Jedes Kind kennt das Krümelmonster aus der „Sesamstraße“, die große Puppe mit blauem Fell und rollenden Augen, die immer Hunger hat und während ihres Auftritts eine Unmenge Kekse verschlingt, wobei die Krümel über die Bühne spritzen. Allerdings melden sich an dieser Stelle immer wieder einige übergenaue Pädagogen, die strafend den Zeigefinger heben und erklären, das Krümelmonster esse keine „Kekse“, sondern Keks. Obwohl sie den Nachwuchs vor dem Bildschirm damit etymologisch überfordern, haben sie recht – oder sagen wir: Sie haben auch recht. Der Keks kann ebenfalls das Keks heißen, den Genitiv mit des Keks oder des Kekses bilden und im Plural als die Kekse oder die Keks auftauchen.
Das erinnert mich an den Hilferuf einer Leserin, die ihrem „Krümelmonster“, ihrem Lebensabschnittspartner, strahlend mitteilte, sie habe Kekse gebacken. Dieser kokettierte mit seiner angemaßten intellektuellen Überlegenheit und erklärte seiner Freundin, sie könne selbst in der Mehrzahl nur Keks gebacken haben. Bevor die beiden sich so auf den Keks gingen, dass sie sich gegenseitig bezichtigten, einen am Keks zu haben, sah ich mich gezwungen, die Auflösung zu liefern.
Die Bezeichnung für das trockene Kleingebäck wurde um 1900 aus dem Englischen als cake (Kuchen) übernommen, und der englische Plural lautet cakes. Offenbar schmeckte dieses Gebäck den Deutschen lange vor der Geburt des Krümelmonsters so gut, dass die Herkunft der Bezeichnung in Vergessenheit geriet und man dieses Fremdwort eindeutschte. Es wurde in Aussprache, Schreibweise und Flexion der deutschen Norm angepasst und erhielt, obwohl „Keks“ genau genommen bereits im Plural stand, mit die Kekse einen neuen Plural verpasst (was einige Oberschlaue veranlasst, auf der ursprünglichen Flexion zu beharren).
Aus einem Fremdwort war ein Lehnwort geworden, das sich so angepasst hatte, dass der fremdsprachliche Kern nicht mehr zu erkennen war. Der Begriff „Lehnwort“ kommt von lehnen (zu Lehen geben). Manche auf diese Weise integrierten Wörter werden für deutsche gehalten, weil sie häufig in der Standardsprache vorkommen, zum Beispiel Möbel, Bus, Doktor, oder sie überhaupt nicht mehr fremd wirken, etwa Bluse, Dose, Droschke, Film, Flöte, Front, Klasse, Krem, Peitsche, spurten, Start, Streik, Truppe, boxen und parken.
Wenn wir heute auf die germanischen Erbwörter beschränkt wären, wäre unser Deutsch recht ausdrucksarm. Im Laufe der Jahrtausende wurde eine große Zahl von Wörtern als Ganzes oder als Bestandteil aus anderen, fremden Sprachen übernommen. Sie werden im Allgemeinen „Fremdwörter“ genannt, wobei nicht der geringste Anlass besteht, sie im nationalen, puristischen Sinne abzuwerten. Ohne Fremd- und Lehnwörter geht es nicht.
Bereits in frühester Zeit, als unsere Vorfahren noch gar kein Deutsch, sondern germanische Stammesdialekte sprachen, stand ihre Sprache mit den Nachbarsprachen im engen Kontakt. Von den Kelten (Galliern), die den Germanen offenbar nicht nur im Brauen von Zaubertränken, sondern auch bei der Verhüttung und im Rechtswesen weit voraus waren, stammen Wörter wie Eisen, Amt, Reich, Geisel, Erbe und Eid. Die Begegnung mit den Römern erbrachte eine weitere Lehnwortschicht. Als Beispiel sei die römische Ziegelbauweise mit den deutschen Lehnwörtern Fenster, Kammer, Mauer, Pfeiler, Sims und Ziegel genannt.
Übertrieben hat man es zeitweise – nein, nicht mit den heutigen Anglizismen! –, mit den Gallizismen, der massenhaften Übernahme aus dem Französischen. In der Zeit des Barocks waren Versailles und Ludwig XIV. das Maß aller höfischen Dinge. Friedrich der Große sprach in seinem Potsdamer Schloss Sanssouci (frz. „sorgenfrei“) mit seinen Hunden und mit Voltaire nur französisch.

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