Die Grippesaison 2026/2027 hat begonnen. Die Zahlen für Deutschland und die Bundesländer im Vergleich – sowie die gemeldeten Fälle in den Landkreisen und großen Städten auf einer interaktiven Karte, fortlaufend aktualisiert.
Ende September hat die Grippesaison in Deutschland mit moderaten Fallzahlen begonnen. Wann sich daraus eine Grippewelle entwickelt und wie schwer sie diesmal ausfällt, ist völlig unklar. Verfolgen Sie hier die Entwicklung anhand der aktuell gemeldeten Fälle im Vergleich zum Mittel der letzten fünf Jahre zuvor ohne Corona-Pandemie (gestrichelte Linie).
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Grippewelle nicht vorhersehbar
Saison hat die Grippe immer ab der 40. Kalenderwoche bis in den Mai hinein (20. Kalenderwoche). Dann zirkulieren auf der Nordhalbkugel für gewöhnlich verstärkt Influenza-Viren. Wann eine Grippewelle genau beginnt, lässt sich nicht vorhersagen. Zu einem Ansturm auf die Praxen und zu einem sprunghaften Anstieg nachgewiesener Grippefälle kam es bislang meist nach dem Jahreswechsel. Vom Beginn einer Grippewelle kann man vereinfacht sprechen, wenn in jeder fünften Laborprobe Influenza A- oder B-Viren nachgewiesen werden.
Grippe-Schutzimpfungen empfohlen
Die Grippeschutzimpfung gilt als wichtigster Schritt zum Schutz vor einer Erkrankung. In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (Stiko) unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken, Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie Personen mit erhöhtem beruflichem Risiko, etwa in der Pflege, zur Grippeschutzimpfung. Als optimal gilt eine Impfung im Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember. Aber auch danach kann es noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen. Es dauert laut Stiko 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist.
Grippewelle während Corona-Pandemie ausgefallen
Das Robert Koch-Institut (RKI) ist federführend bei der Beobachtung der Influenza in Deutschland – seit 1992 mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Alle im Labor bestätigten Fälle müssen hier gemeldet werden. Das RKI betont, dass sich der Verlauf von Grippewellen nicht vorhersagen lasse und dass Verläufe regional unterschiedlich ausfallen können.
Generell schwankt die Schwere der Saison stark. So fiel 2020/21 während der Corona-Pandemie weltweit eine Grippewelle aus. In der vergangenen Saison 2025/2026 hatte sie Deutschland früher getroffen als sonst. Den Beginn datierte das Robert Koch-Institut (RKI) rückblickend auf die Woche ab 24. November, zwei bis drei Wochen früher als zuvor. Laut RKI endete sie nach 15 Wochen bereits in der 10. Kalenderwoche (2. bis 8. März.). Nach RKI-Angaben verlief diese Grippewelle insgesamt weniger stark als in der Vorsaison. Allerdings waren Menschen ab 60 Jahren etwas stärker betroffen.
Bis zu jede fünfte Person mit Grippe-Viren infiziert
Die gemeldeten Fallzahlen zeigen nur einen Teil des tatsächlichen Geschehens. Viele Ärztinnen und Ärzte testen nur wenige Patienten auf Grippe, und viele Betroffene gehen bei typischen Symptomen wie Husten oder Gliederschmerzen gar nicht erst zum Arzt. Vor Corona steckten sich während einer Grippewelle schätzungsweise fünf bis 20 Prozent der Bevölkerung an. Nicht alle entwickeln Symptome.
Das RKI schätzt, dass in der Saison 2025/2026 rund zwölf Millionen Menschen an Grippe erkrankten – etwa 14 Prozent der Bevölkerung. Vorherrschend waren Influenza-A-Viren, insbesondere der Subtyp A(H3N2). Hochgerechnet gab es rund 105.000 Krankenhausfälle mit einer Influenza-Diagnose. Zudem wurden 2.216 Todesfälle mit einer im Labor bestätigten Influenza-Infektion gemeldet.
Grippetote: Deutlich mehr Fälle geschätzt als im Labor bestätigt
Wie schwer eine Saison wirklich war, zeigt sich erst später. Schätzungen des RKI weisen deutlich höhere Todeszahlen aus als die reinen Labormeldungen. Das RKI geht in seinen Schätzungen für die Wintersaison 2025/2026 von 16.000 Todesfällen im Zusammenhang mit Influenza- und RSV-Infektionen aus. Im Rahmen seiner regulären Überwachung der Sterblichkeit kann das RKI die Fälle nicht getrennt zuordnen. Es geht jedoch davon aus, dass Influenzaerkrankungen einen größeren Anteil an den geschätzten Todesfällen ausgemacht haben.
Schweinegrippe vor Corona größter Saison-Ausreißer
Auch wenn die Laborzahlen der bestätigten Influenza-Fälle eine Saison nicht perfekt abbilden, geben sie doch gute Hinweise auf den zeitlichen Verlauf: wann es uns üblicherweise am stärksten erwischt und wann wir mit dem Ende einer Grippewelle rechnen können. Im Saisonvergleich gab es bereits vor Corona einen deutlichen Ausreißer: 2009 war der Höhepunkt bereits im Herbst erreicht. Damals hatte ein Grippevirus vom Typ A(H1N1) die ganze Welt im Griff – besser bekannt als Erreger der Schweinegrippe.
anp
Ein Projekt des Interaktiv-Teams
Von André Pätzold, Jeremias Volker, Sebastian Lammers, Carla Grefe-Huge und Sebastian Vollnhals. Weitere Anwendungen des Teams finden Sie auf der Interaktiv-Übersichtsseite




