Die Regelungen zum Nachtflugverbot am Flughafen BER sorgen für Kritik. Die Vorschriften seien „unzumutbar“, teilte die irische Billigairline Ryanair am Freitagabend dazu mit. Allein im Monat Februar seien am BER „mehr als 1.600 Ryanair-Passagiere in unangemessener Weise behindert“ worden, kritisiert die Airline. Die Behörden hätten Starts und Landungen ihrer Flüge untersagt. Dabei sei es nur um „wenige Minuten“ gegangen.

„Es macht keinen Sinn, dass Flugzeuge immer wieder innerhalb von Minuten nach Beginn des Nachtflugverbos vom Berliner Flughafen gezwungen sind, den ganzen Weg nach Hannover zu fliegen, um dort zu landen“, betonte Ryanair Manager Dara Brady. Die Passagiere müssten schlussendlich weitere drei Stunden mit dem Bus zurück nach Berlin fahren. „Es wäre viel vernünftiger und umweltfreundlicher, den Fluggesellschaften eine bescheidene Flexibilität zuzugestehen“, so Brady.

Mehrfach mussten Ryanair-Flüge im vergangenen Monat nach Hannover umgeleitet werden, weil sie zu spät am BER ankamen. Betroffen waren laut Ryanair etwa der Flug FR1143 aus Lissabon am 17. Februar. Einen Tag später passierte den Passagieren des Flugs FR2419 aus Teneriffa dasselbe. Beiden Flüge sei die Landung am Berliner Flughafen laut Ryanair von der Flugsicherung verweigert worden, weil sie „innerhalb von 20 Minuten nach dem Beginn des Nachflugverbots“ landen wollten.

Nachtflugverbot am BER: Maschinen von Ryanair immer wieder zu spät

Das Nachtflugverbot am BER gilt in der Zeit von 0 bis 5 Uhr. In dieser Kernzeit sind reguläre Linienflüge ausgeschlossen. Zudem gibt es schon deutliche Einschränkungen des Flugverkehrs in den Nachtrandzeiten von 23 bis 24 Uhr und von 5 bis 6 Uhr.

Der Ryanair-Flug aus Lissabon war nicht zum ersten Mal zu spät. Bereits im Januar hatte die irische Fluggesellschaft die Umleitung eines Fluges nach Hannover beklagt. Dem vorausgegangen sei eine technische Störung am Flughafen Lissabon. Durch den Umweg über Hannover und die anschließende Busfahrt seien die Fluggäste erst nach 4 Uhr morgens am Berliner Flughafen eingetroffen.

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Ryanair am Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg BER. Das Nachtflugverbot wird genau eingehalten.
Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Ryanair am Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg BER. Das Nachtflugverbot wird genau eingehalten.© dpa | Patrick Pleul

Auch Abflüge werden bei zu größer Verspätung am BER unterbunden. Laut Ryanair betraf das etwa Passagiere des Fluges FR177 nach London Stansted am 13. Februar. Der Flug sei zwar 45 Minuten vor Beginn des Nachtflugverbots abflugbereit gewesen. Eine Enteisung des Fliegers an einem vorgegebenen Ort sei von der Flugsicherung aber nicht mehr zugelassen worden. Die Maschine konnte nicht mehr abheben.

Als Grundsatzkritik am Nachtflugverbot will Brady die Einwände der Airline nicht verstanden wissen. „Ryanair hat kein Problem mit dem Nachtflugverbot in Berlin“, betont er. „Aber es ist nur vernünftig, dass die Behörden einen Ansatz verfolgen, um den Fluggesellschaften ein gewisses Maß an Flexibilität zu gewähren, damit sie mit unvorhergesehenen Ereignissen wie dem Wetter umgehen und die Passagiere so effizient wie möglich an ihr Ziel bringen können“, so der Ryanair-Manager.

Ryanair fordert Eingreifen der Politik

Dabei sieht die Fluggesellschaft auch die Politik in der Verantwortung. Schon im Januar hatte eine Ryanair-Sprecherin betont: „Wir ermutigen alle Passagiere, die durch die übermäßig strenge Nachtflugregelung des Berliner Flughafens beeinträchtigt wurden, sich mit Verkehrsminister Volker Wissing in Verbindung zu setzen und ihn aufzufordern, dringend Maßnahmen zu ergreifen.“

Brady erneuerte den Aufruf am Freitagabend. „Ryanair fordert Verkehrsminister Wissing erneut auf, dringend Maßnahmen zum Schutz der Passagiere zu ergreifen“, teilte er mit.

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