Ihnen fehlen manchmal die Argumente? Sie wollen einmal im Leben irrsinnige Macht verspüren? Kein Problem. Donald Trump, Horst Seehofer und Kita-Kinder machen vor, wie die Kunst der Eskalation funktioniert. Hier eine Anleitung in drei Schritten.
1. Wir beginnen mit zartbösem Anquengeln. Testen Sie die Belastbarkeit Ihres Opfers. Fordern Sie! Fordern Sie mehr!! Ignorieren Sie Abmachungen. Mobilisieren Sie das innere Kind und stellen sich vor, Sie stehen vor dem Regal mit der Quengelware. Sie wollen mehr als nur eine Süßigkeit am Tag. Das steht Ihnen zu. Sie wollen. Was genau? Egal. Sie wollen einfach.
2. Attacke: Werden Sie lauter! Noch lauter!! Zeigen Sie keinerlei Schwäche, wenn die Leute gucken, im Gegenteil. Ohne Publikum wäre die Eskalation in fünf Minuten beigelegt. Nichts da. Es gilt das Prinzip Schulhof: Wer jetzt zurückzieht, wird sein Leben lang als Weichei verspottet werden. Genießen Sie die Erotik der niedersten Instinkte. Variieren Sie den Satz „Dann habe ich Dich nicht mehr lieb“.
3. Finale. Ignorieren Sie konsequent, was Sie je über Benehmen, Anstand oder Fakten gelernt haben. Argumente sind für Verlierer, Kritik ist Ansporn. Das Publikum muss unbedingt emotional in zwei unversöhnliche Lager gespalten sein. Hören Sie nur auf Ihre Claqueure. Denken Sie niemals an die Folgen nach. Sie machen Kunst. Und die soll provozieren. Schämen und Fremdschämen mögen unangenehm sein, aber weggucken soll jetzt keiner.
Mobilisieren Sie ihren letzten Mut zum irren Schrillsein. Genießen Sie den Rabatz. Trommeln Sie mit den Fäusten, werfen Sie mit Bauklötzchen, Beleidigungen, Widersprüchen. Das Publikum hält sich genervt die Ohren zu. Alle müssen sich danach sehnen, dass der Krawall aufhört, ganz gleich zu welchem Preis. Erst wenn jeglicher Sinn weggepöbelt ist, wird jede noch so sinnlose Forderung erfüllt.
Nachspiel: Sie haben Ihr Ziel erreicht. Das wunderbare Gefühl des Triumphes. Lächeln Sie. Tun Sie so, als wäre nichts gewesen. Und nächste Woche wieder von vorn.


