Sie kommen gerade aus New York, Las Vegas und Dublin, nebenbei bereiten Sie das Mauerfall-Jubiläum vor. Ein ordentliches Programm haben Sie da.
Na ja, wer es nicht kennt, findet, es hört sich toll an. In Las Vegas hängen wir nicht an den Spielautomaten, sondern da findet die wichtigste Messe des Tagungswesens weltweit statt. Die, bei der Konferenzen vergeben werden. Meine Kollegen vom Berlin Convention Office und ich versuchen dort, für die nächsten Jahre Kongresse und Veranstaltungen nach Berlin zu ziehen. Das bedeutet an einem Tag bis zu 40 oder 50 Gespräche – und abends ist man froh, früh ins Bett gehen zu können. In Dublin gibt es eine Konferenz der One Young World Leaders, auch die wollen wir nach Berlin locken. Die Belohnung ist am Ende, wenn wir erfolgreich waren. Beim Mauerfall-Jubiläum liegt die Verantwortung bei unseren Kollegen von Kulturprojekte Berlin. 15 Kilometer Lichtgrenze, 8000 Ballons, 8000 Ballonpaten, Hunderttausende Besucher – ich bewundere deren Ruhe und Nervenstärke.
Welche Rolle spielt Visit Berlin an diesem Wochenende?
Zunächst haben wir weltweit für das Ereignis geworben, auf über 300 Pressekonferenzen und Veranstaltungen. Das Mauerfall-Wochenende ist eines der wichtigsten des Jahrzehnts. 120 Internationale Journalisten, Airline-Chefs, Kongressveranstalter sind auf unsere Einladung hin in der Stadt. Die Idee: Berlin und Berliner zeigen der Welt, was sie aus dieser historischen Chance gemacht haben, ideell und wirtschaftlich. Motto: Berlin. 25 years later. Welcome.
Was zeigen Sie den Besuchern konkret?
Wanderungen mit Zeitzeugen längst der Lichtgrenze, Touren in die Kreativszene, in die Kieze. Am Sonnabendabend veranstalten wir gemeinsam mit den Gästen von Kulturprojekte ein Dinner auf der Museumsinsel. Es wird eine bunte Mischung sehr interessanter Menschen sein. Am Sonntag geht es dann zum großen Finale ans Brandenburger Tor.
Wer wird dabei sein?
Das verraten wir erst ein paar Tage vorher. Einige weltbekannte Persönlichkeiten, die sich unserer Stadt verbunden fühlen, haben jedenfalls zugesagt. Ehrengäste sind unser zukünftiger Regierender Bürgermeister und Michael Müller und seine Frau. Er wird die Gäste begrüßen.
Woher kommt die scheinbar immer größer werdende Sympathie für Berlin?
Berlin ist eine Riesen-Comebackstory. Es gab noch, wie vom Urknall, einen Nachhall von der Zeit, als Berlin eine Weltstadt war. In den 20er-Jahren, mit all ihren Widersprüchen. Das ist mit der Nazi-Zeit brutalst abgewürgt und zerbombt worden und anschließend in die nächste Diktatur übergegangen, die DDR. Heute sind viele erstaunt, dass ein Aufenthalt in Berlin viele Vorurteile über Deutschland widerlegt. Berlin ist ein aktiver Zerstörer von Stereotypen. Was den Lebensstil angeht – die Berliner können das Leben genießen, bringen aber wirtschaftlich und kreativ viel Zustande. Wenn ich die Atmosphäre in Berlin beschreiben soll, sage ich: Es ist immer noch wichtiger, einen guten Witz erzählen zu können, als einen Porsche zu fahren. Das mögen die Menschen.
Wer ist Berlins größter Fan?
Briten, Amerikaner, Italiener und, alles andere als selbstverständlich, Israelis. Das wir vor allem junge Rucksacktouristen anziehen, ist übrigens auch so ein schwer zu widerlegendes Vorurteil. Die größte Gruppe sind über 50-jährige Kulturinteressierte, wohl situierte Paare mit hohem Bildungsstand.
Wie viel Zeit investieren Sie im Moment für das Mauerfall-Jubiläum?
Das Wochenende steht schon stark im Fokus. Gerade ist unsere Kampagne auf CNN gestartet. Ein weltweiter Trailer, über 500 Mal wird dieser ausgestrahlt. Das kostet eine Viertelmillion, finanziert von Visit Berlin, zum Großteil, und Berlin Partner. Um das Jubiläum und unsere Stadt zu bewerben. Ich bin überzeugt, dass das Jubiläum die beste Gelegenheit in diesem Jahrzehnt ist, auf die Dinge zurück zu blicken, die Berlin ausmachen. Moritz von Dülmen und ich haben das Motto „Berlin 25 years later – Welcome“ entwickelt. Die Menschen sollen sehen, was die Stadt aus ihrer historischen Chance gemacht hat. Mir wird immer klarer, dass Berlin wahrscheinlich auch durch diese schrecklichen Zeiten gehen musste, um heute so sein zu können, wie wir sind. Berlin ist die Stadt der Freiheit. Das ist unsere Nachricht. Dieses Bild existiert in der Welt von uns. Die Ostberliner haben eine unblutige Revolution hinbekommen. Niemand wurde an die Laterne gehangen, auch nicht die, die gestürzt wurden. Wir sind heute die Stadt der Freiheit, auch für neue Lebensentwürfe. Das zieht wie ein Magnet gute junge vernünftige Leute an. In Kunst und Technologie. Talent, Technology und Tolerance – diese drei T’s haben wir. Damit ist schon viel gewonnen.
Fehlt noch ein „F“ – Finance.
In Berlin ist ziemlich viel richtig gemacht worden, bei der Ansiedlung, mit Adlershof, den Unis. Finance kommt relativ automatisch. Dass Berlin arm ist, stimmt ja gar nicht mehr. Nicht, was die Schulden angeht. Die sind da. Aber die Wirtschaft, die Zukunftstechnologien drängen nach Berlin. Sie wird den Talenten folgen. Bei der Strahlkraft, die Berlin hat, wollen alle hier sein.
Auch die Olympia-Entscheider?
Wenn wir wissen, ob es Hamburg ist oder wir es sind, dann geht es los. Ob 2024 oder 2028 – ich glaube schon, dass wir gute Chancen haben. Ich glaube, die Menschen trauen uns zu, das die Spiele in Berlin zum Kern der olympischen Idee zurück finden! Berlin hat ohnehin das Beste noch vor sich. Und das ist Überzeugung, kein Berufsoptimismus.





