Es geht hier um einen kleinen waagerechten Strich, der so breit ist wie die Punze (der Innenraum) des Buchstabens „n“ und im Kegel (der Zeilenhöhe) auf der Linie angesetzt wird, auf der sich die beiden Schenkel des kleinen „x“ kreuzen. Wir sprechen vom Bindestrich, den Sie bestimmt schon oft auf Ihrem Keyboard erzeugt haben. Man nennt ihn in der Druckersprache auch das Divis. Dieser Begriff ist vom lat. divisum (das Geteilte) abgeleitet. Ein Trennstrich sieht genauso aus, wird jedoch erst sichtbar und gebraucht, wenn die entsprechende Silbe an das Zeilenende gerät.
Ein Bindestrich bleibt konstant an der vorgegebenen Stelle, ein Trennstrich ist flüchtig und bedingt. Es gibt noch weitere Striche, etwa den Gedankenstrich, den Geviertstrich, den Streckenstrich, den Überstrich, den Unterstrich, das Minuszeichen. Alle lassen sich durch Tastenkombinationen oder als Sonderzeichen in MS Word darstellen.
Wir wollen hier keinen Kursus in Textverarbeitung abhalten. Uns geht es um die Orthografie und nicht um die Typografie. Wer jedoch auch als Laie seine Schriftstücke, und sei es nur die Einladung zum Skatabend des Kleingartenvereins „Pusteblume“, korrekt gestalten will, dem sei das kleine Buch „Das Tüpfelchen auf dem i“ von Franz W. Kuck empfohlen. Der Bindestrich steht kompress (ohne Zwischenraum) zwischen Wörtern bzw. vor oder nach Wortteilen, der längere Gedankenstrich [Strg+Shift+Num Minus Sign auf der Zehnertastatur] bekommt im Allgemeinen Zwischenräume.
Eine der klarsten und einfachsten Rechtschreibregeln
Bei der Anwendung des Bindestrichs handelt es sich um eine der klarsten und einfachsten Rechtschreibregeln, wenn sie auch aus Unkenntnis oder Trotz gegen den Duden immer wieder in Zweifel gezogen werden. Wenn mehrere Wörter oder Buchstaben vor einem Zweitglied stehen, dann wird die gesamte Fügung ohne Ausnahme durchgekoppelt: Axel-Springer-Platz, Theodor-Mommsen-Gymnasium, Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität, E.-T.-A.-Hoffmann-Gesamtausgabe, Mitte-links-Regierung, K.-o.-Sieg oder Frage-und-Antwort-Spiel. Auch die Abkürzung St. für „Sankt“ ist ein Bestandteil der Aneinanderreihung und bekommt ebenfalls einen Bindestrich: St.-Nikolaus-Kostüm, St.-Pauli-Pastor oder St.-Katharinen-Kirche.
Einfache Komposita mit nur zwei Bestandteilen schreibt man besser zusammen: Mommsenstraße, Springerhaus, Heussplatz, Koreakrieg, Nildelta, Rheinwein, das Motorradfahren oder das Infragestellen. Soll der Name besonders hervorgehoben werden, kann man koppeln: die Folgen des Jalta-Abkommens. Vorsicht jedoch im Berliner Nahverkehr! Es heißt zwar der S-Bahn-Wagen, aber der S-Bahnhof.
Stehen mehrere Wörter als Bestimmung vor einem substantivierten Infinitiv, dann wird konsequent durchgekoppelt: das Auf-die-lange-Bank-Schieben, das In-den-April-Schicken, das Ins-Blaue-Fahren oder das Den-Duden-in-die-Ecke-Werfen. Das erste und das letzte Glied werden immer großgeschrieben, die anderen Teile so, wie sie als Einzelwörter geschrieben worden wären.
Wir meinen die SPD und nicht „die Berlin“
Die „SPD-Berlin“ bekommt übrigens unabhängig davon, wie eng der Zusammenhalt dieser Partei nach der NRW-Wahl noch ist, keinen Bindestrich. Hier steht das Bezugswort vorn und nicht hinten. Wir meinen ja die SPD und nicht „die Berlin“. Einen Bindestrich finden wir in Komposita mit Ziffern und einzelnen Buchstaben: i-Punkt, n-fach, V-Ausschnitt, x-beliebig, Fugen-s, 17-jährig, mehrere 17-Jährige. Ein DIN-A4-Blatt begnügt sich mit zwei Bindestrichen, weil in „A4“ Buchstabe und Ziffer eine Einheit bilden. Das ist bei der A-9-Abfahrt Beelitz jedoch anders.
Ganz ohne Bindestrich muss auch weiterhin der gute, alte, immer noch mit der Mao-Bibel herumlaufende 68er auskommen, weil die Nachsilbe kein Einzelbuchstabe ist. Dieses Schicksal teilt der Alt-68er übrigens mit dem FKKler.
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