Worin besteht der Unterschied zwischen einem Eigennamen und einer Gattungsbezeichnung? Ein Eigenname bezieht sich auf ein Unikat, auf eine Person oder ein Objekt, die oder das nur einmal vorhanden ist.
Wenn ein Mädchen Emma heißt, kommt es nicht darauf an, dass es Tausende Emmas gibt. Alle diese Emmas bilden zusammen keine Gattung, sondern jede einzelne Emma ist ein unverwechselbares Individuum, das einen Eigennamen trägt, selbst wenn dieser Eigenname auch von anderen Mädchen oder Frauen benutzt wird.
Die Tatsache, dass wir es hierbei jeweils mit weiblichen Personen zu tun haben, hat keine gattungsbildende Funktion. Es gibt keine eindeutig als „Emma“ zu bestimmende Menschengattung.
Etwas anderes ist es mit dem Stuhl. Ein Stuhl ist kein Individuum, und ein Stuhl trägt im Allgemeinen auch keinen Eigennamen. Ein Stuhl stimmt mit anderen Stühlen in bestimmten typischen Merkmalen überein, die er gemeinsam mit Millionen anderen Stühlen besitzt.
Wir haben es mit der Möbelgattung „Stühle“ zu tun. Eigennamen werden von Menschen oder Gruppen von Menschen getragen (Personen, Völkern, Einwohnern), aber auch von Örtlichkeiten, die wichtig genug erscheinen, individuell hervorgehoben zu werden (geografische Namen, Flüsse, Berge, Sterne und Sternbilder).
Wenn wir vom Gelben Meer, Roten Meer oder Schwarzen Meer sprechen, geht es uns nicht um die Gattungsbezeichnung „Meer“, sondern darum, ein bestimmtes Gewässer als einzelnes Objekt zu benennen. Es kommt dabei auch nicht darauf an, ob das Rote Meer wirklich rot und das Schwarze Meer wirklich schwarz ist.
Weiterhin gibt es Eigennamen für bestimmte Verkehrsmittel (Schiffe, Züge), für Organisationen, Vereine, Firmen, Gebäude, Gaststätten, für Kunstwerke und Publikationen sowie für bestimmte historische Ereignisse (Französische Revolution, Dreißigjähriger Krieg).
Eigennamen können aus einem Wort oder aus einer Wortgruppe bestehen. Bei Einzelwörtern handelt es sich um Substantive (Berlin, Spree, Peter, Müller, Brandenburger Tor).
Wortgruppen sind meistens Nominalphrasen. Als Attribute erscheinen Adjektive (der Rote Milan), Partizipien (der Fliegende Holländer), Zahlwörter (die Zehn Gebote), Präpositionalattribute (Rothenburg ob der Tauber) oder Genitivattribute (das Blaue Band des Ozeans). Straßennamen haben als Ganzes oft nur die Form einer Präpositionalgruppe (Unter den Linden, Zur Alten Post).
Bestimmte Arten von Eigennamen, zum Beispiel von Schiffen, Gaststätten und Werktiteln, können durch Anführungszeichen hervorgehoben werden: die „Alte Liebe“,
„Europäischer Hof“, „Der Spiegel“. Eigennamen werden auch dann flektiert, wenn sie in Anführungszeichen stehen: die Fahrt mit der „Alten Liebe“, die Tagung im „Europäischen Hof“, die Auflage des „Spiegels“. Soll der Nominativ bewahrt werden, muss man als Bezugswort einen Gattungsbegriff voranstellen: die Fahrt mit dem Ausflugsschiff „Alte Liebe“, die Tagung im Hotel „Europäischer Hof“, die Auflage des Magazins „Der Spiegel“.
Gehört ein Artikel zum Namen, so steht er bei der Flexion außerhalb der Anführungszeichen: das Restaurant „Der Goldene Schwan“, aber der Wirt des „Goldenen Schwans“ oder: der Entwicklungsroman „Der grüne Heinrich“ von Gottfried Keller, aber in dem „Grünen Heinrich“ von Gottfried Keller.
Sobald ein Eigenname in seiner Bedeutung über seinen Träger hinauswächst, kann er zu einem Gattungsbegriff befördert werden. In einem solchen Fall sprechen wir nicht mehr von einem Appellativ (Gattung), sondern von einem Eponym.

Bei einem Eponym handelt es sich um eine Gattungsbezeichnung, die aus einem Eigennamen hervorgegangen ist (zu griech. epónymos – seinen Namen woher habend). Wir sagen zu einem Luftschiff Zeppelin, weil Ferdinand Graf von Zeppelin diese fliegenden Zigarren als Erster gebaut hat.
Peter Schmachthagen schreibt hier wöchentlich über die Tücken der deutschen Sprache.
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