Es kleckert einfach. Natürlich kleckert es. Softeis ist viel weicher als herkömmliches Speiseeis und lediglich auf minus sechs statt minus 18 Grad gekühlt. Darin liegt dann aber auch der Spaßfaktor. Soll es doch die Finger runterlaufen. Schließlich ist man im Park, im Körnerpark. Die schlossparkähnliche Neuköllner Grünanlage gehört zu den schönsten Berlins, was jedoch gar nicht so bekannt ist, wie man meinen könnte. Simon Braus und Max Gerolstein haben sie vor gut drei Jahren entdeckt, die Gastronomie in der Orangerie übernommen und mit ihrer „Orangerie Neukölln“ dem verwunschenen Ort neues kulinarisches wie auch kulturelles Leben eingehaucht. Ihr jüngster Coup: die Softeis-Maschine im Kiosk der „Orangerie“, wo Snacks und Getränke aus dem Fenster heraus verkauft werden.

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Eisgenuss (und viel mehr) quasi direkt neben der Kunst. Nicht nur der eigenen. Die denkmalgeschützte neobarocke Orangerie, ein langgestreckter einstöckiger Bau mit großen Arkadenfenstern, beherbergt auch die „Galerie im Körnerpark“, einen der renommiertesten Ausstellungsorte für zeitgenössische Kunst in der Hauptstadt. Zudem wandelt sich die Parkanlage in einer ehemaligen Kiesgrube im Sommer auch zum Freiluftkino, organisiert vom Neuköllner Kulturverein „WerkStadt“.

So schön der Ort, so unschön die andere Seite der Medaille. Immer wieder gerät der Körnerpark durch Gewaltakte in die Schlagzeilen – was auch den Machern der „Orangerie Neukölln“ bewusst ist. Dennoch, sagt Simon Braus, dürfe das die eigene Mission nicht infrage stellen. Dass Kids ab und an eine Wasserbombe auf die Terrasse der kulturellen Café-Bar werfen, könne er durchaus nachvollziehen. Er sei schließlich auch einmal jung gewesen, witzelt der 39-Jährige. Ob das Wasser aus dem dortigen Springbrunnen stammt, bleibt dahingestellt.

Die „Orangerie“ versteht sich als Ort für ganztägigen Genuss mit Gäste-fairen Preisen

Orangerie Neukölln
Entspanntes Sein auf der Sommergarten-Terrasse der „Orangerie Neukölln“ im Körnerpark.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Die „Orangerie Neukölln“ haben Braus und Gerolstein als kulinarischen Ort für jede Tageszeit und verschiedene Gelegenheiten konzipiert. Ein Cappuccino mit Hafermilch (3,70 Euro) am späten Vormittag, hausgemachte Limos wie Birne-Lavendel oder Grapefruit-Zitrone (je 4,90 Euro) zum hausgebackenen Kuchen (St./4,70 Euro) aus der Vitrine oder auch Brunch am Wochenende (jeweils 11 bis 16 Uhr) sind schon einige Eckpunkte von Küche und Bar. Geöffnet ist ab 11 Uhr. Es gibt eine Auswahl an Antipasti als Dreier- bis Fünfer-Variation (15 bis 25 Euro), darunter Caponata und weiße Bohnencreme, hausgemachte, getoastete oder gegrillte Focaccia mit Marmelade, „Käse“ oder „Leberwurst“.

„All unsere Gerichte sind übrigens vegan. Unser Verzicht auf tierische Produkte ist jedoch nicht dogmatisch. Es geht vor allem um Genuss“, erklärt Max Gerolstein. Was auch die Speisen der Wochenkarte (5,90–14,50 Euro) einschließt, ein gutes halbes Dutzend gibt es, vom Auberginenauflauf bis zum Caesar Salad. „Wir legen größten Wert auf Produktqualitäten, arbeiten mit Bio-Produkten, beim Essen gänzlich, bei den Getränken vielfach, und kalkulieren unsere Preise sehr Gäste-fair. Wir sind da sehr idealistisch unterwegs“, so Braus und Gerolstein.

