berlin-Adresse. Für mich ist der Glanz, den Showgrößen verbreiten, für die Bewertung nicht bedeutend. Solche sympathischen Promi-Kommentare passen an anderer Stelle besser in die Morgenpost. Für mich wichtig: Wie ist das Ambiente, wie läuft der Service? Und, natürlich, an erster Stelle steht die Qualität von Speisen und Wein.
Das Restaurant mit dem unaussprechlichen Namen ist anheimelnd warm, angenehm und tatsächlich mit einer Decke als blauer Himmel mit goldenen Sternen und blitzenden Lichtern, eine Dekoration, die dem Namen des Restaurants entspricht. Die Begrüßung ist herzlich wie unter alten Freunden auf dem Land in Italien. Und das Amuse Bouche, da sind wir schon bei den Speisen, ist erfrischend anders als was man üblicherweise bekommt: ein kleiner Artischocken-Fenchel-Salat mit Orangenfilets. Ein höchst angenehmer Einstieg.
Fenchel-Orangen-Salat mit Ingwer
Ich bin alles andere als ein Verfechter der vegetarischen Idee, aber hier entsprachen die ersten Gänge exakt dieser Richtung. So der Fenchel-Orangen-Salat mit Ingwer und 24 Monate gereiftem Parmigiano Reggiano. Nicht genug bekommen konnte ich von den geschmorten Auberginen mit süßsaurer Tomatenmarmelade und Sellerie. Abgerundet wurde die Aromabombe mit gerösteten Mandeln und Pinienkernen sowie Rosmarin. Grandios der Spinatsalat mit Granatapfel, Nüssen und Apfelspänen.
Attraktive Vorspeisen sind ebenfalls die mit fettem Speck umwickelten Garnelen, die auf einer Maronencreme serviert werden, und Calamari in Kombination mit Wirsing und weißen Bohnen. Eine gewiss ungewöhnliche Kombination. Das gilt auch für einige der Gerichte mit hausgemachten Nudeln. So wird die Pappardelle mit Bitterkakao gewürzt und mit Wildschweinragout und gerösteten Steinpilzen kombiniert. Die Cannelloni mit Büffelricotta bekommen als Geschmacksverstärker Rosinen, getrocknete Paprika sowie Pinienkerne und werden mit sautiertem Mangold angerichtet.
Risotto mit Asti Spumante und Scampi
Höchst interessant ist die Risotto-Aufbereitung, nämlich mit Asti Spumante abgelöscht und mit Scampi angereichert. Nichts ist wie üblich in dem 1997 eröffneten Restaurant. So habe ich noch nie in meinem Leben Garnelen in Kaffee-Sauce erlebt. Auf den ersten Blick unfassbar, aber eine durchaus genussvolle Aroma-Verbindung.
Nun soll man nicht glauben, dass die Fleischeslust-Jünger hier zu kurz kommen. Butterzart ist die Kalbshaxe mit frischem Gemüse und Safran-Risotto oder die Kaninchenkeule in Cognac-Sauce, dazu gibt es Apfelmus, Lauch und gemischte Pilze. Eine kleine Verbeugung vor Südtirol ist der Rindertafelspitz mit einem köstlichen Früchtesenf aus Mantovane und dazu Gemüse.
Es kommt ganz selten vor, dass ein Restaurant ohne jede kritische Anmerkung besprochen werden kann. Der Hausherr empfahl mir ein Entrecôte von höchster Fleischqualität – wie er glaubt. Er hatte das Fleisch von freilaufenden argentinischen Rindern gekauft, das aber von Konsistenz und Aroma auch nicht annähernd die Qualität vom gereiften US-Prime-Beef hatte.
Ordentliche Portion weiße Trüffel auf dem Fleisch
Damit kein falscher Trend vermittelt wird: Das Entrecôte war perfekt gebraten, gut gewürzt und der Chef hobelte zur Geschmacksverstärkung noch eine ordentliche Portion weißer Trüffel darüber. Dieses „Tartufata“-Gericht war mit 29,50 Euro das teuerste auf der Karte. Die wunderbaren Salate liegen zwischen 6 und 13 Euro. Der süße Abschluss besteht aus Standards: Cassata Siciliana mit oder ohne Schokoladensauce, Panna Cotta mit Limone oder Tiramisu. Alles große Portionen zu kleinem Preis (4,50 bis 5 Euro).
Für den Gast, der eine abgestimmte Speisefolge besonders schätzt, gibt es drei monatlich wechselnde Menüs (36 bis 50 Euro) und eine spezielle Speisefolge für überzeugte Vegetarier. So ungewöhnlich die Speisekarte aufgebaut ist mit dem breiten Angebot der Küche, so speziell ist auch die Weinkarte. Alle italienischen Regionen, in denen Wein produziert wird, sind in übersichtlicher Folge aufgeführt. Dabei gibt es keine grobe Trennung zwischen Weiß- und Rotweinen. Ich wählte einen Vieris Chardonnay, der ein selten erlebtes Aromen-Paket bot, duftend wie ein Sommerstrauß aus Kalabrien.
Der Service war so persönlich, kompetent und gastfreundlich, da gibt es kaum eine Steigerung. Unter dem Strich steht ein Erlebnis, das ich der Schauspieler-Aussage in der „New York Times“ verdanke und gern weiterempfehle. Meine persönliche Rangliste der besten italienischen Restaurants in der Metropole muss nach diesem Besuch neu geschrieben werden. In die Spitze der Top drei gehört Al Contadino Sotto Le Stelle, oder sagen Sie doch einfach „Der Bauer unter dem himmlischen Sternenzelt“. In jedem Fall: Buon Appetito!
Al Contadino Sotto le Stelle, Auguststraße 36, Mitte, Tel.: 2819023, Mi bis Mo ab 18 Uhr, Dienstag Ruhetag, www.alcontadino.com





