Riesling, ganz klar. Als eben diese Rebsorte möchte Viktoria Kniely im nächsten Leben wiedergeboren werden. Nicht, weil diese Traube die bekannteste Deutschlands ist und weltweit einen hervorragenden Ruf genießt. „Riesling kann von einfach bis zur Spitzenklasse, von trocken bis süß, und es gibt keine andere Rebsorte, in der sich das Terroir, der Boden so gut zeigt“, sagt sie.

Sonnabend

Genießen in Berlin

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Nancy Grossmann käme wahrscheinlich als Portugiesin wieder – Portugal, eines ihrer liebsten Weinländer. Kniely im „Tante Fichte“, Grossmann im „Grill“ Royal“ – noch mag Wein eine männliche Domäne sein, doch die Sommelièren machen die Berliner Weinszene mit ihrer Leidenschaft, ihrem Genusswissen und ihrer Individualität ungemein vielfältiger.

Genießen in Berlin – die besten Restaurants, die neusten Trends:

Viktoria Kniely sind Beruf und Berufung in die Wiege gelegt worden. „Meine Mutter hatte ein kleines Weingut mit Buschenschänke (Heurigenlokal, Anm. d. Red.)“, erzählt die gebürtige Österreicherin aus der Südoststeiermark. Seit elf Jahren ist sie im Kreuzberger Casual-Fine-Dining-Restaurant „Tante Fichte“ für den Wein zuständig, hat die Karte zusammen mit Inhaber, Gastgeber und Sommelier Michael Köhle auf rund 600 Positionen ausgebaut.

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„Wein muss trinkig bleiben, und man muss Lust auf ein zweites Glas haben“, sagt Viktoria Kniely, Sommelière im „Tante Fichte“.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Ihr Anspruch ist so einfach wie herausfordernd. „Solange ein Wein sauber ist, kommt er mir ins Glas. Wein muss trinkig bleiben, und man muss Lust auf ein zweites Glas haben“, sagt die 35-Jährige, die bei Weinbegleitungen nach einem „guten Mix aus Harmonie und Spannung“ sucht. Im Fokus steht Deutschland. Seit jedoch mit Dominik Matokanovic ein Küchenchef mit kroatischen Wurzeln am Herd steht, wird der vinophile Blick auch auf die Balkanhalbinsel gelenkt.

Weine aus Osteuropa sind im Kommen

Überhaupt Kroatien, Georgien, Moldawien und Ungarn, auch Christiane Dutschmann begeistert sich derzeit für Weine aus Osteuropa. „Generell faszinieren mich unbekannte Winzer und Winzerinnen und Regionen mit Potenzial“, sagt die Sommelière des modernen Gourmet-Restaurants „Brikz“, die sich wie ihre Kolleginnen gerne außerhalb der ausgetretenen, sicheren (Wein-)Pfade bewegt.

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Christiane Dutschmann, Sommelière im „Brikz“, liebt es, die ausgetretenen, sicheren (Wein-)Pfade zu verlassen. © Manuela Blisse | Manuela Blisse

„Im Schaumweinbereich kommt Spannendes aus den nordischen Ländern sowie, etwa mit einem Blanc de Noire aus der Baga-Traube, aus Portugal“, reist sie gedanklich über den Kontinent. „Bei Weißweinen kommt Interessantes aus dem nordspanischen Anbaugebiet Bierzo“, so die gebürtige Berlinerin, der generell ein gutes Preis-Genuss-Verhältnis wichtig ist. Bei ihren Getränkebegleitungen zu Arne Ankers feinsinniger Aromenküche arbeitet sie auch gerne mit Alkoholfreiem im Glas, legt dazu Gemüse ein und setzt Tee an.

Dutschmann: Frauen schmecken Weine anders als Männer

Ob es beim Umgang mit Wein Unterschiede zu den männlichen Kollegen gäbe? Ja, meint sie, alleine schon, weil Frauen Weine anders schmecken würden. Und, ohne pauschalisieren zu wollen, seien Frau offener und entspannter. Was Viktoria Kniely noch um ein „Männer gehen verkopfter an Wein heran“ zu ergänzen weiß.

Beim Thema Gläser sind sich die Sommelièren einig. Sie müssen richtig gut sein. „So leicht, dass man nur das Gewicht des Weines spürt“, schwärmt Greta Maiwald über das Weißweinglas, das sie in der Hand hält. Die Weinbegeisterung der Sommelière aus dem „Nobelhart & Schmutzig“ sei über ihren wortwörtlichen Wissensdurst  – warum schmeckt es, wie es schmeckt? – entstanden, erzählt sie.

Schweiz, Savoyen und die Südtsteiermark begeistern

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Wein aus Leidenschaft: Greta Maiwald, Sommelière im „Nobelhart & Schmutzig“.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Die Anzahl der Weine im Kreuzberger Sternerestaurant ist vierstellig, genau das richtige Terrain für die gebürtige Düsseldorferin. „Regionen, die mich gerade besonders begeistern, sind die Schweiz, Savoyen und die Südsteiermark“, sagt Greta Maiwald. „Wein muss unter natürlichen Bedingungen in die Flasche kommen, also wenig geschönt. Dann kommt Leben ins Glas“, führt die Expertin aus, die auch gerne die Musik im „Nobelhart & Schmutzig“ übernimmt – es gibt noch einen Plattenspieler.

Im „Skykitchen“, das gerade seinen zehnten Geburtstag gefeiert hat, in der zwölften Etage des Hotels „Vienna House by Wyndham Andel’s, agiert eine weibliche Doppelspitze, um die Sterneküche von Sascha Kurgan im Glas zu begleiten: Gastgeberin und Weinexpertin Barbara Merll und Sommelière Sharin Polte. Die Neugier, immer mehr über Wein zu erfahren, hat Sharin Polte, aufgewachsen in der Weinregion Bodensee, zu ihrem heutigen Beruf geführt. „Wein ist ein Lebensgefühl und weckt Emotionen“, sagt sie.

