Flughafen

Am Flughafen BER herrscht Kabelsalat

Neben den Kabeltrassen beschäftigt auch die Brandmeldeanlage die Verantwortlichen am Pannen-Flughafen.

Um das Chaos mit den Kabeln in Ordnung zu bringen, wurden 30 zusätzliche Experten engagiert.

Um das Chaos mit den Kabeln in Ordnung zu bringen, wurden 30 zusätzliche Experten engagiert.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Schönefeld. Der Flughafenchef sprach ungewohnt offen. Bei den zwei letzten kritischen Gewerken am BER, den Kabeltrassen und der Brandmeldeanlage, „haben wir nicht den Fortschritt, den wir uns wünschen“, räumte Engelbert Lütke Daldrup nach der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg am Freitagabend ein. Allerdings habe man in den letzten Wochen deutlich mehr Tempo gesehen. Diese Schlagzahl gelte es beizubehalten.

Der Inbetriebnahmetermin für den neuen Airport im Oktober 2020 sei dennoch nicht gefährdet, versicherte Lütke Daldrup. Es gebe immer noch Puffer im Zeitplan. Auch Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider bestätigte, dass das Kontrollgremium weiter vom Herbst 2020 ausgehe.

In den vergangenen Wochen waren immer wieder Spekulationen aufgetaucht, wonach der Inbetriebnahmetermin im Oktober 2020 akut gefährdet sei, weil die Zeitpuffer für die kritischen Arbeiten aufgebraucht seien. Tatsächlich hatte es vor vier Wochen am BER Ärger gegeben, weil die Sanierung der Kabeltrassen durch die Firma ROM nicht so schnell wie vereinbart vonstattenging.

Bosch droht wegen Brandmeldeanlage Geldstrafe

Um endlich mehr Tempo in die Arbeiten zu bringen, wurde eine weitere Firma engagiert, die eine Handwerker-Kolonne von 30 Leuten an den BER gebracht hat, die seitdem die Mängel abarbeiten. Viel schneller, so die Einschätzung in der Flughafengesellschaft, lassen sich die Kabel nicht sortieren, ohne in der Folge neues Chaos zu erzeugen. Lütke Daldrup strebt mit dem Bauaufsichtsamt eine Absprache an, welche Arbeiten an den Kabeln so schnell wie möglich erfolgen müssen, welche bis zur Inbetriebnahme und welche womöglich danach erledigt werden dürfen.

Das zweite Sorgenkind ist die Brandmeldeanlage. Sie verantwortet die Firma Bosch. Auch hier hatten die BER-Bauleute den Eindruck, dass der Konzern die Arbeiten eher hatte schleifen lassen. Nach einer weiteren Ansage an Bosch brachte das Unternehmen weitere Leute zum BER. Es wurde auf Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt. Jetzt können die Experten tagsüber an den Sensoren und Klappen arbeiten und diese am Abend gleich testen.

Bosch hat vertraglich zugesichert, bis 8. Februar fertig zu sein. Ansonsten droht eine Geldstrafe, Bosch müsste also auf einen Teil seiner Bezahlung verzichten. „Ich erwarte,, dass die verabredeten Termine eingehalten werden“, sagte Lütke Daldrup.

Airlines müssen sich bis Herbst 2019 entscheiden

Weiter gekommen ist man am BER aber mit zwei weiteren Gewerken. Die übergeordnete Steuerung der Brandschutzanlage hat Siemens inzwischen fertig programmiert. Für dieses komplizierteste aller Gewerke sieht Lütke Daldrup damit die wesentlichen Probleme als gelöst an. Im Januar oder Februar sollen die letzten Prüfungen erledigt sein. Das gleiche gilt für die Sprinkleranlage.

Entscheidend für den Starttermin Oktober 2020 wird sein, ob die so genannten Wirk-Prinzip-Prüfungen, also die Tests für das Zusammenspiel der verschiedenen Anlagen, wie geplant im Mai oder Juni nächsten Jahres beginnen können – und ob die dann auch erfolgreich verlaufen. Die Controller, räumte der Flughafenchef ein, gingen anders als das Management eher von August oder September aus. Das sei aber immer noch rechtzeitig.

Ob der Start planmäßig gelingt, wird sich danach herausstellen. Die Airlines müssen ein Jahr im Voraus, also im Herbst 2019, Bescheid wissen, ob sie für den neuen BER oder eben noch für Tegel und Schönefeld planen sollen.

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