Neues Restaurant

Manege frei für das Erlebnis „Pincho Nation“

Ende Mai eröffnet in der City West ein neues Restaurant mit Erlebnisfaktor. Reserviert, bestellt und bezahlt wird per App.

Restaurantchef Michael Amelung im „Pincho Nation“ in der Meinekesraße.

Restaurantchef Michael Amelung im „Pincho Nation“ in der Meinekesraße.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE

Berlin. Wer zum ersten Mal das neue Restaurant „Pincho Nation“ betritt, fühlt sich ein wenig wie in „Mr. Magoriums Wunderladen“, der Titel eines Films, in dem Dustin Hoffmann einen magischen Spielzeugladen führt – oder vielleicht auch wie in einem Zirkus. In dem Gastraum an der Meinekestraße in Charlottenburg hängt ein Karussellpferd an der Wand, im Zentrum scheint ein altmodischer Zirkus zu stehen, ausgestopfte Papageien schauen von den Wänden. Auch ein Affe darf nicht fehlen.

Überall gibt es etwas zu entdecken, die Augen haben ständig zu tun. Das Interieur ist bunt, laut, fröhlich und macht gute Laune.

Geschäftsführer Daniel Schartner und Restaurantleiter Michael Amelung lächeln über die hilflos-erstaunten Blicke bei dem Versuch, die Flut der schier endlosen Eindrücke zu bewältigen. Das „Pincho Nation“ setzt auf das Erlebnis. Bei der Einrichtung, beim Service, beim Essen und bei den Getränken. Es gibt kleine Gerichte, sogenannte Pinchos, reserviert, bestellt und bezahlt wird per App. Bargeld und Kartenzahlung wird aber auch möglich sein. Eine Nachricht auf dem Handy informiert den Gast, wenn Essen oder Getränke fertig sind, die er sich dann bei Küche oder Bar abholt.

„Niemand muss mehr auf den Kellner warten“

Für Schartner und Amelung hat das viele Vorteile. Denn sowohl Küche wie auch Servicepersonal hätten mehr Zeit. Nicht für sich, sondern für den Gast. Schartner: „Niemand muss mehr auf den Kellner warten, man bekommt die Rechnung auf das Telefon geschickt, bezahlt, ich gehe raus, alles gut.“ Wenn man das wolle. Amelung ergänzt, man binde auch den Gast mit ein. Der bestelle zwar per App, aber wenn er das Essen abhole, könne er mit dem Küchenleiter oder dem Service sprechen. „Man kann live zuschauen, wie alles gemacht wird, fragen, wie etwas gemacht wird.“

Kommunikation ist ausdrücklich erwünscht – aber kein Muss. Eine Möglichkeit, die man sonst nicht so habe. Damit die Konversation zustande kommt, braucht es aber besondere Talente. Deshalb hat Schartner das Personal sorgfältig ausgewählt, das ist ihm wichtig. Jeder Mitarbeiter müsse Empathie mitbringen und ständig das Gefühl ausstrahlen, er sei Gastgeber. „Das heißt nicht ,Hallo und Tschüss, lieber Gast’“, sagt Amelung. Dazu kommt das Training bei „Pinchos“ in Schweden. Amelung: „Ich möchte, dass der Gast mit dem Gefühl hier rausgeht, dass er ein tolles Erlebnis hatte, dass er wiederkommen möchte.“

Das „Pincho Nation“ ist Erlebnisgastronomie

Da ist es wieder, das Erlebnis. Das „Pincho Nation“ sei Erlebnisgastronomie, so Amelung und Schartner. Aber das meinen beide auch ganz wörtlich. Deshalb auch das bunte zirkusähnliche Design. Jedes Mal gebe es etwas Neues zu entdecken, ein neues Erlebnis. „Das ist wie ein guter Kinofilm“, sagt Amelung. „Nach dem ersten Mal hat man die Grundidee, beim zweiten Mal entdeckt man viele kleine Details.“

