Luftverkehr

Deutlich mehr Passagiere am BER

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Alexander Rothe
So klappt die Flugreise trotz Chaos an Flughäfen

So klappt die Flugreise trotz Chaos an Flughäfen

Das Chaos an deutschen Flughäfen sorgt derzeit für Frust bei den Urlaubern. Mit diesen Tipps klappt die Flugreise trotzdem.

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Am Flughafen BER gibt es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 350 Prozent mehr Passagiere.

Berlin.  Erfreuliche Nachrichten für den Flughafen BER: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Anzahl der Passagiere sowie der Starts und Landungen im ersten Halbjahr 2022 deutlich angestiegen, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg mitteilt. Wenngleich der Verkehr zugenommen hat, liegt er weiterhin weit unter dem Niveau der Vor-Pandemie-Zeit. Dieses ist laut Flughafen jedoch in Sichtweite.

Im ersten Halbjahr 2022 sind insgesamt 72.000 Flugzeuge gestartet und gelandet – 47.100 Maschinen mehr als im gleichen Zeitraum 2021. Ähnliche Entwicklungen wurden bei den Passagierzahlen beobachtet: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat sich das Aufkommen an Reisenden um 370 Prozent erhöht – während zwischen Januar und Juni 2021 rund 1,8 Millionen Menschen über den BER geflogen sind, waren es dieses Jahr bereits rund 8,7 Millionen.

Laut Statistikamt starteten 86,9 Prozent der Passagiere außerhalb Deutschlands oder flogen ins Ausland. Im Gegensatz zur Passagierluftfahrt sieht die Entwicklung im Post- und Frachtverkehr am BER stabiler aus: Mit einem kurzen Einbruch im letzten Jahr, liegt das Frachtaufkommen wieder auf einem ähnlichen Niveau wie 2019. Doch bliebe der Güterverkehr eher eine Randerscheinung, wie Jan-Peter Haack, Sprecher der Flughafengesellschaft, erklärt.

Die Verkehrsdaten hätten Anfang des Jahres weniger vielversprechend ausgesehen: „Die ersten drei Monate sind unter unseren Erwartungen geblieben. Durch die Omikron-Welle gab es deutliche Einschränkungen“, so Haack. Erst mit den Osterferien habe es eine Trendwende in den Fluggastzahlen gegeben. Plötzlich sei das Passagieraufkommen schnell und steil angestiegen. „In dieser Zeit haben wir das Terminal 2 in Betrieb genommen und Umbauarbeiten für mehr Kapazitäten vorgenommen.“ Dabei seien Prozesse automatisiert und digitalisiert worden, wie die Inbetriebnahme von insgesamt 118 Self-Service-Automaten, die das Online-Check-in erleichtern sollen. Dennoch sei der große Andrang zur Herausforderung geworden – für die gesamte Branche, wie Haack betont.

Flughafen BER: Ziel sind 17 Millionen Passagiere im gesamten Jahr 2022

Das Ziel für das laufende Jahr sei eine Abfertigung von 17 Millionen Passagieren insgesamt. „Wir sind optimistisch diese Zielmarke zu erreichen, werden die Prognose aber nicht nach oben korrigieren.“ Dafür gebe es zu viele Unsicherheiten, beeinflusst letztlich durch die politische Weltlage und pandemische Situation. Ein Blick in die oft zitierte Glaskugel sei nicht möglich, somit auch keine Aussage darüber, ob und inwiefern der Flugverkehr wieder beschränkt werden würde. Nichtsdestotrotz würde man sich bereits auf den Herbst und Winter vorbereiten: „Wir werden uns mit den Dienstleistern abstimmen, schauen, wer wann wie viel braucht und wo wir steuernd eingreifen können.“ Zudem werde die Infrastruktur ständig weiterentwickelt.

Zu den neuralgischen Punkten gehört die Personalsituation. Die meisten Unternehmen, die am Flughafen tätig sind, hätten alle Stellen besetzt, so Haack. Problematisch könne es hingegen bei Personalausfällen und fehlendem Puffer werden. „In Berlin ist unsere Personalsituation derzeit stabil, wenngleich die Arbeitsbelastung hoch und die Reserven knapp sind“, erklärt Christoph Meier, Kommunikationsleiter beim Bodenverkehrsdienstleiter Swissport.

Problematisch könne es beispielsweise bei Verschiebungen im Flugplan werden. Dass es eng werden könne, wenn Personal in größerem Umfang ausfällt, gesteht auch die Wisag, die daher in Vorbereitung auf den Sommer eine mobile Einsatztruppe ins Leben gerufen hat. „Das sind erfahrende Kolleginnen und Kollegen, die kurzfristig an bestimmten Standorten eingesetzt werden können“, sagt Jana Eggert, Sprecherin der Wisag. Diese Gruppe könne auch im Winter, wenn der Flugverkehr erfahrungsgemäß niedriger sei, aktiv werden. Mit einer ähnlichen Personalreserve zur Kompensation von Krankheitsausfällen arbeitet auch Aeroground.

BER: Bis Mitte des Jahrzehnts soll Vor-Corona-Niveau erreicht sein

Alle drei Bodenverkehrsdienstleister am BER sehen sich gut aufgestellt, keiner hat auf das Aushilfskräfte-Abkommen mit der Türkei zurückgegriffen. Teils, weil kein Bedarf gegeben sei, teils, weil die bürokratischen Hürden als zu hoch erachteten worden seien. Die Wisag-Sprecherin schließt den Rückgriff auf Aushilfskräfte aus dem Ausland aber auch nicht aus.

Gerade im Hinblick auf die Wachstumspläne der Flughafengesellschaft wird die Personalsuche in Zukunft eine essenzielle Rolle spielen: Bis Mitte des Jahrzehnts soll das Vor-Pandemie-Niveau am Flughafen erreicht werden. Bis dahin müsse neben dem Personal auch die Infrastruktur ausgebaut werden, zum Beispiel durch die Reaktivierung von Terminal 5. Allerdings sind die gegenwärtigen Passagierzahlen noch weit von denen entfernt, die 2019 an den Flughäfen Schönefeld und Tegel abgefertigt wurde. Während im zweiten Quartal 2019 rund 9,6 Millionen Passagiere gezählt wurden, waren es dieses Jahr lediglich 5,7 Millionen.

Neuerung an den Anzeigetafeln

Auf den Anzeigetafeln in den beiden Terminals wird ab sofort die Wartezeit an den Sicherheitskontrollen angezeigt. Das neue System messe auf die Minute genau, wie viel Zeit die Reisenden am Security-Check einplanen müssen, erklärt Haack. Zuvor wurde der Status vor den Sicherheitsspuren in Form von Männchen-Symbolen dargestellt. „Auf unserer Webseite und in unserer App wird die Wartezeit noch so angegeben. Zeitnah werden sie aber mit dem neuen System verknüpft.“

Des Weiteren kündigte er weitere infrastrukturelle Änderungen an. „Wir entwickeln die Infrastruktur stetig weiter. Eine größere Änderung gibt es in den nächsten Wochen“, so Haack.