Im Herbst 2022 hatte der tragische Unfall einer Fahrradfahrerin für großes Aufsehen gesorgt. Die Frau war von einem Betonmischer auf der Bundesallee in Wilmersdorf überfahren worden und in Folge ihrer schweren Verletzungen später im Krankenhaus gestorben. Der Unfall verursachte auch deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil zur selben Zeit Klimaaktivisten der "Letzten Generation" auf der Stadtautobahn A100 demonstriert hatten. Dabei hatte auch ein Rüstfahrzeug der Feuerwehr im Stau gestanden, das den Betonmischer anheben sollte. Es hatte die Frage im Raum gestanden, ob die Verspätung mit zum Tod der Radfahrerin geführt hatte.

Nun gab die Generalstaatsanwaltschaft Berlin in einer amtlichen Mitteilung bekannt, dass die Protestgruppe keine Mitschuld am Tod der 44-Jährigen trägt.

Mitschuld am Tod ausgeräumt: Aktivisten wegen Nötigung und Widerstand angeklagt

Stattdessen müssen sich die beiden Beschuldigten wegen des Vorwurfs der Nötigung sowie des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Beide Angeklagten hatten am 31. Oktober 2022 ein Verkehrsschild auf der Autobahn am Dreieck Funkturm erklommen, Tansparente ausgerollt und sich an der Schildkonstruktion festgeklebt. In der Folge wurde so eine langer Rückstau bis zum Jakob‑Kaiser‑Platz verursacht.

Die Ermittlungen der Berliner Strafverfolgungsbehörden förderten nun zutage, dass jegliches Mitverschulden der Aktivisten am Tod der Fahrradfahrerin ausgeräumt sei. In Folge des unangemeldeten Protests sei es zwar zu einer dreiminütigen Verzögerung des Einsatzleiterfahrzeugs und einem achtminütigen Verzug des Bergungswagens gekommen. Weil sich die verantwortliche Notärztin für eine Sofortrettungsmaßnahme durch Wegfahren des Betonmischers entschieden hatte, wäre schweres Rettungsgerät aber ohnehin nicht benötigt worden.

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Medien, Politiker und auch Polizisten hatten sich anschließend in einer bundesweiten Debatte für die Mitschuld am Tod und infolgedessen drakonische Strafen gegen die Aktivisten ausgesprochen. Auch die Zwillingsschwester der Getöteten hatte den Klimaschützern öffentlich eine Mitschuld an den Folgen des Betonmischer-Unfalls gegeben. Eine Obduktion bewies anschließend nicht nur, dass sich die Notärztin richtigerweise für die sogenannte "Crush-Bergung" entschieden hatte, sondern dass die Verletzungen zwangsläufig tödlich gewesen waren.