Nachdem wir vor einer Woche mit einem Hauch von Ironie die schwachen Verben zwar nicht „durchgewunken“, aber durchgewinkt hatten, solidarisierten sich viele Leser aus Spaß an der Sache mit diesen vermeintlich schwächeren Exemplaren. Eine Potsdamerin schickte den Ausriss aus einer Berliner Zeitung, den sie jahrelang aufbewahrt hatte:

In einer Gesellschaft fragt eine Dame ihren Tischnachbarn: „Ach, sagen Sie bitte, Herr Doktor, heißt es eigentlich ‚gewinkt‘ oder ‚gewunken‘?“ Er antwortete: „Weil gar so schön im Glas der Wein geblunken,/ hat sich der Hans dick vollgetrinkt./ Darauf ist er im Zickzack nach Haus gehunken/ und seiner Grete in den Arm gesinkt./ Die aber hat ihm zornig abgewunken/ und hinter sich die Türe zugeklunken.“

Einer Ergänzung bedarf auch das mal stark, mal schwach auftretende Verb hängen. Sie hängte das Bild an die Wand, das dann schief am eingeschlagenen Nagel hing. Leider werden nicht nur Bilder aufgehängt, sondern auch Menschen. Werden diese armen Geschöpfe nun gehängt oder gehenkt? Hier kommt das veraltete Verb henken ins Spiel, das eng mit der Tätigkeit des Henkers verknüpft ist, der jahrhundertelang vor den Stadttoren sein „Handwerk“ ausgeübt hat.

Zum Henken gehören wenigstens zwei Personen

Um den Seeräuber Klaus Störtebeker 1401 auf dem Hamburger Grasbrook vom Leben zum Tode zu befördern, benutzte der Scharfrichter zwar das Beil, aber eigentlich bedeutet henken „hängen machen, durch den Strang hinrichten, am Galgen aufhängen“. Der Mörder wurde verurteilt und gehenkt, heißt es historisch korrekt. Allerdings legen wir heute bei solch unschönen Schilderungen auch sprachlich keinen Wert auf die letzte Korrektheit und schreiben, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt: Der Mörder wurde gehängt. Zum Henken gehören wenigstens zwei Personen – der Henker und sein Opfer. Ein Lebensmüder wäre bei einem Suizid jedoch allein. Er kann sich also nicht selbst henken, sondern nur (aber hoffentlich nicht!) aufhängen.

Ein Leser wollte den Unterschied zwischen effizient und effektiv erklärt haben, was mich zu einer recht filigranen semantischen Betrachtung zwingt. In der Bedeutung „wirksam, erfolgreich“ überschneiden sich die beiden Adjektive. Eine Unterscheidung ist aber möglich, weil bei der Verwendung von effektiv die Betonung auf dem Ergebnis liegt, bei effizient jedoch auf der Methode: Viele Firmen erkennen, wie effektiv Werbung in der Zeitung tatsächlich ist (im Ergebnis), aber: Das Kraftwerk wandelt effizient Wasserkraft in Strom um (mit einer wirkungsvollen Methode).

Kantersiege sind in letzter Zeit etwas aus der Mode gekommen

Ein Tipp zur Schreibung von Fremdwörtern: Wenn ein Fonds [spr. f õ: mit Nasal] etwas mit Geld, Banken oder dem Verlust des Ersparten zu tun hat, schreibt man ihn hinten auch im Singular immer mit „s“: der Aktienfonds, Hedgefonds, Immobilienfonds. Ein Fond ohne „s“ bedeutet „Rücksitz im Wagen“, „Hinter-, Untergrund“ oder „Bratensaft“. Etwas ganz anderes ist der Font mit „t“. Dieses Wort benennt einen Zeichensatz (engl. font zu lat. fundere – gießen [von Drucktypen]).

Als Nachklapp zu den Anglizismen wird das Wort Kantersieg hinterfragt. Ein Kantersieg ist im Fußball ein Sieg mit vielen Toren Unterschied, bei dem der Gegner quasi vom Platz gefegt wird. Kantersiege sind in letzter Zeit etwas aus der Mode gekommen. Dabei stammt der Begriff nicht vom Fußballplatz, sondern aus dem englischen Pferdesport: canter ist eine Kürzung für die Gangart Canterbury gallop und bedeutet Handgalopp, ein Galoppieren ohne besondere Anstrengung. To win in a canter meint also, ein Rennen mit einem so großen Vorsprung zu gewinnen, dass der Reiter sein Pferd vor dem Ziel zurücknehmen und die Ziellinie im leichten Galopp überqueren kann.

Ein solcher Kantersieg wird auch auf andere Sportarten übertragen. Von Hertha BSC ist allerdings in der Europaliga kaum ein Kantersieg zu erwarten, es sei denn vom Gegner.

Mehr Deutschstunde: