Ich war eben im KaDeWe und habe Ihnen eine Beschwerde mitgebracht. Das LeBuffet oben würde gern vom Haus selbst betrieben werden.
So liegen aber wohl die Mietverträge. Manchmal wünscht man sich, man könnte freier agieren.
So wie Sie? Das Sie hier Vizepräsident sind, wusste ich gar nicht. Mit wem waren Sie zuletzt hier?
Gestern, ganz brav, mit dem Geschäftsführer des Clubs mittags zur Besprechung der weiteren Aktivitäten und wen man noch aufnehmen könnte aus der Stadt. Da gibt es immer Lücken, insbesondere die Kreativen wollen wir noch stärker anziehen. Davor war ich am Donnerstag hier, zum Meeting des Advisory Boards, mit Partnern. Also war ich mit meiner Frau hier, das war besonders schön.
Klingt sehr verliebt. Sind Sie oft gemeinsam hier?
Ja, wir hatten gerade unsere Perlenhochzeit, 30 Jahre. Im Osten hat man früh geheiratet, mit 20. Und normalerweise feiern wir unseren Hochzeitstag mittags immer hier. Egal, welche Termine sonst anliegen, das ist eine stille Tradition. Auch die Kinder sind ganz begeistert, wenn es hier her geht.
Wovon sind Sie gerade weniger begeistert?
Bei Tarifverhandlungen merke ich, dass unser Sozialpartner, die Gewerkschaft Verdi, sich nicht zum Besten verändert hat. Wir sind im Tarifgeschäft eigentlich Partner und sollen Rahmenbedingungen schaffen. In den letzten Jahren, auch aufgrund der immer schwächer gewordenen Gewerkschaft, ist das Zusammenspiel unberechenbarer und aggressiver geworden. Ich wünschte mir eine Gewerkschaft, die deutlich stärker und so auch wieder souveräner wäre. Verdi bewegt zur Zeit kaum noch etwas in der Stadt.
Sie beim Thema verkaufsoffener Sonntag ja auch nicht. Woran liegt das?
Daran, dass wir hier in Deutschland leben. Meine zahlreichen Freunde in Polen pflegen zu sagen: „Bei uns sind die Kirchen am Sonntag gerammelt voll - und danach die Läden. Wir wissen überhaupt nicht, was ihr habt.“ Hier herrscht eine unheimliche Allianz derer, die sonst eher selten miteinander zu tun haben. Explizit die Kirchen und die Gewerkschaft. Und die sind sich einig, dass das Abendland untergeht, wenn wir sonntags in Läden einkaufen. Die Mitarbeiter haben überhaupt keine Sorgen damit. Viele reißen sich um Arbeit am Sonntag, besonders junge Mütter. Und mit der Tatsache, dass der Sonntag der stärkste Einkaufstag im Internet ist, befassen sich die Hüter der alten Ordnung lieber nicht, weil sie darauf keine Antwort haben. Dabei löst jeder Klick am Sonntag natürlich auch Sonntagsarbeit aus, nur die sieht man nicht so…
Wie verbringt denn Familie Busch-Petersen ihre Sonntage?
Wir versuchen, mit allen Familienmitgliedern gemeinsam zu frühstücken. Dann kommt der Kirchgang, so oft es geht. Und jeden Sonntag um 19:30 Uhr gibt es einen festen Termin, unseren Tanzkurs in der Tanzschule am Bürgerpark. Das ist für mich, der ich ja relativ barock lebe, ein wichtiges Lebenselixier. Dort tanzen wir das ganze Programm, Standard und Latein. Ich mag den Cha Cha Cha ja sehr gern. Oder Swing – da kann man mal so richtig die Sau rauslassen. Zum Abhotten. Oft versuchen wir, rauszukommen. Entweder bei uns in Pankow, oder wir machen einen Ausflug mit unserem letzten Kind.
Sind Sie etwa noch mal Vater geworden?
Nicht ganz, wir waren im Tierheim - und haben uns einen Hund ausgesucht. Ein kleines Wuschel, mit unglaublichen Augen. Ich habe den Hund gesehen und gedacht, verdammter Mist, da war es schon entschieden. Deika ist ein Riesenschnauzer-Mix, wachsam, gutmütig und ein wunderbarer Charakter.




