Bei der Schreibung eines Wortes können Sie falschliegen (sich irren). Ein solcher Fehler kann jedem einmal passieren, der sich in dem Labyrinth der deutschen Rechtschreibung verlaufen hat. Etwas anderes ist es jedoch, wenn Sie nachts im Bett falsch liegen (an der falschen Stelle), weil die Nackenrolle verrutscht ist oder Ihr Hund Sie im Schlaf an den Rand der Matratze gestrampelt hat. Dann schmerzt morgens der Rücken.

Um im Zweifelsfall festzustellen, ob etwas falschliegt oder falsch liegt, sollten Sie in den Duden oder den Wahrig schauen. Diese Wörterbücher werden im Hinblick auf die Orthografie nicht falschliegen. Es könnte allerdings sein, dass die Bände falsch liegen, sofern sie nämlich im unaufgeräumten Durcheinander des Schreibtisches an einem ungewohnten Platz untergewühlt worden sind.

Falls an der Straßenecke der glutäugige Rom auf seiner Geige eine Melodie falsch spielt, beleidigt das unsere Ohren, wenn wir aber beim Pokern im Hinterzimmer oder auch nur beim Skat während des Stiftungsfestes des Kaninchenzüchtervereins falschspielen (betrügen), kann das uns Freundschaften oder sogar die körperliche Unversehrtheit kosten.

Ergibt die Verbindung von Adjektiv und Verb eine neue, als solche anerkannte Gesamtbedeutung, schreibt man zusammen. Bezeichnet das einfache Adjektiv jedoch das Ergebnis der mit dem Verb genannten Tätigkeit, sollte getrennt geschrieben werden. Wenn ich den Freund auf der Bierterrasse freihalte, so halte ich ihn ja nicht frei am ausgestreckten Arm über die Brüstung, sondern bezahle für ihn. Falls ich jedoch nach der sechsten Runde Bier und Korn vor Übermut den Stuhl ergreife und ihn frei halte, so bekomme ich bestimmt Ärger mit dem Wirt.

Da eine Regel bekanntlich erst dann eine richtig deutsche Regel wird, wenn man sie so oder so verstehen und interpretieren kann, muss man in vielen Fällen je nach Semantik (Sinn) der Fügung Getrennt- oder Zusammenschreibung anwenden: kleinschneiden oder klein schneiden, warm­machen oder warm machen, fertigstellen oder fertig stellen bzw. freisprechen (den Angeklagten) oder frei sprechen (ohne Manuskript).

Hier schlummert das Potenzial für manchen Familienstreit oder sogar für eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den gestressten Lehrer, nachdem er Gustav eine Fünf im Diktat gegeben hat. Bei fakultativen (der freien Wahl überlassenen) Schreibweisen sollten wir uns an die Empfehlungen halten, die im Rechtschreibduden gelb markiert sind.

Eine Eselsbrücke ist der Hinweis, dass zusammengeschrieben wird, wenn das Adjektiv in den Wortgruppen „Adjektiv und Verb“ und „Adjektiv und Partizip“ weder gesteigert noch erweitert werden kann. Getrennt müssen wir jedoch schreiben, wenn das Adjektiv in der gegebenen Verbindung steigerbar oder erweiterbar ist. Nehmen wir das Verb blaumachen für „schwänzen“. Der Begriff ist arbeitsrechtlich so bedenklich, dass er sich nicht steigern lässt – blauer als blau kann man nicht machen, wenn man der Arbeit fernbleibt. Der Kollege könnte am blauen Montag zwar blauer als am Sonntag sein, aber er kann nur, und zwar in einem Wort, blaumachen oder ins Büro gehen.

Peter Schmachthagen schreibt hier wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache
Peter Schmachthagen schreibt hier wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache

Das Gleiche gilt für schwarzmalen, selbst wenn einige Mitbürger und Autofahrer unter uns die Zukunft angesichts der Diesel-Schummeleien noch schwärzer als schwarzmalen. Ein Arzt kann einen Patienten nur krankschreiben (die Arbeitsunfähigkeit bestätigen), aber nicht „kränker“ schreiben.

Ein Wort wird entweder großgeschrieben (mit großem Anfangsbuchstaben) oder kleingeschrieben (vorn mit kleinem Buchstaben) – groß oder klein, dazwischen gibt es nichts. Also muss an dieser Stelle, anders als vor der Reform, zusammengeschrieben werden. Wenn wir aber etwas groß schreiben, schreiben wir das gesamte Wort in großer Schrift gut lesbar an die Tafel, damit Susi es in der letzten Reihe entziffern kann.