Was auch zum Erlebnis gehört: Nichts ist teuer im „Pincho Nation“. Die kleinen, tapasähnlichen Gänge – „Pincho“ kommt vom spanischen Wort für „Spieß“, was „kleine Gerichte“ meint – kosten zwischen 3 und 7 Euro, die Cocktails um die 7,50 Euro. „Nichts Überkandideltes“, sagt Schartner, der 2004 als Küchenchef bei der Eröffnung des „Ritz Carlton“ am Potsdamer Platz dabei war und 1986 sein erstes Praktikum bei Eckart Witzigmann machte. Das Angebot richte sich an „den normalen Mitbürger“. Auf der Karte, pardon, in der App finden sich zurzeit beispielsweise Cheeseburger, Korean BBQ Ribs, Datteln im Speckmantel, Geflügelspieße, Steak à la Pinchos, Crispy Chicken, Buffalo Wings, Meeresfrüchte Paella, Langos, Edamame, aber auch Kebab - als Reminiszenz an Berlin. „Es ist Fun Food“, sagt Schartner, „kleine, sexy Gerichte.“

Die Gerichte werden auf „Boards“ angerichtet

Serviert werden die Tellerchen auf Holzbrettern, „Boards“ genannt, die man in Gestelle am Tisch einhängen kann. So bleibt die Platte frei. Die Höhe ist so gewählt, dass man sich dennoch unterhalten kann. Auch hier gilt: Das Erlebnis ist wichtig, und dazu zählt auch, dass nichts im Weg steht, die Tischfläche nicht mit den kleinen Tellern überladen ist. Drei bis fünf Gerichte müsse man zum Sattwerden rechnen.

Zu trinken gibt es neben Bier und Wein vor allem Cocktails, jeden in einer alkoholischen und in einer alkoholfreien Variante. Ihnen gemeinsam ist: Es handelt sich um „Candy Cocktails“, sie sind bunt und haben noch kleine Süßigkeiten dabei. Amelung: „Mit drei Gerichten und einem Getränk liegt man bei rund 20 Euro.“ Nicht viel für einen Erlebnis-Abend, der übrigens schon am Eingang beginnt. Dort gibt es erst einmal wie im Kino oder Zirkus Popcorn – salziges natürlich.

65 Franchise-Filialen vom „Pinchos“ in Schweden

Entwickelt wurde das Konzept in Schweden. Dort hatte der gelernte Koch Magnus Larsson viel Arbeit in ein Restaurant gesteckt und konnte trotzdem nicht wirklich davon leben. Schließlich hörte er auf und machte sich Gedanken, wie man Gastronomie schnell, effizient und lu­krativ machen könne. Dabei setzte er auf die Möglichkeiten des Smartphones, um ein Restaurant zu konzipieren, das gutes Essen bietet, aber weniger Personal braucht. Heraus kam 2012 das „Pinchos“. Inzwischen gibt es 65 Franchise-Filialen in Schweden und je eine in Dänemark, Finnland und Norwegen. Berlin ist die erste außerhalb Skandinaviens.

Überzeugt war Schartner von dem Konzept übrigens zunächst nicht. Sein Geschäftspartner habe ihm das Werbevideo des „Pinchos“ auf dem Laptop gezeigt, erinnert sich der gebürtige Österreicher. Schartner sagte zu ihm: „Vergiss es, niemand geht mehr in den Zirkus.“ Worauf der gesagt habe: „Ja, du hast Recht. Das ist aber kein Zirkus, sondern ein Restaurant.“ Schartner fuhr nach Göteborg, um sich das „Pinchos“ anzusehen – und war sofort begeistert. Also kaufte man die Lizenz für Deutschland. Mitte Mai eröffnet das „Pincho Nation“ in unmittelbarer Kudamm-Nähe, zunächst ab 16 Uhr.

Vor allem Frauen lieben das „Pinchos“

Zielgruppe ist natürlich jeder, aber in Schweden lieben laut Statistik vor allem Frauen zwischen 16 und 35 Jahren das „Pinchos“, wo sie sich in Gruppen von fünf bis acht regelmäßig treffen, um einen „coolen Abend“ zu erleben. Amelung und Schartner sind auf die Klientel eingestellt. So gibt es zum Beispiel im Vorraum der Damentoiletten einen Pudertisch, wo auch Puder zum Nachschminken bereitgestellt wird. Sorgen wegen der Konkurrenzdichte in der Umgebung machen sich die beiden nicht – auch das „Hard Rock Café“ an der Ecke Meinekestraße und Kudamm schreckt sie nicht. „Kein Mitbewerber“, sagt Schartner. Denn das Konzept des „Pincho Nation“ sei mehr etwas für den Berliner, für eine Stammkundschaft, für Familien, „für das normale Volk“, nicht für Touristen. Die App „Pinchos“ kann man jetzt schon im Google Play Store und in Apples App Store herunterladen.