Die Exporte der Berliner Unternehmen haben im Jahr 2015 zugelegt. Das belegen amtliche Zahlen und eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) unter Firmen. Danach stiegen die Exporte zwischen Januar und Oktober gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent und erreichten eine Summe von 11,6 Milliarden Euro. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bis zum Jahresende zum vierten Mal den Wert von 13 Milliarden Euro überschreiten“, sagte Melanie Bähr, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Kammer, bei der Präsentation der Umfrage. Im Jahr 2014 hatte die Berliner Wirtschaft Waren im Wert von 13,3 Milliarden Euro ausgeführt. Das waren drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Mittelstand handelt mit der Welt
Acht von zehn Befragten sind kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und einem Umsatz unter zehn Millionen Euro. Jedes vierte befragte Unternehmen erwirtschaftet mindestens die Hälfte seines Umsatzes mit Export. Mehr als die Hälfte machen bis zu einem Viertel ihres Umsatzes im Ausland.
Europa ist mit großem Abstand die Top-Region der exportorientierten Berliner Wirtschaft. 86 Prozent der befragten Unternehmen sind dort aktiv. Die Aktivitäten im europäischen Ausland sind nachhaltig, was sich an der Investitionstätigkeit zeigt: Jedes dritte befragte Unternehmen investiert dort. Auch für die nächsten drei Jahre hat Europa mit großem Abstand Relevanz für die Aktivitäten der hiesigen Wirtschaft. Nordamerika und Russland/Zentralasien folgen auf den Plätzen zwei und drei.
Saudi-Arabien holt auf
Betrachtet man einzelne Staaten, so belegen die USA, Polen, Frankreich, Saudi-Arabien und China die ersten fünf Plätze der aktuellen Exportstatistik. Russland ist im Länder-Ranking nach den EU-Sanktionen auf den elften Platz abgefallen. Bähr bezeichnete das als „schmerzlichen Einschnitt“. Saudi Arabien hat im Gegenzug an Bedeutung gewonnen und schaffte es dank einer hohen Kaufkraft trotz des niedrigen Ölpreises mit einem Plus von 70 Prozent auf den vierten Rang in der Liste der bedeutsamen Außenhandelsnationen. In Südamerika ist Brasilien ein starker Partner der Berliner Wirtschaft. Mehr als jedes zehnte Unternehmen unterhält Geschäftsbeziehungen dorthin.
In den kommenden Jahren könnte der Iran ein stärkerer Handelspartner der Berliner Unternehmen werden, nachdem das Wirtschaftsembargo aufgehoben worden ist. Melanie Bähr sieht ein Umsatzvolumen von 167 Millionen Euro für Berliner Unternehmen. Eine Unternehmerreise der Kammer dorthin ist für 2017 projektiert. „Davon versprechen wir uns viel“, sagte Bähr.
Handel setzt auf Russland
Mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen kommen aus den Branchen Industrie, Dienstleistung und Handel. Von den Industrieunternehmen sind 90 Prozent in Europa aktiv, 55 Prozent in Asien und 50 Prozent in Nordamerika. Im Dienstleistungsbereich agieren 81 Prozent in Europa, 19 Prozent in Nordamerika und 15 Prozent im Mittleren Osten. Für den Handel ist Russland (28 Prozent) nach Europa (76 Prozent) zweitstärkster Partner vor Asien (24 Prozent) und dem Mittleren Osten (12 Prozent).
352 Unternehmen haben sich an der Umfrage der IHK beteiligt. Zur Teilnahme aufgefordert waren dagegen mehrere Tausend der 90.000 Firmen, die der IHK angeschlossen sind. Insofern spiegelt die Umfrage nur das Stimmungsbild eines Teiles der Wirtschaft wider. Dem Statistischen Bundesamt zufolge hat die Berliner Wirtschaft 2014 eine Exportquote von elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht, weniger als jedes andere Bundesland. Die deutsche Wirtschaft erzielte eine Quote von 39 Prozent.
Strategie der Politik angemahnt
Die IHK wünscht sich insgesamt eine stärkere Verzahnung der Akteure in Politik und Wirtschaft. Hilfreich wäre hier eine „längerfristige Strategie“. Als positives Signal wertete Bähr die Wirtschaftsreise des Regierenden Bürgermeisters kürzlich nach Israel. Ein wirtschaftspolitischer Schulterschluss mit dem Nachbarland Brandenburg sei dort sinnvoll, „wo es passt“.




