Viele Menschen nutzen ETF-Sparpläne, um fürs Alter langfristig Vermögen aufzubauen. Doch vorübergehende Unterbrechungen – etwa wegen einer Jobauszeit nach der Geburt eines Kindes – können die Rendite deutlich schmälern. Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox, die dieser Redaktion vorab vorliegen, zeigen: Je nach Dauer der Babypause fehlen bis zum Rentenbeginn bis zu 222.000 Euro.

Wie stark sich die Familiengründung auf den Vermögensaufbau auswirkt, zeigt ein Rechenbeispiel: Eine Sparerin beginnt mit 25 Jahren, monatlich 300 Euro in einen ETF-Sparplan einzuzahlen. Bei einer angenommenen jährlichen Rendite von 7,5 Prozent wächst ihr Depot bis zum 67. Geburtstag auf gut 991.000 Euro.

Auch interessant

Rente aufbauen mit ETF: Babypause kann Tausende Euro kosten

Bekommt sie mit 30 Jahren ein Kind, sinkt ihre Sparrate in der Rechnung im ersten Jahr der beruflichen Auszeit von 300 auf 195 Euro monatlich. Verivox nimmt an, dass das Elterngeld 65 Prozent des vorherigen Einkommens ersetzt und dadurch weniger Geld zum Sparen bleibt. Allein durch die geringeren Einzahlungen fehlen nach einem Jahr 1260 Euro an Vermögen. Bis zur Rente summiert sich der Vermögensnachteil durch entgangene Erträge auf rund 17.700 Euro – selbst wenn die Frau anschließend wieder monatlich 300 Euro einzahlt.

Noch größer wird die Lücke bei längeren Auszeiten. In der Modellrechnung fällt nach dem ersten Jahr das Elterngeld weg, die Sparerin stellt ihre Einzahlungen vollständig ein. Unter diesen Voraussetzungen hätte sie bei einer dreijährigen familienbedingten Jobauszeit bis zur Rente gut 108.000 Euro weniger im Depot. Bei sechs Jahren wären es hochgerechnet sogar 222.000 Euro. Dabei fehlen durch die sechsjährige Pause lediglich 19.260 Euro an Einzahlungen. Der Rest entfällt auf entgangene Erträge.

„Entscheidend sind nicht allein die ausgefallenen Sparraten“, sagt Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox, dieser Redaktion. „Wer im Zuge der Familiengründung für mehrere Jahre weniger oder gar nichts investiert, verzichtet auch auf jahrzehntelange Erträge. Deshalb kann aus einigen Tausend Euro niedrigeren Einzahlungen langfristig eine um ein Vielfaches größere Vermögenslücke entstehen.“

Familienbedingte Auszeiten treffen vor allem Frauen

Die finanziellen Folgen betreffen insbesondere Frauen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts waren 2025 unter den Eltern mit einem Kind unter drei Jahren, die in einem laufenden Arbeitsverhältnis standen, 46 Prozent der Mütter in Elternzeit. Bei den Vätern waren es lediglich drei Prozent.

Um die finanziellen Folgen fairer zu verteilen, empfiehlt Ulbrich, den Vermögensaufbau gemeinsam zu planen. Wie viel eine solche Unterstützung ausmacht, zeigt eine weitere Variante der Modellrechnung: Zahlt der Partner während der Jahre zwei bis sechs der Auszeit monatlich 150 Euro in den ETF-Sparplan der Modellsparerin ein, kommt sie bis zum Rentenbeginn auf einen Depotwert von gut 871.000 Euro. Das sind rund 102.000 Euro mehr als bei einem vollständigen Sparstopp nach dem ersten Jahr. 

Auch interessant

Verivox unterstellt für die Rechnung eine jährliche Rendite von 7,5 Prozent. Die tatsächliche Wertentwicklung kann aufgrund schwankender Aktienkurse davon abweichen. Grundlage ist die historische Durchschnittsrendite des MSCI World von 7,7 Prozent, abzüglich 0,2 Prozent ETF‑Kosten. Steuern bleiben unberücksichtigt.