Viele erwerbstätige Eltern in Deutschland fühlen sich durch staatliche Familienleistungen wie Kindergeld und Elterngeld nicht ausreichend unterstützt. Das geht aus einer Umfrage des Sozialverbands Deutschland (SoVD) hervor, die gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Befragung liegen unserer Redaktion exklusiv vor. Demnach gaben rund 44 Prozent der Befragten an, sich durch die staatlichen Leistungen „nicht“ oder „eher nicht“ ausreichend unterstützt zu fühlen. Rund 42 Prozent fühlen sich dagegen ausreichend unterstützt, knapp 14 Prozent zeigten sich unentschieden.

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Wirtschaft in Berlin

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Für die repräsentative Erhebung wurden zwischen dem 18. Juni und dem 5. Juli insgesamt 2000 erwerbstätige Eltern mit Kindern bis 18 Jahre im Haushalt befragt. Auffällig sind die Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen. Besonders kritisch fällt die Bewertung in Ostdeutschland aus: Dort sagen 53,6 Prozent der erwerbstätigen Eltern, dass staatliche Leistungen wie Kindergeld und Elterngeld ihre Familie nicht ausreichend unterstützen. Im Westen liegt dieser Anteil bei 41,4 Prozent. Umgekehrt fühlen sich Familien im Westen mit 44,6 Prozent deutlich häufiger ausreichend unterstützt als im Osten mit 33,5 Prozent.

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Auch nach dem Bildungsabschluss zeigen sich deutliche Unterschiede. Während sich Eltern mit Abitur noch vergleichsweise häufig ausreichend unterstützt fühlen (45,8 Prozent), sinkt dieser Anteil bei Eltern mit Mittlerer Reife auf 36,2 Prozent und bei Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss auf 35,4 Prozent. Gleichzeitig steigt der Anteil derjenigen, die die staatliche Unterstützung als unzureichend empfinden, von 40,6 Prozent bei Eltern mit Abitur auf 55,7 Prozent bei Eltern mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss.

Hintergrund der Unzufriedenheit dürfte auch die unterschiedliche Entwicklung der Familienleistungen sein. Während das Kindergeld in den vergangenen Jahren mehrfach angehoben wurde, ist der Höchstbetrag beim Elterngeld seit dessen Einführung 2007 unverändert bei 1800 Euro geblieben. Durch die hohe Inflation hat die Leistung damit deutlich an Kaufkraft verloren.

Elterngeld und Kindergeld: Sozialverband sieht deutliches Warnsignal

SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier sprach mit Blick auf die Ergebnisse insgesamt von einem deutlichen Warnsignal. „Die Umfrage zeigt, wie groß die Verunsicherung bei erwerbstätigen Eltern ist“, erklärte sie. Familien stünden angesichts hoher Kosten für Lebensmittel, Energie, Mieten, Kinderbetreuung, Mobilität und Schulbedarf unter erheblichem Druck. Einzelne Entlastungen reichten nicht aus, wenn sie an anderer Stelle durch Einsparungen wieder aufgezehrt würden.

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Die Bundesregierung will das Elterngeld neu ordnen. Einem Entwurf aus dem Haus von Familienministerin Karin Prien (CDU) zufolge soll die maximale Bezugsdauer des Basiselterngeldes für Paare von bisher 14 auf künftig 12 Monate sinken. Den vollen Anspruch sollen Eltern nur noch erhalten, wenn beide Partner jeweils mindestens drei Monate Elternzeit übernehmen. Gleichzeitig soll der Mindestbetrag von 300 auf 330 Euro und der Höchstbetrag von 1800 auf 1900 Euro steigen.