Nach Ansicht des evangelischen Bischofs Gerhard Ulrich schießt Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) mit seinen Äußerungen über eine „Verwahrlosung und Entkirchlichung Ostdeutschlands“ über das Ziel hinaus.
Mangelnde Hinwendung zum christlichen Glauben und zu Werten wie Nächstenliebe sei keineswegs nur ein Problem der ostdeutschen Gemeinden. Das betreffe ebenso den Westen, sagte Ulrich, Vorsitzender der Kirchenleitung von Nordelbischer Kirche, Evangelisch-Lutherischer Landeskirche Mecklenburgs und Pommerscher Evangelischer Kirche. Schönbohm (CDU) hatte für eine Wiederbelebung des Christentums im Osten Deutschlands plädiert. Nach 40 Jahren Indoktrination in der DDR müsse darüber gesprochen werden, wie Verwahrlosung und Entbürgerlichung verhindert werden könnten. Dazu gehörten Überlegungen, was gegen die „Entkirchlichung“ getan werde könne.
Auch Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) kritisierte Schönbohm. „Als evangelischer Christ finde ich es anmaßend, einer mehrheitlich nicht christlichen Gesellschaft zu unterstellen, sie habe keine Moral und keinen Anstand“, sagte Platzeck auf einer SPD-Veranstaltung. SPD-Generalsekretär Klaus Ness sagte: „Ich kann die Aufregung der Kirche verstehen. Mit seiner durchschimmernden Kreuzzug- und Christianisierungssehnsucht schadet Schönohm dem Ansehen der Kirchen im Osten. CDU-Landeschefin Johanna Wanka sagte, sie „teile die Meinung Schönbohms nicht“.
dpa/hed




