Auch nach der Übernahme durch Accor und die Umwandlung zum Sofitel bleibt das Domizil am Kurfürstendamm, das vorher ein Concorde war, seiner in der Dekoration minimalistischen und funktionellen Linie treu. Nur das Restaurant „Le Faubourg“ ist besser dekoriert, ein bisschen Old Fashion, von Ambiente und Atmosphäre wie die Pariser Gourmettempel oder Edel-Brasserien. Dem entspricht auch der Service mit einer vorzüglichen Gästepflege. Was macht aber die neu formierte Küche?
Esprit und kulinarische Raffinesse werden angekündigt, bei einigen Gerichten ist das in der Tat der Fall, manchmal aber schlägt die internationale Hotellangeweile durch. Die Gerichte auf der Abendkarte sind in einigen Bereichen in Tradition und Modern (Nouveau) aufgeteilt. Damit ist, für mich nicht ganz eingängig, gemeint, dass für „Tradition“, ein klassisches Rinderfilet steht, und „Nouveau“ ein Rumpsteak ist. Doch das Positive zuerst. Heute nämlich ist die Atmosphäre im Restaurant entspannt und kultiviert, die Speisen sind weitgehend schmackhaft. Erwarten Sie aber keinen Höhenflug an Kreativität, dafür bekommt man aber gut gemachte Standards, auch vom Produkt her. Bon Appetit!
Der Küchenchef interpretiert erkennbar französische Gerichte. Er würzt kräftig, hat aber ein gutes Gespür für das Zusammenspiel der Aromen. Das gilt auch für die Beilagen. Beim angesprochenen Rinderfilet beispielsweise gibt es exakt wie in der berühmten Pariser Brasserie Lipp handgeschnittene Fritten mit Sauce Béarnaise oder Café-de-Paris-Butter. Während die Frites, doch so etwas wie die Visitenkarte einer Brasserie, noch krosser sein müssten, fand ich den Salat Niçoise originell. Die grünen Bohnen, die Kartoffelscheiben, Zwiebelringe, Sardellen, Wachtelei und gegrillter Thunfisch nicht in einer Schale gemischt, sondern in Einzelteile auseinanderdividiert und separat angerichtet. Ich kritisiere häufig zu viel Teller-Ikebana, was mit dem eigentlichen Gericht nichts zu tun hat, hier stimmte das Gesamtbild.
Wolfsbarsch auf Champagner-Linsen
Typisch für die Küche auch, dass der Wolfsbarsch einmal unüblich auf Champagner-Linsen angerichtet ist und Kartoffelstroh dazu serviert wird. Grundsätzlich gut, weil einfach vielfältig, finde ich die Grundidee, dass bei den Hauptgängen neben der klassischen Zubereitung ebenso modernere, nicht modische Varianten offeriert werden. So die Rotbarbe mit Trüffel Tapenade, Seeteufel-Medaillons mit Muscheln, der Loup de Mer mit frisch geschnittenen Kräutern oder das Kaninchen in der Senfkruste.
Beginnend mit den „Starters“ können die Gäste auf eine einfache und unkonventionelle Weise ihr Abendessen genießen. Die den Jahreszeiten angepasste Karte bietet sowohl zum Lunch als auch zum abendlichen Dinner ständig wechselnde Gerichte, die der neuen Philosophie des Restaurants entsprechen. So das Lachstatar in Verbindung mit Avocado-Mousse oder die Foie Gras (Gänseleber) mal als Terrine, mal kurzgebraten mit Quitten.
Jetzt im Spätherbst, auf der Schwelle zum Winter, sind Wildgerichte besonders beliebt, so die Hirschkeule, butterzart gegart, mit einer Semmel-Preiselbeerschnitte, die die Balance zwischen zarter Süße und sanfter Säure herstellt und Spitzkohl als Beilage. Angetan war ich von der Provenzalischen Fischsuppe mit krossen Croutons und Sauce Rouille. Ein herzhafter Appetitmacher. Unzufriedenheit gab es dagegen am Tisch über den total totgegarten Kabeljau.
Degustationsmenü für 65 Euro
Sehr gern operiert die Küche mit Menüs für Feste und Jubiläen, jeweils vier Gänge für 55 Euro. Zehn Euro mehr wird für das Degustations-Menü, quasi die Präsentation der Küche insgesamt, berechnet: Nach wechselndem Amuse Bouche (mal eine Terrine, mal eine Jakobsmuschel) folgt das Lachstartar, frische Froschschenkel, Medaillons von der Lotte, Lammkarree unter der Kräuterkruste und eine wechselnde Dessert-Variation.
Eine richtig gute Empfehlung ist das von Woche zu Woche wechselnde Lunch. Eine Vorspeise, ein Hauptgang, Wasser und Kaffee für 17 Euro, das ist ausgesprochen fair, weil die Gerichte kulinarisch in Ordnung sind. Bei den Vorspeisen beispielsweise Kaninchenrücken mit Kopfsalat und Orange oder eine Tomatenterrine mit Oliven und Risotto-Knusper. Bei den Hauptgängen ist es die langsam geschmorte Hirschkeule oder Zanderbäckchen mit Karotte und Risotto, um nur zwei Beispiele aufzuführen.
Weinkarte ohne Spitzengewächse
In Zeiten angesagten Slim-Denkens spielt ganz allgemein das Dessert eine geringe Rolle. Hier im Le Faubourg machen ein paar ausgefallene Süßigkeiten Appetit. Kokosnussbiskuit mit Ananasmousse zum Beispiel oder weißer Schokoladen-Cheesecake. Gewiss sind auch etliche Standards vom süßen Abschluss auf der Karte wie Crème Brûlée, die wirklich nirgendwo fehlen darf oder der Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern und Vanillesauce zum Abrunden.
Die Weinkarte ist im Bereich der mittleren Lagen gut sortiert, absolute Spitzengewächse fehlen, die erstklassige Weinpflege ist herauszuheben. Der Champagner ist richtig kalt, und der Rotwein wird sehr sorgfältig dekantiert, bevor der Gast die Bitte äußert. Doch das gehört zum Gesamtpaket Service, und das Team ist, da wiederhole ich mich gerne, ausgesprochen gastorientiert und damit angenehm. Die Küche hebt sich mit kleinen Gerichten und günstigen Mittagsangeboten von der eher aufgesetzten Gourmetküche gegenüber auf der anderen Straßenseite im Restaurant 44 des Swissôtel ab. Ganz gewiss ist die Neuorientierung im sonst eher kühlen Sofitel eine Bereicherung für die Berliner Gastronomie-Palette.





