Die Fußball-WM bringt täglich Brasilien und die brasilianische Lebensart in jedes Haus. Einmal davon abgesehen, dass etliche Berliner Köche dazu auch Gerichte der südamerikanischen Küche offerieren und überall Dekorationen à la Brasil die fußballverrückte Zeit unterstreichen, gibt es ein Restaurant in der Stadt, das mit authentischen südamerikanischen Spezialitäten aufwartet und mit schönen, knapp bekleideten Brasilianerinnen und Capoeira-Akrobatik junger Männer untermalt.

Natürlich werden Brasilien-Siege bis tief in die Nacht gefeiert. Ich habe das Restaurant Brasil Brasileiro besucht, auch weil neben vielen Jubel-Arien eine Leserin mir eine sehr kritische Bewertung ihrer Erfahrung geschickt hatte.

Der erste Eindruck wirkt wahrlich nicht appetitlich. Da hat die Leserin Recht. Es ist die Atmosphäre einer Bahnhofswirtschaft. Die Tische im weitläufigen Restaurant sind eng gestellt, es gibt keine Tischwäsche, nur ein Holzbrettchen und eine Papierserviette wie ein Fetzen. Alles wenig schön.

Für die Begeisterung der gewaltigen Fan-Gemeinde, die hier hereinströmt, muss es zwangläufig andere Gründe geben. Das ist in erster Linie das sehr ordentliche Produkt mit einem, wie ich finde, glänzenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Für Vorspeisen und Fleisch, vom Spieß heruntergeschnitten, so viel der Gast mag und essen kann, plus der angesprochenen Samba-Show, wird ein Festpreis von 25 Euro pro Person berechnet.

Vorspeisen-Büffet: tadellos

Das Vorspeisen-Büfett ist sauber, die Salate sind knackig, auch die verschiedenen Dressings und Dips waren tadellos. Zu den Salaten gab es Würfel von Ziegenkäse und panierte, gebratene Calamaris. Die schmecken freilich besser, wenn sie heiß sind.

Die Vorspeisen sind nur Appetitanreger, dann regiert die Fleischeslust. Vegetarier einmal ausgenommen. Die Gäste dürfen so viel gegrilltes Fleisch essen, wie sie vertragen können. Sage und schreibe 20 verschiedene Fleischspieße werden zubereitet und von fröhlichen Kellnern an den Tischen serviert. Dabei schneiden die Serviceleute mit einem schwertähnlichen Messer Streifen herunter und legen sie zu den scharfen Saucen auf den Teller.

Nun schlägt mein Herz nicht so sehr für die spanische Wurst (Chorizo), nicht für Pute, auch nicht für die angebotenen Exoten Känguru und Krokodil, sondern für die ganz besondere Spezialität des Hauses: „Picanha“, das Schwanzstück vom Rind (brasilianischer Tafelspitz). Es ist ganz mageres Fleisch, umrundet von einer dicken Fettschicht. Das Fleisch wird dabei hochkant auf den Spieß gesteckt, perfekt gegrillt und am Tisch vor den Augen des Gastes auf den Teller gelegt. Vorzüglich. Es gibt eine breite Auswahl an Spezialitäten, die alle auf gleiche Art zubereitet werden.

Nicht allzu häufig esse ich beispielsweise Schweinefleisch. Aber der Schweinenacken, ebenso perfekt gegrillt, war für mich ein außergewöhnliches Genuss-Erlebnis, das Gleiche gilt für die saftigen Spareribs.

Erstklassige Fleischgerichte am laufenden Band

Am Nebentisch speisten holländische Fußballfans, blieben aber nicht lange. Dafür die übrige Gästeschar. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass in einer Churrascaria dermaßen die Post abgeht, aber gleichzeitig auch unverfremdete geschmacklich erstklassige Fleischgerichte serviert werden. Und das am laufenden Band.

Beim Hauptgang stand im Zwei-Minuten-Takt ein Kellner mit dem großen Fleischspieß neben dem Tisch. Damit sind wir automatisch schon beim Service des Brasil Brasileiro. Der wird nicht nur liebevoll und aufmerksam zelebriert, das Management legte bei der Auswahl des Personals auch großen Wert auf Charme. Da kommt Freude auf.

Fleisch allein könnte theoretisch auch langweilig werden, aber die Beilagen sind auch äußerst schmackhaft. Gut geröstete Rosmarin-Kartoffeln, gebackene Bananen und dann mein Favorit, die Maniokwurzel, eine indianische Knolle, ursprünglich aus Peru, die erst gekocht und dann frittiert wird, aber deutlich besser schmeckt als Pommes frites.

Bier aus Südamerika und Friesland

Interessant, dass Wein im Restaurant keine große Rolle spielt. Dafür reicht die Bier-Palette von Brasilien bis Friesland. Ein weiterer Schwerpunkt sind feurige Cocktails, wobei der Bestseller eindeutig Caipirinha ist. Die offenen Weine werden freilich gepflegt. Weil die sensiblen Kreszenzen schnell schal werden wenn die angebrochene Flasche lange steht, wird nach jedem Ausschenken luftdicht versiegelt.

An Flaschenweinen gibt es einen weißen (Sauvignon Blanc) und zwei rote (Cabernet Sauvignon und Merlot). Mein Cabernet stand mit kundenfreundlichen 22 Euro auf der Rechnung. Wer den Abend mit einem besonderen Champagner, begehen möchte, zahlt ganze 15 Euro mehr als der Einkaufspreis ausmacht.

Zu fortgeschrittener Stunde gerieten die Rhythmen heißer, die brasilianischen Tänzerinnen begeisternder. Zwischen den Tischen wurde getanzt und manche Experten, die hier häufiger speisen, machten eine Pause, verbunden mit einem Tänzchen, und widmeten sich dann der nächsten Portion. Das Fleisch kommt übrigens von besonders anerkannten Produzenten aus Brasilien.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es ein zweites Restaurant mit südamerikanischen Spezialitäten in Berlin gibt, am Prenzlauer Berg, die Villa Rodizio.