So ganz genau wissen wir immer noch nicht, wie es zu dem verhängnisvollen Sturz kam, der Kanzlerin Angela Merkel den Bruch im linken hinteren Beckenring bescherte. Drei Wochen fesselt sie dieser nun ans Bett respektive an die Krücken. Aber vielleicht hätte sich die CDU-Vorsitzende, für die Vorsicht doch eigentlich stets die Mutter der Porzellankiste ist, neue Skier gönnen sollen. Nach Herstellerangaben soll Merkel nämlich auf 20 Jahre alten Latten der Marke „Germania“ unterwegs gewesen sein. Die Dinger müssten zumindest ab und an gewartet werden, um nicht an Rutschqualität zu verlieren. Die Firma bietet das sogar an – doch Merkel hatte darauf verzichtet. Gut möglich, dass die Kanzlerin, die bekanntlich auf Sparsamkeit bedacht ist, nicht ahnte, dass dieser Service kostenlos sein würde.
Politiker unterschätzen die Gefahren auf der Piste
Vor ihr hatte zuletzt Linken-Fraktionschef Gregor Gysi auf Skiern den Salat. Er wagte sich Anfang 2013 mit Freunden in Tirol an eine Abfahrt und stürzte schwer. Diagnose: doppelter Schulterbruch. Kann es sein, dass Politiker, die – vorsichtig formuliert – nicht gerade als Sport-Fanatiker auf sich aufmerksam gemacht haben, die Gefahren unterschätzen, die auf den Pisten lauern? Und Langlauf ist eben auch nicht ohne. In anderen Sportarten haben sich Spitzenpolitiker bisweilen aber ähnlich unerfreuliche Verletzungen zugezogen. Man erinnert sich bis heute mit Grausen an die beiden schweren Fahrradunfälle von Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD). Platzwunden am Hinterkopf, gebrochener Arm: Weitergeradelt ist „Pannen-Rudi“ trotzdem, bis heute firmiert er gar als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer. Nicht jeder wird aus Schaden klug.
Aus Fitness-Gründen zu Fuß ins Büro
Doch selbst das Wandern, Merkels zweite Leidenschaft, birgt offenbar Risiken. Siehe Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kamp-Karrenbauer (CDU), die im Dezember in den Vogesen auf einer Eisplatte ausrutschte und sich dabei einen Ellenbogen brach. Tja, da kann man eigentlich nur Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) loben, der seine sportlichen Möglichkeiten ziemlich realistisch einzuschätzen scheint und sich lediglich um „Bewegung im Alltag“ bemüht. Gröhe, man höre und staune, geht aus Fitness-Gründen zu Fuß ins Büro. Aber nur, wenn das Wetter es zulässt.



