Es beginnt bei den Kleinigkeiten. Seit Wissenschaftsministerin Johanna Wanka vor mehr als 100 Tagen die desolate Brandenburger CDU übernommen hat, wird das Frische suggerierende Orange in Schriftzügen und auf Stellwänden bei offiziellen Anlässen nur noch sehr sparsam eingesetzt. „Mir steht Orange einfach nicht“, sagt die märkische CDU-Chefin. Sie trägt deshalb bevorzugt „kalte Farben“: Grau, Pink oder Weiß. Künftig soll bei der CDU nicht nur farblich jede Dissonanz vermieden werden. Harmonie ist angesagt in der neuen Union.

Statt in anstrengende Intrigen und versteckte Gehässigkeiten steckt die Führungsmannschaft ihre Energie lieber in Geschlossenheit. Neuerdings werden keine anonymen Briefe mehr geschrieben, sondern Positionspapiere erstellt. Das Wort Parteiarbeit hat eine neue Bedeutung bekommen. Der Wahlkampf-Slogan: „Klarer Kurs für Brandenburg“ soll auch für die immer mehr ins Schlingern geratene CDU selbst gelten.

Nur fünf Monate bleiben Zeit, um die konservative Partei bei der Landtagswahl Ende September im traditionell „roten“ Brandenburg einigermaßen attraktiv für den Wähler werden zu lassen. Spitzenkandidatin Johanna Wanka gibt kein Wahlziel aus. Sie sagt nur: „Wir wollen uns verbessern.“

Hochmotiviertes Team um die Kompromiss-Landeschefin Wanka

Bei der Landtagswahl 2004 war die intern als „schlechteste CDU Deutschlands“ titulierte Union hinter SPD und der damaligen PDS bei 19,4 Prozent gelandet. Der Frust über schlechte Wahlergebnisse hat am Ende selbst für den langjährigen Vorkämpfer Jörg Schönbohm die Luft dünn werden lassen. Im Januar 2008 trat der Innenminister vom Amt des CDU-Vorsitzenden zurück. Die „One-Man-Show“ war vorbei, der Machtkampf um die Führung der CDU entbrannte. Schönbohms Wunschnachfolger Ulrich Junghanns hielt sich gerade mal anderthalb Jahre. Sein Widersacher und Stellvertreter Petke hatte ihm zusammen mit einer satten Mehrheit im Landesvorstand gezeigt, wo es nicht langgeht.

Derzeit gibt es allem Anschein nach kein Petke-Lager mehr. Es gibt ein hochmotiviertes Team um die Kompromiss-Landeschefin Wanka. In der Wahlkampfzentrale (am Filmpark) arbeiten junge und alte Mitglieder an der Kampagne für die Spitzenkandidatin. Petke reiht sich ein. Seine Anführerposition hat der Parteivize verloren. Aus der bisherigen parteiinternen Oppositions-Truppe stehen jetzt Dieter Dombrowski und Saskia Funck ganz vorne neben Wanka. Die promovierte Kauffrau Funck führt als Vorsitzende der Landtagsfraktion einstimmige Beschlüsse herbei, der unbequeme Landtagsabgeordnete Dombrowski kann sich als Generalsekretär profilieren. Die beiden verfügen zusammen über die größte Macht in der Union. Neben dem Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen (Elbe-Ester) führen sie die größten Kreisverbände Potsdam-Mittelmark und Havelland an. Petke konzentriert sich stark auf seinen neuen Wahlkreis in Teltow-Fläming. In der Landeshauptstadt wurde er „Mister Elf Prozent“ genannt. So wenige Stimmen hat er gegen Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Linke-Chef Hans-Jürgen Scharfenberg im Landtagswahlkampf geholt. Auch wenn er es nicht geschafft hat, Landesvorsitzender zu werden, hat der stark polarisierende Petke durchaus Zukunftsaussichten in der Partei. Die neue Chefin kann ihn nicht ganz fallen lassen.

Ministerposten für unberechenbaren Petke ausgeschlossen

Ein Ministerposten gilt bei einer Neuauflage der rot-schwarzen Koalition unter Platzeck für den unberechenbaren Petke als ausgeschlossen. In Frage käme für Petke deshalb nur der Posten des Fraktionschefs. Den hatte nach dem Rücktritt von Thomas Lunacek die Landtagsabgeordnete Saskia Funck bekommen. Sollte Finanzminister Rainer Speer (SPD) nach der Wahl ins Innenministerium wechseln, würde die CDU das Finanzministerium für sich reklamieren. Fraktionschefin Funck käme für den Posten in Frage. Die 40-Jährige hat sich bislang als verlässlich erwiesen, wie SPD-Fraktionschef Günter Baaske konstatiert. Die neuen Zeiten in der Brandenburger CDU zeigen sich auch in der Landtagsfraktion. Der neue Fraktionssprecher Max von Merveldt trägt Manschettenknöpfe mit der Aufschrift „be happy“. Irgendwie glauben alle daran, dass alles gut werden könnte in der CDU. Zumindest bis zu den Wahlen.