„Man darf Wein nie zu dogmatisch sehen, Wein ist Genuss“

Während Barbara Merll stilistisch auf die Toskana steht, hat ihre jüngere Kollegin ein großes Faible für Naturweine. Das Weinland Serbien begeistert beide, ihr dortiger Lieblingswein ist der „Sauvignon Blejk“ mit dem Konterfei von John Forsythe alias „Blake Carrington“ in der 80er-TV-Kultserie „Denver Clan“ vom kleinen Weingut Chichateau.

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Die mehrfach ausgezeichnete Sommelière des Jahres Nancy Grossmann ist jetzt im Sommelier-Team vom „Grill Royal“.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

„Man darf Wein nie zu dogmatisch sehen, Wein ist Genuss“, findet die mehrfach als „Sommelière des Jahres“ ausgezeichnete Nancy Grossmann, nach dem 3-Sterne-Restaurant „Rutz“ nun im Sommelier-Team des „Grill Royal“. Die Weinkarte: über 2300 Positionen, für sie eine spannende Herausforderung, die Gäste bei dieser Vielfalt zu beraten. „Auch bei den offenen Weinen gibt es eine tolle Tiefe, 23 Weine werden offen angeboten“, sagt sie. Gerade war sie in Portugal. „Es ist immer wieder faszinierend, welche Schätze Europa hergibt“, sagt Nancy Grossmann, für die Portugal mit seinen Weinen, Menschen und der Kultur eine „Herzensangelegenheit“ ist.

Auch beim Champagner mischen Frauen kräftig mit

Champagner ist im „Grill Royal“ seit der Eröffnung vor 17 Jahren ein großes Thema. „In der Champagne passiert derzeit viel durch neue kleine Champagnerhäuser und auch Frauen mischen kräftig mit“, freut sich die Berlinerin und gibt mit dem Weingut „Aurore Casanova“ ein überzeugendes Beispiel.

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„Bricole“-Weinexpertin Anaïs Bourg kommt aus der Nähe der klassischen französischen Weingegend, dem Bordeaux.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Aus Frankreich, aus der Nähe von Bordeaux, kommt Anaïs Bourg. Im Sternerestaurant „Bricole“ hat sie die Weinkarte aus mehr als 300 Positionen, Fokus Deutschland und Frankreich, mit aufgebaut und macht parallel ein Fernstudium am Wein- und Getränkeinstitut WSET in London. „Ich mag Winzer, die die Umwelt respektieren, kleine Weingüter, bei denen das Terroir erkennbar ist“, sagt sie, „denn Terroirweine erzeugen Emotionen, und ich kann den Gästen deren Geschichten erzählen.“ Ein großes Thema für sie sind Rieslinge, ideal für die kräftige, aromatische „Bricole“-Küche.

Man muss die Handschrift des Winzers erkennen können

Der zum „Bricole“ gehörende Weinladen „Lorem & Ipsum“ ist für Anaïs Bourg eine großartige Ergänzung. Eine Weinhandlung mit Vinothek betreibt die Sommelière Anja Schröder. Ihr „Planet Wein“ feiert im August sein 20. Jubiläum. „Ich bin ein großer Fan von Mineralität und Terroir“ sagt sie. Man müsse die Handschrift des Winzers erkennen können. Die Stilistik von Burgunderweinen, deutsche Chardonnays und Champagner gefallen ihr persönlich; ihr Fokus: Weine aus Europa. Georgien, Griechenland, Albanien und Portugal sind aktuell für sie spannende Weinländer, die sie ihren Kunden gerne näher bringt.

Zu beraten, liegt ihr im Blut. Weil sie früher in der Gastronomie gearbeitet hat – ihre erste Station in Berlin war das „Quadriga“ im „Brandenburger Hof“ – kann sie Getränkeempfehlungen zu jedem Menü geben, das ihre Kunden im Kopf haben, eine Doppelkompetenz, die sie auszeichnet. Wenn sich ihre Weinhandlung zum Abend hin immer mehr zur „After Work“-Weinstube mit herzhaften Begleitern auf dem Teller wandelt, dreht sich ihr Planet einfach nur noch um den Genuss namens Wein.

Tante Fichte, Fichtestr. 31, Kreuzberg, Tel. 69 00 15 22, Mi.–Sbd. ab 18 Uhr, tantefichte.berlin

Brikz, Grolmanstr. 53/54, Charlottenburg, Tel. 31 80 37 80, Di.–Sbd. 18–23 Uhr, www.restaurantbrikz.com

Nobelhart & Schmutzig, Friedrichstr. 218, Kreuzberg, Tel. 25 94 06 10, Di.–Sbd. ab 18 Uhr, www.nobelhartundschmutzig.com

Sky Kitchen, im Vienna House by Wyndham Andel’s, Landsberger Allee 106, Lichtenberg, Tel. 45 30 53 26 20, Mi.–Sbd. ab 18 Uhr, www.skykitchen.berlin

Matthias, Kollwitzstr. 87, Prenzlauer Berg, Tel. 27 69 25 37, Mi.–Sbd. ab 18.30 Uhr, www.matthiasrestaurant.com

Grill Royal, Friedrichstr. 105b, Mitte, Tel. 28 87 92 88, tägl. ab 17 Uhr, grillroyal.com

Planet Wein, Mohrenstr. 30, Eingang Charlottenstr., Mitte, Tel. 20 45 41 18, Mo.–Sbd. 12–20 Uhr, www.planet-weinhandel.de