Die Fluggesellschaft Ryanair macht ihre Drohungen wahr und streicht den Flugplan am BER zusammen. Wie die irische Airline am Dienstag ankündigte, sollen am Flughafen Berlin-Brandenburg im kommenden Sommerhalbjahr 20 Prozent weniger Flieger der Billigfluglinie abheben. Das bedeutet für Berlin einen Verlust von 750.000 Sitzplätzen. Die Zahl der stationierten Ryanair-Maschinen sinkt von neun auf sieben. Sechs Flugstrecken fallen komplett weg. Betroffen sind die Verbindungen nach Brüssel, Chania, Kaunas, Krakau, Luxemburg und Riga.

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Grund für die Reduzierung des Angebots seien „die horrenden Zugangskosten, die von der deutschen Regierung und dem Flughafenmanagement nicht gesenkt werden konnten“, teilte Ryanair mit. Die Kapazitäten würden nun in andere EU-Länder mit niedrigeren Kosten wie Italien, Polen und Spanien verlagert. Darüber hinaus droht Ryanair mit weiteren Streichungen an deutschen Flughäfen, falls die jüngste Erhöhung der Luftverkehrssteuer nicht rückgängig gemacht, die steigenden Flugsicherungsgebühren nicht gestoppt und die Erhöhung der Sicherheitsgebühren nicht verschoben würde.
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Damit macht die nach Passagierzahlen größte Airline Europas nun Ernst. In den vergangenen Jahren hatte Ryanair-Chef Eddie Wilson immer wieder gedroht, den Flugplan zu reduzieren, wenn sich die Kostensituation nicht verbessere. Zuletzt waren diese Drohungen konkreter geworden und richteten sich immer wieder explizit gegen die Erhöhung der Luftverkehrssteuer. Die Bundesregierung hatte die Steuer im Mai um mehr als 20 Prozent erhöht. Je nach Entfernung werden jetzt zwischen 15,53 und 70,83 Euro pro Ticket erhoben. In den meisten anderen EU-Ländern gibt es diese Steuer nicht.
Flughafen BER: Ein Viertel weniger Flüge als vor Corona
In Schweden wird Berichten zufolge darüber verhandelt, die Steuer wegen der schwachen Luftverkehrsentwicklung im Land nach nur sechs Jahren wieder abzuschaffen. Auch in Deutschland führen Verbände die schwache Entwicklung des Luftverkehrs schon seit längerem auf die hohen Standortkosten zurück. Laut Verband BDL liegt das Sitzplatzangebot in der Bundesrepublik in den kommenden sechs Monaten zwölf Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Am Flughafen BER werden 24 Prozent weniger Plätze angeboten als vor Corona an den Flughäfen Schönefeld und Tegel.
Damit weist der BER immer noch eine der schlechtesten Erholungsraten in Deutschland auf, wenngleich sich die Situation im Vergleich zum vergangenen Jahr etwas verbessert hat. Hingegen sind andere Flughäfen in Europa stark gewachsen. Wie Ryanair-Chef Eddie Wilson am Dienstag ausführte, habe der BER aktuell weniger Fluggäste als die Flughäfen Dublin, Kopenhagen oder Manchester, obwohl diese Städte viel kleiner sind als Berlin. „Es ist eine Schande, dass eine der größten europäischen Städte wie Berlin eine der langsamsten Erholungen hat“, sagte Wilson.
Ryanair-Chef Wilson wütet wegen hoher Kosten am BER
Während andere europäische Städte ihre Zugangskosten senkten, seien „die Kosten in Berlin außer Kontrolle geraten“, betonte der Ryanair-Chef. Die Luftverkehrssteuer und die Flugsicherungskosten seien doppelt so hoch wie vor dem Bau des Flughafens, die Sicherheitsgebühren sogar um ein Vielfaches höher als auf anderen Hauptstadtflughäfen.
Mit der Streichung verlagert Ryanair voraussichtlich einige Dutzend Arbeitsplätze in andere Städte. Eine Ryanair-Maschine hat eine wechselnde Besatzung mit mehr als 30 Leuten. Die rund 60 Beschäftigten der beiden Maschinen, die nun woanders stationiert werden sollen, würde das Unternehmen allerdings gerne halten. In Berlin verbleiben sollen mehr als 200 Arbeitsplätze. Ryanair bleibt trotz der Reduktion neben Easyjet und der Lufthansa-Gruppe eine der wichtigsten Airlines am BER.
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In diesem Sommer hatte Ryanair trotz der Kostensituation etwas mehr Flugverbindungen am BER angeboten als im Vorjahr. Wie die Airline nun berichtete, habe man dem Regierenden Bürgermeister Berlins und der Bundesregierung im Januar außerdem einen Siebenjahres-Wachstumsplan für Deutschland vorgelegt. Jedoch hätten sich daraufhin weder die Politik noch das Flughafenmanagement entsprechend engagiert, beklagte Wilson. „Die Kürzungen werden dem Flugverkehr, dem Einreiseverkehr, der Wirtschaft und der Erholung Deutschlands nach Covid schaden“, betont der Ryanair-Chef.
Den Verantwortlichen des BER wirft Ryanair „chronisches Missmanagement“ vor. Auf Nachfrage dazu betont Wilson, dass der Flughafen im Werben um mehr Flugverbindungen schlicht nicht erfolgreich sei. „Berlin leidet darunter“, sagt Wilson.
Die Flughafengesellschaft drückt auf Nachfrage ihr Bedauern über den Rückzug aus. Die deutliche Kritik an den stark gestiegenen Steuerbelastungen könne man „gut nachvollziehen“.
Einstige Kritiker der Flughafenentwicklung sehen sich bestätigt. „Man hätte für den Flughafen den marktwirtschaftlichen Weg der geregelten Insolvenz wählen müssen, damit der BER wieder in die Wirtschaftlichkeit abheben kann“, teilt Christoph Meyer, Vize-Chef der FDP im Bundestag am Dienstag mit. „Hohe Schulden und damit hohe Start- und Landegebühren drohen den Flugbetrieb nun immer unrentabler zu machen“, betonte der FDP-Politiker. „Ryanairs Entscheidung ist eine schallende Ohrfeige für den Tourismus- und Wirtschaftsstandort Berlin.“




