Das Wort ist die kleinste sinntragende Einheit unserer Sprache. Manche Wörter tragen nach unserem Verständnis allerdings keinen Sinn, sondern Unsinn in die Welt, aber darum geht es hier nicht. Wir wollen nicht die Semantik (Bedeutung sprachlicher Zeichen), sondern die Art der Wörter betrachten. Jedes Wort unserer Sprache wird in der Grammatik (Formen und Funktionen der Sprache) einer bestimmten Klasse von Wörtern gleicher Art zugewiesen, die man als seine Wortart bezeichnet.
Die Einteilung der Wörter in Wortarten ist nicht einheitlich. Ältere Grammatiken unterschieden bis zu 13 Wortarten, indem sie zum Beispiel die Fragewörter oder die Zahlwörter jeweils einer eigenen Gruppe zuordneten. Wir müssen uns das so vorstellen wie bei einer Besteckschublade: Je mehr leere Fächer vorhanden sind, desto differenzierter dürfen wir sortieren. Kommen alle Gabeln bei einer kleinen Schublade in ein und dasselbe Fach, so können wir bei einer großen Schublade mit einem entsprechenden Platzangebot die Kuchengabeln, die Fischgabeln und die Salatgabeln extra legen.
Wie viele Wortarten gibt es nun wirklich? Früher hatte ich acht gezählt. Ich erhöhe auf neun, weil ich den Artikeln jetzt eine eigene Gruppe zuweisen möchte. Damit wollen wir es allerdings auch gut sein lassen. Diese neun Wortarten, in denen gleichartige Wörter nach ihrer Funktion zu einer Gruppe zusammengefasst worden sind, lauten: 1. Verben (Tätigkeitswörter; singen, laufen, sagen), 2. Substantive [Nomen] (Hauptwörter; Kind, Auto, Freude), 3. Adjektive (Eigenschaftswörter; schön, rot, groß) einschließlich der Zahlwörter (Numerale; eins, zwölf, fünfzigste), 4. Artikelwörter (Geschlechtswörter; der, dieser, ein), 5. Pronomen (Fürwörter; er, mein, sich), 6. Adverbien (Umstandswörter; hier, bald, sehr), 7. Partikeln (als, wie, eben, nun) einschließlich der Interjektionen (Ausrufe- bzw. Empfindungswörter; ach, hallo, Tschüs, igitt), 8. Präpositionen (Verhältniswörter; an, bei, anstatt, neben, über) und 9. Konjunktionen (Bindewörter; weil, falls, dass).
Wer sich bei dieser Aufstellung an das hässliche braune Sprachbuch erinnert fühlt, mit dem der altgediente Oberlehrer in der Mittelstufe lustlos die Grammatik erklärte, dem sei eingeräumt, dass eine solche Klassifizierung außerhalb der Sprachwissenschaft per se (an sich) wenig Wert hat. Und dennoch hat die Unterscheidung nach Wortarten einen Nutzen, der über reines Fachwissen hinausreicht und mehr ist als Ballast im Deutschunterricht digitalisierter Schülergenerationen. Wenn es darum geht, ob ein Wort oder eine Fügung groß- oder klein- bzw. getrennt oder zusammengeschrieben wird, ist es stets angeraten festzustellen, mit welcher Wortart oder mit welchen Wortarten wir es zu tun haben. Auf diese Weise bekommt jeder Einzelfall seine übergreifende Systematik.
Substantive (Hauptwörter) werden großgeschrieben, haben wir gelernt. Dazu gehören auch Wörter, die sich durch eine sogenannte Substantivierung (das Gehen, die Schöne) zu Hauptwörtern aufgewertet haben. Groß werden zudem Satzanfänge, Überschriften, Buchtitel und der Beginn einer wörtlichen Rede geschrieben.

Was nicht großgeschrieben wird, wird kleingeschrieben. Ich weiß, dass diese Aussage an Banalität kaum zu übertreffen ist. Doch dahinter steht der Generalverdacht, dass alle Wortarten außer den Substantiven ausschließlich aus kleinen Buchstaben bestehen könnten. Natürlich gibt es, wie bei jeder Rechtschreibregel, auch hierbei Ausnahmen.
Zahlwörter, die eine nicht in Ziffern schreibbare Menge bezeichnen, dürfen großgeschrieben werden (Dutzende von Eiern), unbestimmte Zahladjektive werden großgeschrieben (alles Übrige, etwas Derartiges), ebenso Eigennamen (Großer Wagen), Institutionen (Deutscher Bundestag), Ereignisse (Französische Revolution) sowie Titel (Heiliger Vater, Regierender Bürgermeister).
Kontakt: Deutschstunde@t-online.de


