Am Freitag verwandelte sich der Bebelplatz in Berlin-Mitte in ein farbenfrohes und doch ernstes Bild des Protests. Unter dem Motto „Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden!“ fanden zahlreiche Menschen aus unterschiedlichsten sozialen und politischen Spektren zusammen, um gegen Hochrüstung, Militarisierung und Kriegspolitik zu demonstrieren.
Von allen Richtungen – etwa dem Brandenburger Tor und dem Fernsehturm – strömten Menschen auf den historischen Platz. Mit Friedenstauben, Regenbögen, Deutschland- und Palästinaflaggen, aber auch selbst gestalteten Bannern bot die Demonstration ein vielfältiges Bild.
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Angst vor Drittem Weltkrieg: „Ich möchte meine Enkel nicht im Massengrab sehen“
Die Veranstalter der Initiative „Nie wieder Krieg“ sprachen im Nachgang von knapp 20.000 Teilnehmenden. Anders bewertete dies die Polizei, die gegenüber der Berliner Morgenpost von etwa 7500 Personen in der Spitze sprach. Angemeldet waren 10.000 Demonstranten.
Unter ihnen: Peter Tiedtke. „Man hat den Tag der Deutschen Einheit verhunzt. Das ist doch keine Einigkeit mehr heute. Von da oben wird der Krieg angetrieben, und die kleinen Leute leiden“, sagt der Rentner. Er ist mit seinen beiden Enkeln gekommen. „Ich möchte die beiden nicht irgendwann im Massengrab sehen.“ Wie viele hier fürchtet er einen Dritten Weltkrieg.
Zwischen Verschwörungstheoretikern und feministischen Gruppen: „Wir sind alle für Frieden“
Özlem Demirel, Abgeordnete der Linken im Europäischen Parlament, betonte in ihrer Rede ebenfalls die globale Dimension der Friedensbewegung: „Wir sind für einen Frieden in der Ukraine, in Gaza, Sudan, Mali, Kongo – und wir sind gegen die Kriege, die dort mit deutschen, mit EU-Waffen geführt werden.“
Auch Bianca vom überparteilichen Frauenverband „Courage“ ist vor Ort: „In diesen ganzen Kriegen sind immer zuerst die Frauen und Kinder betroffen. Vergewaltigung ist eine Kriegswaffe.“ Auf die Frage, wie sie als feministisches Bündnis gemeinsam mit teils rechten Verschwörungstheoretikern aus der esoterischen Szene demonstrieren könne, antwortet sie: „Ja, das ist auf jeden Fall eine berechtigte Frage. Aber hier sind ja nicht wirklich Faschist*innen. Und bei den teils komplizierten Leuten versuchen wir ja dann auch, ins Gespräch zu gehen. Trotzdem begrüßen wir die breite Beteiligung. Wir sind hier alle gegen Krieg und für Frieden.“
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Eine Lösung für den Gaza-Konflikt: „Netanyahu ist nicht Israel“
Es zeigt sich: Die Versammlung steht nicht nur für Harmonie. Die meisten Redner an diesem Nachmittag ernten Applaus – aber auch Buhrufe. Ein Hinweis auf die gespaltenen Meinungen in der Friedensbewegung.
Der SPD-Politiker Ralf Stegner führte in seiner Rede einen appellierenden Ton: „Es braucht eine Zwei-Staaten-Lösung – für Palästina, aber auch für Israel. Denn Netanyahu ist nicht Israel. Genauso wenig wie Trump die USA ist oder Hitler Deutschland war.“ Wie viele andere auf der Bühne kritisierte er die immensen Ausgaben für Hochrüstung, die seiner Meinung nach den sozialen Sektor gefährden.
Neben der Kritik an Waffenexporten und der angestrebten Wiedereinführung der Wehrpflicht verlangten die Demonstranten einen aktiven Kurswechsel der Bundesregierung. Gefordert wurde der „Stopp des Hochrüstungskurses“, ein Ende der Waffenlieferungen an Krisengebiete und die Beendigung der US-Mittelstreckenwaffenstationierungen. Besonders betont wurde die Notwendigkeit von Diplomatie und Entspannungspolitik. Wie die Berliner Polizei mitteilte, verlief die Demonstration ohne größere Zwischenfälle.





