• Seit vier Jahren sitzt Ghislaine Maxwell in einem US-Bundesgefängnis
  • Zuvor war sie die Vertraute von Jeffrey Epstein – und „versorgte“ ihn wohl mit Frauen und Mädchen
  • Nun könnte sie neue Details preisgeben, die auch US-Präsident Donald Trump in Bedrängnis bringen könnten

Als Donald Trump vor fünf Jahren nach der Verhaftung von Ghislaine Maxwell wegen des Handels mit Kindern und der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen zur langjährigen Partnerin seines Busen-Freundes Jeffrey Epstein befragt wurde, verblüffte der heutige US-Präsident sein Publikum mit einer seltsam wohlmeinenden Antwort: „Ich wünsche ihr alles Gute, was auch immer es ist.”

2025 hat sich die Familie der Tochter des bei einem ominösen Bootsunfall ums Leben gekommenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell, die seit ihr Verurteilung 2021 im Bundesgefängnis von Tallahassee/Florida eine 20-jährige Haftstrafe verbüßt, an die Worte Trumps erinnert. 

Mit vereinten Kräften und teuren Anwälten versucht der Maxwell-Clan die 63-Jährige freizubekommen. Oder Haftverkürzung zu erhalten. Oder zumindest einen neuen Prozess. 

Ghislaine Maxwell tat zeitweilig alles für Jeffrey Epstein - auch Fußmassagen im Flugzeug.
Ghislaine Maxwell tat zeitweilig alles für Jeffrey Epstein - auch Fußmassagen im Flugzeug.© AFP | HANDOUT

Denn dem ersten Verfahren, in dem die von Epsteins Liebhaberin zu seiner Zuhälterin mutierte Milliardärs-Tochter für schuldig befunden wurde, von 1994 bis 2004 Minderjährige zu illegalen sexuellen Handlungen (oft mit Epstein) verleitet und sie an die jeweiligen Schauplätze (etwa dessen Karibik-Insel) transportiert zu haben (mit dem Privatflug namens „Lolita-Express”), habe es an Fairness gemangelt, sagt ihr Anwalt David Oscar Markus. 

So habe die Justiz seinerzeit eine aus einem früheren Verfahren gegen den zwei Mal verurteilten und 2019 im Gefängnis gestorbenen Sexualstraftäter Epstein getroffene Vereinbarung gebrochen, die ihr, Maxwell, Schutz vor Strafverfolgung hätte einbringen sollen. 

Um das zu klären, ist der Oberste Gerichtshof eingeschaltet worden, hat aber noch kein endgültiges Urteil gefällt. Das Weiße Haus hat den Supreme Court aufgefordert, den Einspruch als abwegig abzulehnen. Dem schließt sich die Anwältin Sigrid McCawley, die Hunderte von mutmaßlichen Opfern Epsteins vertreten hat, an. „Nach mehr als zwei Jahrzehnten, in denen sie junge Mädchen rekrutiert und missbraucht hat, die in Jeffrey Epsteins Sexhandelsring gefangen waren, verdient Maxwell keinen Schutz und sollte für die schrecklichen Verbrechen, die sie begangen hat, im Gefängnis bleiben.“

„Sie ist ein Raubtier, das verletzlichen jungen Mädchen auflauerte“

Zur Erinnerung: Anklägerin Lara Pomerantz hatte Maxwell im Prozess so charakterisiert: „Sie ist ein Raubtier, das verletzlichen jungen Mädchen auflauerte, sie manipulierte und zum Missbrauch servierte.” Dass Maxwell auf schockierende Weise kein bisschen Reue zeigte, nahmen die Staatsanwälte damals besonders übel und warfen der gebürtigen Britin vor, „sehr verletzlichen Opfern verheerenden Schaden zugefügt zu haben.”

Aber die Familie Maxwells und einige einflussreiche Influencer lassen nicht locker. Ian Maxwell, ihr Bruder, hält seine Schwester im Bundesgefängnis von Floridas Hauptstadt für mordgefährdet und will eine Revision des Urteils. Dem schließt sich einer der schillerndsten Juristen an, der früher sowohl Epstein wie Donald Trump vertreten hat. Harvard-Rechtsprofessor Alan Dershowitz sagte, dass Ghislaine Maxwell „alles, wirklich alles“ über den Fall Epstein wisse. „Sie hat jede einzelne Reise mit allen arrangiert.” Darum solle ihr die Möglichkeit gegeben werden, vor dem Kongress in Washington auszusagen - unter der Voraussetzung, dass ihr Immunität zugesichert werde.

Eine Maxwell-Aussage unter Eid, sagen Anwälte in Washington, würde für Donald Trump und bisher unbekannte Dritte, die womöglich von Epstein Frauenhandelsring profitierten, „außerordentlich riskant”. Schließlich könnte Maxwell aus Nähkästchen plaudern, die der Öffentlichkeit bislang unbekannt waren. Etwa die Beziehung Epstein - Trump - Maria Farmer. 

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War Trumps erste Frau Ivana Teil des Epstein-Netzwerks?

Das Epstein-Opfer hatte ausgesagt, dass Maxwell eng mit Trumps erster Ehefrau Ivana Trump befreundet gewesen sei, die 2022 an den Folgen eines Sturzes in häuslicher Umgebung gestorben war. Ivana Trump soll demnach an den Streifzügen beteiligt gewesen sei, bei denen Maxwell junge Mädchen rekrutierte, um den Sexhunger Epsteins zu stillen. Auch die Innereien der Männer-Freundschaft zwischen Epstein und Trump, von der sich der Präsident heute mit Macht distanziert und Epstein von seiner Regierungssprecherin einen „Widerling” nennen lässt, könnten dann zur Sprache kommen und Trump „im schlimmsten Fall politisch das Genick brechen.”

Immerhin hatte die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen die dunkelhaarige Frau erklärt, Ghislaine Maxwell habe eine „Schlüsselrolle“ in einem mehrere Bundesstaaten umfassenden Sexhandelsring gespielt, in dem sie „freundschaftliche Beziehungen“ zu mehreren minderjährigen Mädchen aufbaute, diese später „verführte”, „um sie zu sexuellen Handlungen mit Epstein zu bewegen“; wobei sie zeitweilig sogar an den ominösen Massagesitzungen beteiligt war und aktiv mitmachte. Trotzdem will Trumps Vize-Justizminister Todd Blanche, der einst der Privatanwalt des Präsidenten war, in Kürze bei Maxwell vorfühlen. In sozialen Medien kündigte die Nr. 2 hinter Justizministerin Pam Bondi an, das Anwaltsteam der prominenten Inhaftierten zu kontaktieren.

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#13 Volker Wissing über Heldentum, Verrat und Christian Lindner
Meine schwerste Entscheidung
 

Der Ruf nach Einvernahme Maxwells durch das Parlament wird dort zurzeit mit gebremster Euphorie behandelt. Eine Fraktion sagt, dass Maxwell „die letzte noch lebende Hoffnung” darstellt, die vielen schwarzen Flecken in dem Fall auszuleuchten, weil niemand länger und näher mit Epstein zusammen war als sie. Die andere Fraktion befürchtet eine Schlammschlacht für Trump, weil dadurch offenkundig würde, warum der Präsident die Akte Epstein unbedingt schließen will - „weil er selber und Teile seiner Familie darin vorkommen.”