Ab dem Nachmittag wird die „Orangerie“ auch zur Bar

Orangerie Neukölln
„Orangerie Cookie“, eine der Softeis-Sorten der „Orangerie Neukölln“. © Manuela Blisse | Manuela Blisse

Die „Orangerie“-Macher haben früher die „Bar Schwelgerei“ in der Neuköllner Sanderstraße betrieben, eine „Kiezkneipe und ein Spaßprojekt“, geschlossen vor fünf Jahren, unabhängig von Corona. Entsprechend ist ihr Getränke-Know-how, mit dem sie die „Orangerie Neukölln“ ab nachmittags auch zur Bar machen: mit konventionellen wie auch Naturweinen, etwa der nach Sauerkirsche und Brombeere schmeckende „Puszta Libre“ von Carl Preisinger aus Österreich, der gekühlt eingeschenkt wird (0,125 l für 7 Euro), oder Drinks wie der „Schwelgerei“ (Earl Grey Infused Vodka, Tonic), der an alte Zeiten anknüpft (9 Euro). Der „Orangerie Spritz“, der herb-süß, erfrischend und spitzig daherkommt, ist ein hausgemachter Aperitif. „Gerade ist die erste Lieferung unseres ersten und sehr hochwertigen Aperitifs ‚Orangerie Bitter’ eingetroffen, den wir zusammen mit dem ‚Freimeisterkollektiv’ aus Kreuzberg entwickelt haben“, so das Duo begeistert.

„Wir versuchen, alles was geht und wenn es gut ist, aus Berlin zu beziehen“, so die Betreiber. Das Bier, Pils und Pale Ale, kommt auch aus der Nähe, von der „Berliner Berg Brauerei“ in Treptow, gerade einmal drei Kilometer fußläufig entfernt. Der nachhaltige Kaffee wird aus der Nachbarschaft bezogen, von der gut einen Kilometer entfernten Neuköllner Rösterei „Vote“. Der „Abyme Vodka“ ist Bio und wird in Kreuzberg produziert.

Diese „Großstadtoase“ erwarte man nicht in Neukölln

Orangerie Neukölln
Entspannung pur auf der Sommergarten-Terrasse. © Manuela Blisse | Manuela Blisse

„Großstadtoase“ findet Simon Braus, sei eine treffliche Beschreibung für den zwischen 1912 und 1916 in einer ehemaligen Kiesgrube angelegten, 2,4 Hektar großen Park und die Orangerie. So einen Ort erwarte man inmitten von Neukölln, unweit der Karl-Marx-Straße zwischen Hermannstraße und Sonnenallee einfach nicht. „Wir spielen hier mit dem Thema ‚Dolce Vita in Neukölln’“, sagt Braus, der seit 14 Jahren in dem Bezirk lebt und sich eng verbunden fühlt mit dem Kiez. „Dieser Ort hat es einfach verdient, dass Menschen hier essen und trinken können und eine gute Zeit haben.“

Die Speise- und Getränkekarte ist wie eine Zeitung gestaltet, vier Seiten zum Auf- und Umblättern. Auf der letzten Seite findet man die anstehenden, teils für die Gäste sogar kostenfreien Events der „Orangerie Neukölln“. Konzerte, DJ-Auftritte, Partys, ein musikalischer Mix aus House, Disko und Jazz. Bei der Eventreihe „Around The Körner“ legen DJs aus dem Kiez auf.

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Auch die Ausstellungen, die in der benachbarten „Galerie im Körnerpark“ gezeigt werden, finden Erwähnung. „Wir arbeiten gerne und gut mit der Galerie zusammen“, so Braus. Die Orangerie hatte auch schon andere berühmte Nutzer: In den 1980er- und 1990er-Jahren unterhielt der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz im Nordflügel sein Atelier.

Die „Orangerie Neukölln“ wird auch gerne für Events und Feiern genutzt

Ebenfalls einen Namen hat sich die „Orangerie Neukölln“ als Eventlocation gemacht. Vor allem für Hochzeiten, Geburtstage und Weihnachtsfeiern, bis zu 80, aber auch 100 Personen. Der Gastraum mit seiner siebeneinhalb Meter hohen Decke bietet im Tagesgeschäft rund 45 Sitzplätze, die Terrasse 100. Außerdem können im „Clementine Club“, der auch Teil der „Orangerie Neukölln“ ist, private Dinner oder Dinnerpartys für bis zu 24 Gästen veranstaltet werden.

Dass das Konzept ihrer „Orangerie Neukölln“ funktionieren würde, habe sich schnell gezeigt, sagt Simon Braus. Vier Monate wurde damals vor der Eröffnung mit einem Tischler aus dem Kiez und einem Steinmetz aus Kreuzberg gewerkelt, um den davor leeren Gastraum in einen geselligen Ort zu verwandeln. Dennoch könne man sich nicht ausruhen. Ganzjährig geöffnet und ob der Terrasse auch wetterabhängig, müsse das Geld, auch für die in der Hochsaison bis zu 35 Mitarbeitenden im Sommer verdient werden, sagt Braus. Es braucht also gutes Wetter, damit die Terrasse voll ist und viele Gäste, die mit einem Softeis in der Hand durch den Körnerpark schlendern.

„Orangerie Neukölln“, im Körnerpark, Schierker Str. 8, Neukölln, Di.–Do. 11–23 Uhr, Fr.+Sbd. 11–0 Uhr, So. 11–21 Uhr, orangerie-nk.de